Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (60%); Wirtschaftswissenschaften (40%)
Keywords
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Work,
Unemployment,
Social Welfare,
Mobility,
Labour Market,
Poverty
Moderne staatliche Sozialpolitik etablierte seit dem späten 19. Jh. Versicherungsschutz in bestimmten formalisierten Fällen von Nicht-Arbeit: im Falle von Alter, Krankheit, Invalidität und schließlich Arbeitslosigkeit. Damit gewann auch die Kontrolle von Anspruchsberechtigung, von nationalstaatlicher Zugehörigkeit, Arbeitswilligkeit oder Arbeits(un)fähigkeit an Bedeutung. Die neuen Regulierungen von Arbeit und Nicht-Arbeit manifestierten auch bestimmte Vorstellungen von Arbeit und Beruf. Mit Bezug auf einen veränderten gesellschaftlichen Status von Arbeit und auf neue soziale Rechte erlebten zugleich die Debatten über Landstreicherei, Bettelei und Arbeitsscheu einen neuen Aufschwung. Wem soll geholfen werden? Wer schädigt hingegen durch Verweigerung von Arbeit das Gemeinwohl? Nicht jede Art, ein Einkommen zu finden, wurde gleichermaßen als Arbeit anerkannt. Viele Aktivitäten changierten zwischen Arbeit, Arbeitssuche, Nicht-Arbeit, Bettelei und Vagabundage. Sie wurden verdächtigt, Deckmantel der Arbeitsscheu oder negative Arbeit zu sein. Sie gehörten damit einem umstrittenen Grenzbereich zwischen Wohlfahrt, Arbeitsmarkt und Kriminalität an. Formen ungelernter, temporärer, saisonaler Lohnarbeit wurden in diesem Kontext (weiter) marginalisiert und umgedeutet. Das Projekt untersucht die umstrittenen Grenzen von Arbeit. Die Veränderungen von Arbeit und die Entstehung staatlicher Wohlfahrtspolitik wurden bislang meist aus der Perspektive des Staates und der Politik beschrieben. Das Projekt nimmt eine andere Perspektive ein. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen prekäre Formen von Lohnarbeit und Nicht-Arbeit im Zusammenhang mit der Organisation des Arbeitsmarktes, der Arbeitsvermittlung und der Arbeitssuche. Die Untersuchung konzentriert sich auf den Raum Österreichs in der Zeit von 1918-1938, berücksichtigt jedoch zugleich wesentliche Entwicklungstendenzen seit dem späten 19. Jahrhundert. Von besonderem Interesse sind dabei das Wandern von Arbeitslosen sowie die damit verbundenen Formen von Integration, Unterstützung und Kontrolle der Wanderer. Das Projekt macht jene Praktiken zum Gegenstand, die mit unterschiedlicher Wirksamkeit definierten, unterschieden und hierarchisierten, was auf welche Weise Arbeit und Nicht-Arbeit war. Marginalisierte Perspektiven und Praktiken werden dabei wesentlich mit in die Analyse eingeschlossen. Autobiographien, Gerichts- und Polizeiprotokolle stellen dafür die Quellengrundlage.
- Universität Wien - 100%