Zelluläre Grundlagen von Magnetorezeption
The cellular Basis of Magnetoreception
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)
Keywords
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Magnetoreception,
Sensory Neuroscience,
Magnetite
Jedes Jahr migrieren Millionen von Tieren von der nördlichen in die südliche Hemisphäre und überwinden dabei Ozeane. Für diese Wanderschaft dient ihnen das Erdmagnetfeld als Orientierung. Die zelluläre Grundlage für diesen faszinierenden Sinn, der Magnetorezeption genannt wird, ist noch immer ein wissenschaftliches Mysterium.Die Magnetit-Theorie ist eine Hypothese, die versucht die Grundlage des Sinnes der Magnetorezeption zu erklären. Ihr zufolge wird die magnetische Information mit Hilfe des Eisenoxids Magnetit (Fe 2 O3 ) in neuronale Impulse umgewandelt. Der gegenwärtige Stand der Forschung ist, dass Tauben einen Magnetorezeptor verwenden, der mit dem ophthalmischen Zweig des Trigeminus und dem vestibularen System assoziiert ist. Die Sinneszellen sind jedoch nach wie vor unbekannt. Das Ziel dieses Forschungsantrages ist es, diese primären, magnetosensitiven Zellen zu finden. Das Projekt kann in drei spezifische Aims unterteilt werden: (1) die Identifizierung von potenziellen magnetorezeptiven Zellen (PMCs, engl.: putative magnetoreceptive cells); (2) die Charakterisierung von diesen PMCs; und (3) ihre spezifische Inaktivierung. Um Aim (1), die Identifizierung von PMCs, zu erreichen, werden wir sowohl histologische Techniken als auch unser neues "Magnetoskop" verwenden. Letzteres erlaubt die Isolierung einzelner Zellen auf Grundlage ihres magnetischen Moments. In Aim (2) soll mit Hilfe einer Reihe von molekularen, subzellulären, magnetischen und funktionellen Werkzeugen die Charakterisierung der isolierten PMCs erreicht werden. In Zusammenarbeit mit Dr. Jeremy Shaw (University of Western Australia) werden wir Isolated Magnetic Cell Transmission Electron Microscopy (iMAC-TEM), Energy Filtered Transmission Electron Microscopy (EFTEM) und Selected Area Diffraction (SAED) anwenden, um die subzelluläre Architektur dieser Zellen zu beschreiben und festzustellen, ob sie Magnetit enthalten oder nicht. Weiters werden wir in Zusammenarbeit mit Dr. Michael Winklhofer (Ludwig Maximilian Universität) Magnetic Force Microscopy (MFM) anwenden, um mehr über ihre magnetischen Eigenschaften zu erfahren. Um festzustellen ob PMCs in vitro sensitiv auf Änderungen im Magnetfeld sind, werden wir unser neues Mikroskop, bei dessen Bau auf ferromagnetische Materialen gänzlich verzichtet wurde, verwenden, um mit Hilfe von "Calcium-Imaging" danach zu fragen, ob Zellen auf einen bestimmten magnetischen Vektor reagieren. Wenn die mit dieser Vorgehensweise identifizierten Zellen, in der Tat magnetorezeptiven sind, sollte ihre Inaktivierung folgende Effekte haben: (1) eine Verminderung der durch magnetische Information induzierten neuronalen Aktivität im zentralen Nervensystem und (2) eine Beeinträchtigung der Fähigkeit Aufgaben zu lösen, welche die Wahrnehmung von Magnetfeldern benötigen. Wir werden diese Hypothese in Aim (3) testen, indem wir gemeinsam mit Dr. Michael McGrew (Roslin Institute) Tauben generieren, die ein induzierbares Transgen enthalten, welches in PMCs Apoptose verursacht. Um genetische Marker für PMCs zu identifizieren, werden wir neben bioinformatischen Analysen das Transkriptom analysieren und in situ Hybridisierungen durchführen. Die Promotoren der Markergene werden anschließend mit bakteriellen Nitroreduktasen gekoppelt (welches in der Gegenwart der Chemikalie CB1954 zu Apoptose führt) und transgene Tauben werden mittels Lentivirus-Injektion generiert. Nach der genetischen, oder alternativ auch chemischen, Inaktivierung werden wir anatomische und verhaltensbiologische Phänotypisierung durchführen, sodass eine direkte Korrelation zwischen einem bestimmten Zelltyp und Magnetorezeption hergestellt werden kann.
- Michael Winklhofer, University of Munich - Deutschland
- Jeremy Shaw, University of Western Australia - Vereinigte Staaten von Amerika
- Mike Mcgrew, Roslin Institute - Vereinigtes Königreich
- Mark Lythgoe, University College London - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 385 Zitationen
- 10 Publikationen
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2021
Titel The expression, localisation and interactome of pigeon CRY2 DOI 10.1038/s41598-021-99207-x Typ Journal Article Autor Balay S Journal Scientific Reports Seiten 20293 Link Publikation -
2015
Titel Finding a worm's internal compass DOI 10.7554/elife.09666 Typ Journal Article Autor Rankin C Journal eLife Link Publikation -
2017
Titel Subcellular analysis of pigeon hair cells implicates vesicular trafficking in cuticulosome formation and maintenance DOI 10.7554/elife.29959 Typ Journal Article Autor Nimpf S Journal eLife Link Publikation -
2017
Titel Is magnetogenetics the new optogenetics? DOI 10.15252/embj.201797177 Typ Journal Article Autor Nimpf S Journal The EMBO Journal Seiten 1643-1646 Link Publikation -
2020
Titel A high sensitivity ZENK monoclonal antibody to map neuronal activity in Aves DOI 10.1038/s41598-020-57757-6 Typ Journal Article Autor Nordmann G Journal Scientific Reports Seiten 915 Link Publikation -
2020
Titel The interplay of VSCF/VCI calculations and matrix-isolation IR spectroscopy – Mid infrared spectrum of CH3CH2F and CD3CD2F DOI 10.1016/j.jms.2019.111224 Typ Journal Article Autor Dinu D Journal Journal of Molecular Spectroscopy Seiten 111224 Link Publikation -
2015
Titel Magnetosensitive neurons mediate geomagnetic orientation in Caenorhabditis elegans DOI 10.7554/elife.07493 Typ Journal Article Autor Vidal-Gadea A Journal eLife Link Publikation -
2018
Titel Cryptochrome: The magnetosensor with a sinister side? DOI 10.1371/journal.pbio.3000018 Typ Journal Article Autor Landler L Journal PLOS Biology Link Publikation -
2018
Titel Low-intensity electromagnetic fields induce human cryptochrome to modulate intracellular reactive oxygen species DOI 10.1371/journal.pbio.2006229 Typ Journal Article Autor Sherrard R Journal PLOS Biology Link Publikation -
2018
Titel Improved Genome Assembly and Annotation for the Rock Pigeon (Columba livia) DOI 10.1534/g3.117.300443 Typ Journal Article Autor Holt C Journal G3: Genes, Genomes, Genetics Seiten 1391-1398 Link Publikation