Tanz und Migration
Tanz und Migration
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (45%); Kunstwissenschaften (30%); Soziologie (25%)
Keywords
-
Migration,
Aesthetic Diversity,
Dance,
Movement,
Choreography,
Postcolonial
Im Mittelpunkt des beantragten Wissenschaftskommunikationsprojekts steht der Dialog über und die Auseinandersetzung mit Tanz, Migration und ästhetischer Vielfalt mit verschiedenen Öffentlichkeiten. Tanz hat in Diskursen um Migration und den Kulturbetrieb (v.a. im deutschsprachigen Raum) eine komplexe Position: einerseits als Paradebeispiel für Internationalität in den Darstellenden Künsten; andererseits aber auch in seinem außergewöhnlichen Potential für die Performance von Fremdheit durch fremde Tanz- und Bewegungssprachen. Mit dem Schwerpunkt auf künstlerische, kulturelle und ästhetische Diversität und bewegungssprachliche Vielfalt bezieht sich das Kommunikationsprojekt auf das derzeit laufende Einzelprojekt Traversing the Contemporary (pl.): Choreographic Articulations between European and Indian Dance (P 24190; Laufzeit 1.3.2012-30.9.2015), das anhand von postkolonialen, tanzwissenschaftlichen Analysen hybrider choreographischer Praxen in Europa lebender und arbeitender KünstlerInnen und deren kulturwissenschaftlicher Verortung die ästhetische Kategorie des Zeitgenössischen kritisch hinterfragt. Konzepte vom Eigenen und Fremden, die Diskurse um Migration auch in der Kunst dominieren, werden im Rahmen dieser Analysen mit Blick auf die kulturellen Realitäten im Europa des 21. Jahrhundert kritisch hinterfragt. Das Kommunikationsprojekt besteht aus vier Teilprojekten: 1) Choreographie-Residenzen mit (angehenden) TänzerInnen und ChoreographInnen; 2) eine site-specific, partizipative Performance-Lecture, die Fragestellungen rund um das Fremde im Eigenen und tänzerische Bewegung als verkörpertes kulturelles Wissen und künstlerisches Rohmaterial, für ein Publikum außerhalb des akademischen oder künstlerischen Betriebs aufarbeitet 3) eine Community-Performance zum Thema Vielfalt in Bewegung, die mit MigrantInnen kollaborativ erarbeitet wird; und 4) ein fachübergreifendes Performance-Symposium mit WissenschaftlerInnen aus Disziplinen über die Tanzwissenschaft hinaus und mit Beteiligten am Kulturbetrieb, wie zum Beispiel ChoreographInnen, KuratorInnen, KritikerInnen. Durch diese Kommunikationsaktivitäten soll bei den unterschiedlichen Zielgruppen der einzelnen Teilprojekte das Bewusstsein für existierende Vielfalt gesteigert und Ansätze für einen offenen und bereichernden Umgang mit dieser Vielfalt zu vermittelt werden. Wissenschaftskommunikationsprojekt; Prof. Dr. Claudia Jeschke
Das Projekt Tanz und Migration initiierte Aktivitäten, in denen ein Austausch über zeitgenössischen Tanz und dessen Umgang mit Migration im weitesten Sinne stattfinden sollte. Während das Thema Migration in vielen gesellschaftlichen Kontexten und wissenschaftlichen Disziplinen, nicht ausschließlich, aber gerade auch vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher und politischer Ereignisse, vielschichtig verhandelt wird, stellt es im europäischen zeitgenössischen Tanz und der tanzwissenschaftlichen Forschung ein Desiderat dar. Präsentiert sich zeitgenössischer Tanz oft per se als international, da sprachungebunden, findet doch auf der tänzerischen, choreografischen und ästhetischen Ebene kaum eine Reflektion von kulturell markierter ästhetischer Vielheit statt. Das Wissenschaftskommunikationsprojekt wollte genau diese oft nicht sichtbare Trennung ansprechen und sie damit sowohl in den künstlerischen als auch in den wissenschaftlichen Diskurs holen. Dabei sollte eine möglichst große Vielfalt von Kommunikationsformaten wie auch von angesprochenen Zielgruppen erreicht werden. Über Initiativen wie Residenzen und Workshops mit Tanzstudierenden, LaientänzerInnen und tanzbegeisterten Mädchen und jungen Männern, die vor kurzem nach Österreich migriert sind, Vorträgen im akademischen- interdisziplinären Kontext und einem eigenen Performance-Symposium wurde das Thema der Migration auf breiter theoretischer Ebene diskutiert sowie künstlerisch reflektiert und verhandelt. Während dieses Prozesses entstanden in Kooperation mit dem Institute of Dance Arts (IDA) der Anton-Bruckner-Privatuniversität (Linz; Prof. Rose Breuss), der Salzburg Experimental Dance Academy (SEAD), der Initiative Bewegte Interaktion von Sayed Labib und Veronika Kulcsar (Wien), Impulstanz (Wien), der Interfakultären Forschungsplattform Geschlechterforschung (Universität Innsbruck) sowie dem Verein Viele (Salzburg) mehrere Workshops, Präsentationen und Lecture-Performances. Besonders die in den Residenzen erarbeiteten Lecture-Performances der TeilnehmerInnen, die während des Performance-Symposiums in Linz und der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Musikwissenschaft in Salzburg gezeigt werden konnten, sind als Output am Schnittpunkt von Theorie und Praxis hervorzuheben. In den diversen Aktivitäten zeigte sich, dass das Thema der Migration (in einem breiten Verständnis) im zeitgenössischen Tanz (wie auch im öffentlichen Diskurs) mit seiner aktuellen gesellschafts-politischen Relevanz angekommen ist. Allerdings werden kulturelle und ästhetische Differenz in der tänzerischen und choreografischen Praxis nicht mit der gleichen Komplexität verhandelt. Die verschiedenen Kommunikationen des Projekts legten diese Lücke offen und schufen ein Bewusstsein für die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Das Projekt Tanz und Migration eröffnete so ein neues, gesellschaftlich relevantes und aktuelles, Themenfeld für (zeitgenössischen) Tanz und die theoretische und künstlerische Tanzforschung, das von der heterogenen TeilnehmerInnengruppe durchweg mit großem Interesse aufgenommen wurde.
- Universität Salzburg - 100%
Research Output
- 1 Publikationen
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2016
Titel Workshop Tanz und Migration: mehrsprachige Bewegungstexte, hybride Choreographien und transkulturelle Lesbarkeit. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Arend Ak Konferenz Gratzer, Grosch (Eds) Musik und Migration: Jahrestagung der ÖGMW.