SchülerInnen [er]leben Erdgeschichte: Rote Kreide
Scholars live Earth History: Cretaceous Red Beds
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (100%)
Keywords
-
Hands On Teaching,
Sedimentation,
Outdoor Teaching,
Microfossils,
Class Room Science,
School Excursion
Noch zu den Lebzeiten der Dinosaurier in der Kreidezeit sind die roten Kalke an der Postalmstraße abgelagert worden. In dem FWF-Projekt Orbitale Zyklizität des Campaniums wurden sie detailliert untersucht und zeitlich sehr exakt eingestuft. Die einzelnen Lagen entsprechen dabei sogenannten Milankovic Zyklen, also orbitale Schwankungen, wie sie heute noch wirksam sind (natürlicher Klimawandel). Um Schülern dieses Projekt näher zu bringen müssen wir sie in die Tiefe der Zeit der Erdgeschichte einführen. Die Teilnehmer werden mit den geologischen Zeitdimensionen bekannt gemacht und erfahren so eine ganz andere Zeitrechnung als sie bisher kannten. Das ist aber nur der Einstieg in eine Exkursion in der sie die orbitalen Schwankungen, die Tektonik der Alpen und die Entstehungsgeschichte der roten Kalk- und Mergelsteine kennen lernen. Kernstück der Exkursion ist eine fiktive Probennahme und Auswertung. Die Teilnehmer bekommen Modelle von Kammertierchen (Foraminiferen), Mikrofossilien, die damals als Plankton und Bodenbewohner im Meer der Kreide gelebt haben. Diese Mikrofossilien waren der wichtigste Schlüssel im zugrundeliegenden FWF Projekt, um die feine Zeitskala und die zeitliche Abfolge der Sedimentationsbedingungen aufzuschlüsseln. Die Schüler müssen nun als Forscher agieren, ihre Proben anhand von Bestimmungsliteratur bestimmen und die wesentlichen Schlüsse (Zeitraum und Ablagerungsbedingungen) daraus ziehen. Eben so wie es Dr. Michael Wagreich und Mag. Erik Wolfgring in ihrem FWF Projekt gemacht haben, nur stark vereinfacht und mit einer altersgerechten Anleitung. Im Anschluss an die Exkursion stellen wir der Schulklasse mehrere Stereo-Mikroskope zur Verfügung. Die Schüler bereiten Gesteinsproben auf und separieren darin enthaltene Mikrofossilien um sie zu bestimmen. Die Gesteinsproben sind aus unterschiedlichen Abschnitten im Profil und die Schüler sollen nun das, was sie erst spielerisch unter Anleitung gemacht haben, nun auch am tatsächlichen wissenschaftlichen Objekt tun. In wenigen Stunden können die Schüler Mikrofossilien auszählen, bestimmen und interpretieren. Während Schüler der Unterstufe und der Volksschule mit den Zuordnungen ihr Auslangen finden werden, können Schüler der Oberstufe evolutionäre Aspekte und Änderungen in den Ablagerungsbedingungen untersuchen. Wir wollen mit dem Projekt eine starke Heimatverbundenheit fördern und den Schülern die Augen für eine Attraktion vor ihrer Haustüre öffnen. Die Ergebnisse des FWF Projektes wurden weltweit publiziert, aber die lokale Bevölkerung hat davon kaum etwas mitbekommen. Durch die Ansprache von 50 Bildungseinrichtungen bis in die Stadt Salzburg hinein, erwarten wir uns 15 bis 20 Exkursionen pro Schuljahr. Wir rechnen also mit bis zu 500 Teilnehmer pro Jahr, denen wir die Erdwissenschaften unterhaltsam präsentieren und die besonderen geologischen Verhältnisse im Salzkammergut erklären.
Aufbauend auf einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt zu Zeiteinteilungen, dem natürlichen Klimawandel und Treibhausklima und einhergehende Umweltänderungen während der Kreidezeit, wurden im Wissenschaftskommunikationsprojekt "SchülerInnen [er]leben Erdgeschichte: Rote Kreide", die Ergebnisse des Forschungsprojektes insbesondere Schülerinnen und Schülern der Region Rußbach-Abtenau/Salzburg vermittelt.162 Schüler und Schülerinnen (aus 9 Klassen verschiedener Schulstufen) sowie einer Kindergartengruppe aus Rußbach, wurden an 9 Exkursionstagen mit mehreren didaktischen Methoden und Ansätzen, mit Hilfe von Vermittlern (Verein NATOPIA, regionale Tourismusführer, Museumskustos), mit Zeitdimensionen in der Erdgeschichte, geologischen Schichten, Fossilien und der Evolution vertraut gemacht. Die Exkursionen in die Erdgeschichte wurden zu lokalen, geologisch interessanten Punkten, wie z.B. den Randobachgraben, vom Zentrum Rußbachs ausgehend, geführt. Entlang des Baches wurden Klimaschwankungen, die Entstehung der Alpen, und die Kraft des Wassers spielerisch erklärt und im wahrsten Sinne des Wortes begriffen. In der Folge wurde mit den höheren Schulklassen der Wissenschaft über die Schulter geschaut: Durch die Untersuchung und Auswertung von Mikrofossilproben (die im Kreidemeer vorkommende Kammertierchen, die Foraminiferen, enthielten) unter dem Mikroskop, wurde die Arbeit eines/einer GeologIn simuliert. Als Zentrum der Vermittlung hat sich das Fossilienkabinett-Museum in Rußbach angeboten, dessen Kustos, Fritz Seewald, sich unersetzlich für die Durchführung des Projektes erwies. Wissenschaftliche Unterlagen, Stereo-Mikroskope, Foraminiferenspiel, Zeitschnur, Plattentektonikpuzzle, Alpen-Schüttbild und weitere erarbeitete Materialien wurden diesem als "Geozentrum" geplanten Museumsbereich zur Verfügung gestellt und sowohl der lokalen Bevölkerung als auch Tourismusführern im Rahmen eines "Tages der Rußbacher Erdgeschichte" am 17. 11. 2018 vorgestellt. Dabei wurde auch das Projekt von Schulklassen präsentiert und ein Vortrag zu den Ergebnissen des zugrundeliegenden Forschungsprojekts gehalten. Eine begleitende fachdidaktische Diplomarbeit erfasste die Rezeption der durchgeführten Methoden und Maßnahmen.
- Universität Wien - 100%