Modellierung des Verhaltens privater Haushalte unter des ´Neuen Erwartungstheorie´
Modeling household behavior under prospect theory type preferences
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Technische Wissenschaften (25%); Mathematik (25%); Wirtschaftswissenschaften (50%)
Keywords
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Behavioral Economics,
Portfolio Choice,
Prospect Theory,
Risk,
Savings Decisions,
Taxation
Das Ziel meines Forschungsprojekts besteht darin, verschiedene Haushaltsentscheidungen unter den Präferenzen der Neuen Erwartungstheorie (prospect theory) zu modellieren und, darüber hinaus, den Einfluss von unterschiedlichen Ausgestaltungenvon Steuersystemenzu untersuchen. Dieses Forschungsthema gehört zum interdisziplinären Fachgebiet der Verhaltensökonomie (behavioral economics), in dem zusätzlich zur Rationalität, welche die zentrale Annahme der gängigen Erwartungsnutzentheorie (expectedutility theory) darstellt, verschiedene psychologische Aspekte berücksichtigt werden. Diese können bis zu einem gewissen Grad Finanzmarktphänomene erklären, die durch die traditionelle Erwartungsnutzentheorie nicht erklärbar sind. Dazu zählen etwa der Besitztumseffekt (endowment effect, der gefühlte Wert eines Gutes ist höher, wenn man es besitzt, d.h. die Zahlungsbereitschaft bei einem Kauf ist geringer als der objektive Wert und der verlangte Preis bei einem Verkauf ist höher als der objektive Wert), das Equity Premium Puzzle, der Dispositionseffekt (disposition effect, die Tendenz von Investoren und Fondsmanagern, Aktien, die an Wert gewonnen haben, zu früh zu verkaufen, während sie Aktien, die an Wert verloren haben, zu lang behalten) und Wertsicherungsstrategien (portfolio insurance strategies). Mein Forschungsprojekt gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil untersuche ich Haushaltsentscheidungen bezüglich Konsum- und Sparverhalten sowie Portfolioallokationen. Da die Ersparnisbildung einen entscheidenden Faktor in der Erklärung von langfristigem Wirtschaftswachstum darstellt, spielt sie eine wichtige Rolle bei der Erklärung von wirtschaftlichem Wohlstand und Einkommensunterschieden zwischen Haushalten. Bisher wurden solche Entscheidungen vor allem unter den Annahmen der traditionellen Erwartungsnutzentheorie untersucht, nur wenige theoretische Arbeiten beleuchten Aspekte der genannten Entscheidungsprobleme unter den Annahmen der Neuen Entscheidungstheorie. Die wissenschaftlichen Beiträge in der Verhaltensökonomie waren bisher vorwiegend experimenteller Natur. In meiner Arbeit werden auch die Effekte unterschiedlicher Ausprägungen einer Kapitalertragsteuer auf die oben genannten Entscheidungen sowie auf die Wohlfahrt der Haushalte untersucht. Im zweiten Teil meines Forschungsprojektes beschäftige ich mich mit Fragen des Arbeitsmarktes. Es gibt empirische Belege dafür, dass Wirtschaftskrisen in Europa die Häufigkeit und das Ausmaß von Nebenbeschäftigungen erhöht haben. Mein Ziel ist es zu zeigen, dass die Neue Erwartungstheorie einen wertvollen Beitrag zur Erklärung dieser Phänomene liefern kann. So soll etwa auf diese Art erklärt werden, warum sich Individuen für mehr als ein Beschäftigungsverhältnis entscheiden, bei optimaler Aufteilung in Arbeits- und Freizeit. Zusätzlich werden Steuern auf Arbeit in das Modell aufgenommen und deren Auswirkungen auf die Arbeits- Freizeit-Entscheidung untersucht. Der dritte Teil meines Projekts beschäftigt sich mit der Anwendung und dem Vergleich der Neuen Erwartungstheorie einerseits und Dybvigs Payoff Distribution Model andererseits im Portfoliomanagement. Im Gegensatz zur Nutzenfunktion wird in Dybvigs Modell die Verteilung (des Vermögens) festgelegt, und zwar genau diejenige, welche einem gegebenen Risikoprofil entspricht. Die beiden Ansätze werden zur Entwicklung von entsprechenden Wertsicherungsstrategien herangezogen und dann gemeinsam mit traditionelleren Methoden der Portfolio Insurance implementiert, verglichen und evaluiert.
Das Ziel dieses Forschungsprojekts besteht darin, ökonomische Entscheidungen unter den Präferenzen der Neuen Erwartungstheorie (prospect theory) zu modellieren. Die Neue Erwartungstheorie ist Teil der Verhaltensökonomie (behavioral economics) und berücksichtigt verschiedene psychologische Aspekte, insbesondere Referenzabhängigkeit (Vergleiche) und Verlustaversion. Die Resultate zeigen, dass in allen untersuchten Bereichen die Referenzabhängigkeit, d.h. die Bestimmung eines konkreten Referenzwertes (durch Vergleiche mit anderen), eine zentrale Rolle für die Entscheidungen spielt und somit explizit berücksichtigt werden sollte. Die hauptsächlich theoretischen Untersuchungen können in vier Teile gegliedert werden. Im ersten Teil werden Haushaltsentscheidungen bezüglich Konsum- und Sparverhalten und Portfolioallokationen in einem Zwei-Perioden-Lebenszyklus-Modell untersucht, wobei der Referenzkonsum in der zweiten Periode sowohl exogen als auch endogen sein kann. Wir betrachten drei Typen von Haushalten, je nachdem, wie sich der Referenzkonsum in der ersten Periode zum durchschnittlichen diskontierten Einkommen verhält: einen weniger ehrgeizigen Haushalt (Referenzkonsum ist kleiner), einen ausgeglichenen Haushalt (Referenzkonsum ist gleich), und einen ehrgeizigeren Haushalt (Referenzkonsum ist größer). Das Verhalten dieser Haushaltstypen kann sehr unterschiedlich ausfallen. Unter anderem stellen wir fest, dass die Zufriedenheit der Haushalte mit steigendem Referenzkonsum abnimmt, so dass der Verzicht auf jeden Vergleich zu einem Höchstmaß an Zufriedenheit führt. Im zweiten Teil untersuchen wir das Haushaltsverhalten bezüglich Konsum- und Sparverhalten und Portfolioallokationen bei unterschiedlichen Ausgestaltungen von Steuersystemen. Wir betrachten zunächst die Auswirkungen einer Besteuerung von Basiseinkommen (endowment income) und konzentrieren uns anschließend auf die Besteuerung von Kapitaleinkommen unter vollständigem Verlustausgleich. Wir finden, dass der Referenzkonsum im Verhältnis zum Einkommen, d.h. die Festlegung des Referenzpunktes, die wichtigste Rolle bei den Auswirkungen von Änderungen der Kapitalbesteuerung spielt. Im dritten Teil beschäftigen wir uns mit Fragen des Arbeitsmarktes. Wir untersuchen, wie ArbeitnehmerInnen ihre Zeit zwischen Freizeit, einem sicheren und einem riskanten Arbeitsplatz aufteilen, so dass ihr Nutzen auf Basis von Einkommen und Freizeit maximiert wird. Dabei werden finanzielle Rahmenbedingungen, Karriereentwicklung, Zufriedenheit und demografische Faktoren berücksichtigt. Die Analyse zeigt, dass diese Art der Modellierung von Freizeit manchmal zu überraschenden Ergebnissen führt. Der letzte Teil befasst sich mit Vermögensallokation, wobei im theoretischen Teil die Aufteilung zwischen sicherer und unsicherer Veranlagung analysiert wird und im empirischen Teil die Aufteilung zwischen mehreren riskanten Veranlagungen (Aktienmarkt, Staatsanleihen, Gold). Die empirische Untersuchung wird für Europa und die USA durchgeführt. Die Veranlagung unter den Prämissen der Neuen Erwartungstheorie wird, unter anderem, mit der traditionellen Minimum-Varianz-Veranlagung verglichen. In den USA schneidet erstere meist besser ab als letztere (in Bezug auf Renditen und risikobereinigte Performancemaße); in Europa hingegen ist dies nicht der Fall.
Research Output
- 11 Zitationen
- 8 Publikationen
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2024
Titel Prospect theory and asset allocation Typ Journal Article Autor Fortin I Journal Quarterly Review of Economics and Finance Seiten 214-240 Link Publikation -
2024
Titel Prospect theory and asset allocation DOI 10.1016/j.qref.2024.01.010 Typ Journal Article Autor Fortin I Journal The Quarterly Review of Economics and Finance Seiten 214-240 Link Publikation -
2021
Titel Capital income taxation under full loss offset provisions of a prospect theory investor Typ Journal Article Autor Hlouskova J Journal Public Finance and Management Seiten 46-88 Link Publikation -
2020
Titel A behavioral economic approach to multiple job holdings with leisure Typ Other Autor Hlouskova J Seiten 1-43 Link Publikation -
2022
Titel Prospect theory and asset allocation Typ Other Autor Fortin I Seiten 1-59 Link Publikation -
2019
Titel The consumption–investment decision of a prospect theory household: A two-period model with an endogenous second period reference level DOI 10.1016/j.jmateco.2019.10.003 Typ Journal Article Autor Hlouskova J Journal Journal of Mathematical Economics Seiten 93-108 Link Publikation -
2016
Titel The role of the marginal rate of substitution of wealth for a loss averse investor Typ Journal Article Autor Hlouskova J Journal Economics Bulletin Seiten 2250-2260 Link Publikation -
2017
Titel The consumption-investment decision of a prospect theory household: A two-period model Typ Journal Article Autor Fortin I Journal Journal of Mathematical Economics Seiten 74-89 Link Publikation