Lipidinteraktionen des T-Zellrezeptorkomplex
Lipid interactions of the T cell receptor complex
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (60%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (40%)
Keywords
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Plasma Membrane,
Micropatterning,
Lipid-Proteine Interaction,
T cell receptor,
Single Molecule Microscopy
Alle Zellen in unserem Körper sind von einer Plasmamembran umgeben. Diese fungiert nicht nur als passive Barriere sondern als Ort des dynamischen und komplexen Zusammenspiels ihrer winzig kleinen Bausteine, den Proteinen und Lipiden, die für die Funktion der Plasmamembran verantwortlich sind. T-Zellen sind ein spezieller Zelltyp in unserem Immunsystem. Das wichtigste Protein in ihrer Plasmamembran ist der T- Zellrezeptor, dessen Aufgabe es ist, ein winziges Fragment eines Pathogens (das Antigen) zu erkennen, das ihm von einer anderen Zelle präsentiert wird. Durch diese Erkennung wird die T-Zelle aktiviert, d.h. eine Serie an zellulären Prozessen wird initiiert, die schließlich zur Immunantwort führt. Während die Proteine, die in diesen Vorgängen involviert sind, recht gut erforscht sind, ist die Rolle der Lipide größtenteils unbekannt. Das rührt daher, dass es sehr schwierig ist, Lipide in Experimenten zu untersuchen, vor allem in lebenden Zellen. Lipide und Proteine sind viel zu klein und nahe zusammen, um sie mit optischer Mikroskopie zu visualisieren, außerdem sind sie in ständiger Bewegung. Eine Strategie beruht daher darauf, einen nur sehr kleinen Teil der Moleküle mit einem Fluoreszenzmarker zu versehen, um sie als einzelne Objekte sichtbar zu machen. Diese können dann bei iherer Bewegung durch die Plasmamembran verfolgt warden, und ihre Interaktionen können beobachtet werden. Lipide sind in dieser Hinsicht aber problematisch, weil ihre Interaktionen mit Proteinen oft sehr kurzlebig sind. Ein weiterer Punkt, der Lipide spannend aber auch kompliziert macht, ist, dass sie nicht nur direkt mit Proteinen interagieren können, sondern auch gleichzeitig die 2-dimensionale Matrix der Plasmamembran darstellen. Es gibt tausende von Lipiden mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften, und ihre dynamische Organisation bestimmt die lokalen Eigenschaften der Plasmamembran, was wiederum die Funktion von Proteinen moduliert. In dem vorliegenden Projekt wird ein neuer experimenteller Weg beschritten, um die Interaktion von Lipiden mit dem T-Zellrezeptor zu untersuchen. T-Zellen werden dafür auf mikrostrukturierte Substrate aufgebracht, die antigen-präsentierende Zellen simulieren. Dadurch ist es möglich, den T-Zellrezeptor in der Plasmamembran an bestimmten Orten festzuhalten und anzureichern. Nun kann man mithilfe hochauflösender Fluoreszenzmikroskopie das Verhalten von Lipiden beobachten, und quantitative Parameter der Interaktion zwischen immobilisiertem T-Zellrezeptor und fluoreszenzmarkiertem Lipid extrahieren. Dies ermöglicht zum erstem Mal einen detaillierten Einblick in die Rolle von Lipiden im Prozess der T-Zellaktivierung.
Die Plasmamembran ist ein zentraler Knotenpunkt der zellulären Signalübertragung. Durch das komplexe Zusammenspiel von Proteinen und Lipiden entsteht hier eine Vielzahl ineinandergreifender funktioneller Einheiten. Ein bedeutendes und oft untersuchtes Beispiel hierfür ist die T-Zell - Antigenerkennung, die im Kontaktbereich zwischen einer T-Zelle und einer Antigen-präsentierenden Zelle (APC) stattfindet. Nach Erkennung eines spezifischen antigen-tragenden MHC-Moleküls auf der APC-Oberfläche durch den T-Zellrezeptor (TCR) kommt es zu einer Reorganisation der TCRs zu Mikroclustern, wo sich dann Signalmoleküle anreichern. Das Ziel dieses Projekts war es, neuartige mikro- und nanostrukturierte Oberflächen zur Zellinteraktion zu entwickeln, um mithilfe dieser die Organisation der T-Zell Plasmamembran und die hier stattfindenden Siganlisierungsprozesse direkt in lebenden Zellen zu untersuchen. Dazu verwendeten wir einerseits eine von uns entwickelte Micropatterning Methode, die darauf basiert, das zu untersuchende Protein in definierten Bereichen in der zellulären Plasmamembran zu fixieren und seine Interaktion mit Lipiden oder Proteinen mittels Einzelmolekül-Fluoreszenzmikroskopie zu untersuchen. Auf diese Weise konnten wir zeigen, dass das Zusammenspiel von membranverankerten Proteinen und Lipiden eher von ihrer physikalischen Größe als von der Bildung nanoskopischer geordneter Membrandomänen abhängt. Als nächstes modifizierten wir die Mircopatterning Methode, um die Interaktionskinetik zwischen dem TCR und einem intrazellulären Signalprotein zu untersuchen. Unser neuer experimenteller Ansatz ermöglichte es, spezifische Proteininteraktion von Hintergrundereignissen zu trennen, wodurch Fehlerquellen beseitigt und die Datenanalyse erheblich vereinfacht wurde. Bei Einzelmolekülfluoreszenzmikroskopie-experimenten am TCR stellten wir fest, dass seine nanoskopische Organisation ein relevanter Parameter für die T-Zell-Aktivierung war. Um diesen Aspekt auf quantitativer und mechanistischer Ebene zu untersuchen, entwickelten wir eine nanostrukturierte biomimetische Oberfläche, die die Antigen-präsentierende Zelle in Experimenten ersetzen sollte. Ziel war es, ein Biointerface zu schaffen, das erlaubt, Proteinabstände im Nanometerbereich exakt einzustellen, um so die Signalübertragung zu beeinflussen. Hierfür stellten wir DNA-Origami-Plattformen her, die mit TCR-Liganden dekoriert und auf Modellmembranen verankert wurden. Experimente, in denen T-Zellen mit diesen Oberflächen in Kontakt gebracht wurden, zeigten in der Tat, dass die räumliche Organisation von Liganden die T-Zellaktivierung stark beeinflussen kann. Wir fanden allerdings, dass dieser Effekt stark von der Kinetik der Ligand-TCR-Interaktion abhing. Bei Wechselwirkungen mit hoher Affinität waren für effiziente Aktivierung mindestens zwei Liganden im Abstand von 20 Nanometern nötig. Für pMHC, den physiologischen Liganden des TCR, dessen Bindung an den TCR schwach und von kurzer Dauer ist, war die räumliche Organisation jedoch kein relevanter Parameter: einzelne, durch DNA-Origami-Plattformen voneinander isolierte pMHC-Moleküle konnten T-Zellen effizient stimulieren. Dieser Befund hat weitreichende Auswirkungen auf unser mechanistisches Verständnis der T-Zell - Antigenerkennung und folglich auf das Design von T-Zell-basierten Immuntherapien.
- Technische Universität Wien - 100%
- Christian Eggeling, The University of Oxford - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 374 Zitationen
- 17 Publikationen
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2019
Titel Homo- and Heteroassociations Drive Activation of ErbB3 DOI 10.1016/j.bpj.2019.10.001 Typ Journal Article Autor Váradi T Journal Biophysical Journal Seiten 1935-1947 Link Publikation -
2021
Titel Strategies for the site-specific decoration of DNA origami nanostructures with functionally intact proteins DOI 10.1101/2021.07.01.450695 Typ Preprint Autor Hellmeier J Seiten 2021.07.01.450695 Link Publikation -
2019
Titel A micropatterning platform for quantifying interaction kinetics between the T cell receptor and an intracellular binding protein DOI 10.1038/s41598-019-39865-0 Typ Journal Article Autor Motsch V Journal Scientific Reports Seiten 3288 Link Publikation -
2019
Titel A Fast and Simple Contact Printing Approach to Generate 2D Protein Nanopatterns DOI 10.3389/fchem.2018.00655 Typ Journal Article Autor Lindner M Journal Frontiers in Chemistry Seiten 655 Link Publikation -
2018
Titel Determination of the Membrane Environment of CD59 in Living Cells DOI 10.3390/biom8020028 Typ Journal Article Autor Fülöp G Journal Biomolecules Seiten 28 Link Publikation -
2018
Titel Monomeric TCRs drive T cell antigen recognition DOI 10.1038/s41590-018-0092-4 Typ Journal Article Autor Brameshuber M Journal Nature Immunology Seiten 487-496 Link Publikation -
2018
Titel Tunable DNA Hybridization Enables Spatially and Temporally Controlled Surface-Anchoring of Biomolecular Cargo DOI 10.1021/acs.langmuir.8b01942 Typ Journal Article Autor Hager R Journal Langmuir Seiten 15021-15027 Link Publikation -
2020
Titel Unscrambling fluorophore blinking for comprehensive cluster detection via photoactivated localization microscopy DOI 10.1038/s41467-020-18726-9 Typ Journal Article Autor Platzer R Journal Nature Communications Seiten 4993 Link Publikation -
2020
Titel DNA origami demonstrate the unique stimulatory power of single pMHCs as T-cell antigens DOI 10.1101/2020.06.24.166850 Typ Preprint Autor Hellmeier J Seiten 2020.06.24.166850 Link Publikation -
2024
Titel Exploring FGFR3 Mutations in the Male Germline: Implications for Clonal Germline Expansions and Paternal Age-Related Dysplasias DOI 10.1093/gbe/evae015 Typ Journal Article Autor Moura S Journal Genome Biology and Evolution Link Publikation -
2020
Titel Monte Carlo simulations of protein micropatterning in biomembranes: effects of immobile nanofeatures with reduced diffusivity DOI 10.1088/1361-6463/aba297 Typ Journal Article Autor Arnold A Journal Journal of Physics D: Applied Physics Seiten 435401 Link Publikation -
2022
Titel Measurement of FGFR3 signaling at the cell membrane via total internal reflection fluorescence microscopy to compare the activation of FGFR3 mutants DOI 10.1016/j.jbc.2022.102832 Typ Journal Article Autor Hartl I Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 102832 Link Publikation -
2023
Titel A DNA Origami-Based Biointerface to Interrogate the Spatial Requirements for Sensitized T-Cell Antigen Recognition DOI 10.1007/978-1-0716-3135-5_18 Typ Book Chapter Autor Hellmeier J Verlag Springer Nature Seiten 277-302 Link Publikation -
2022
Titel Activating mutations in FGFR3 are associated with clonal expansion events and high de novo rates in the male germline DOI 10.1101/2022.07.31.502216 Typ Preprint Autor Moura S Seiten 2022.07.31.502216 Link Publikation -
2021
Titel Strategies for the Site-Specific Decoration of DNA Origami Nanostructures with Functionally Intact Proteins DOI 10.1021/acsnano.1c05411 Typ Journal Article Autor Hellmeier J Journal ACS Nano Seiten 15057-15068 Link Publikation -
2021
Titel DNA origami demonstrate the unique stimulatory power of single pMHCs as T cell antigens DOI 10.1073/pnas.2016857118 Typ Journal Article Autor Hellmeier J Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Link Publikation -
2023
Titel Monomeric agonist peptide/MHCII complexes activate T-cells in an autonomous fashion DOI 10.15252/embr.202357842 Typ Journal Article Autor Platzer R Journal The EMBO Reports Link Publikation