Tango-Tanzbarkeit von Musik aus Europäischer Perspektive
Tango-Danceability of Music in European Perspective
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (90%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (10%)
Keywords
-
Tango Argentino,
Music-Dance-Interdependence,
International Scene,
Cosmopolitan Cultural Formation,
Danceability,
Musicality
Eine steigende Anzahl wissenschaftlicher Forschungsprojekte aus unterschiedlichen akademi- schen Disziplinen beschäftigt sich mit den Elementen Musik und Tanz der komplexen Kunstform tango argentino. Keine dieser Studien kombiniert analytische Untersuchungen der Musik und des Tanzes miteinander, obwohl zum tieferen Verständnis der internationalen Wahrnehmung und Ent- wicklung eines genres wie dem tango argentino eine genaue Untersuchung der Grundelemente und ihrer gegenseitigen Abhängigkeit unerlässlich scheint. Dieses Projekt adressiert diesen Um- stand und untersucht daher speziell die Wechselbeziehung von tango spezifischen musikalischen Parametern und Bewegungsrepertoire. Tango argentino wird in dieser Studie als ein kosmopolitisches Phänomen betrachtet, das sich in Form einer internationalen Szene darstellt. Unter dieser Prämisse wird tango argentino in seiner europäischen Gegenwart und Ausprägung untersucht. In der internationalen, und speziell euro- päischen tango Szene wird die Frage der tango-Tanzbarkeit intensiv diskutiert. Einige tango Tänzer beurteilen gar Musik außerhalb des klassischen tango Repertoires, sogenannte non- tangos, als tanzbarer als manche tango Stücke, ein Umstand, der sich im Titel des Projektantrags wiederfindet. Aufbauend auf diesem emischen (insider-Perspektive) Thema wurde folgende etische (outsider- Perspektive) Fragestellung entwickelt: Wie beeinflussen Musik- und Tanz-Parameter, sowie soziokulturelle Aspekte, die Wahrnehmung von tango-Tanzbarkeit bei europäischen tango Tänzern? Die klassische ethnomusikologischen Feldforschung mit teilnehmender Beobachtung wird in diesem Projekt ergänzt durch qualitative und quantitative empirische Methoden. Von hohem innovativem Wert ist die zusätzliche Verwendung von experimentellen und computergestützte Verfahren: Im ersten Teil der Studie, die sich primär mit der Musik auseinandersetzt, werden neue tango Stücke komponiert, die, basierend auf einer vorhergehenden detaillierten Analyse, vor allem solche musikalischen Parameter verwenden, die Musik untanzbar machen. Dieser Ansatz soll nachweisen, welche Parameter essentiell sind, um tango Tänzern die Interpretation von Musik durch tango Tanz zu ermöglichen. Im zweiten, auf den Tanz fokussierten Teil der Studie, wird motion capture Technologie verwendet, um Grenzen im tango Bewegungsrepertoire zu bestimmen sowie spezielle Bewegungsstrukturen herauszufinden, die Bewegung zu tango Bewegung machen. Die abschließende Konsolidierung kombiniert Ergebnisse aus beiden Teilen des Projektes um festzustellen, welche konkreten Elemente auf welche Weise miteinander verbunden sind und somit das genre tango formen. Schließlich werden die Ergebnisse unter soziokulturellen Faktoren betrachtet. Fokus liegt dabei auf soziologischen Erklärungsmodellen zu sozialen Netzwerken und Meinungsbildung, um der Möglichkeit Rechnung zu tragen, dass tango- Tanzbarkeit weder durch Parameter in der Musik, noch in der Bewegung erklärt werden kann, sondern ausschließlich soziokulturell konstruiert ist.
Dieses Projekt konzentrierte sich auf die Beziehungen zwischen Tangomusik und Tangotanz, zusammengefasst in der Forschungsfrage "Was macht Tangomusik tanzbar?". Das Thema wurde aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: Bewegungsrepertoire, Musikstrukturen und soziokulturelle (einschließlich politischer und wirtschaftlicher) Einflüsse auf die europäische tango argentino Praxis. Alle Perspektiven zusammen zeichnen ein umfangreiches Bild der Wechselbeziehungen zwischen Klang, Bewegung und sozialen Strukturen in einem translokalen Musik-Tanz-Genre wie dem tango argentino. Antworten auf die Forschungsfrage sind komplex, aber generell kann gesagt werden, dass sowohl Bewegungs- als auch Klangmerkmale - einschließlich ihrer gegenseitigen Abhängigkeit - für die Beurteilung der "Tanzbarkeit" relevant sind. Noch wichtiger sind jedoch soziale Normen und gemeinsame Erfahrungen von tango argentino Praktizierenden: Schlüsselfiguren wie Tango-Tanzlehrer und Tango-Musik-DJs verursachen Trends und prägen letztendlich das Urteil darüber, was tango argentino Praktizierende sowohl in der Musik als auch im Tanz als "tanzbar" empfinden.
Research Output
- 12 Zitationen
- 5 Publikationen
- 1 Künstlerischer Output
- 4 Disseminationen
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2019
Titel Digital Methods in Intangible Cultural Heritage Research DOI 10.1145/3279951 Typ Journal Article Autor Stepputat K Journal Journal on Computing and Cultural Heritage (JOCCH) Seiten 1-22 -
2017
Titel Tango Journeys - Going on a Pilgrimage to Buenos Aires Typ Conference Proceeding Abstract Autor Stepputat Konferenz 29th Symposium of the ICTM Study Group on Ethnochoreology, Graz (Austria) 2016 Seiten 195-205 -
2015
Titel Tango, the not quite Intangible Cultural Heritage Typ Conference Proceeding Abstract Autor Stepputat Konferenz 28th Symposium of the ICTM Studygroup on Ethnochoreology Korcula 2014 Seiten 336-341 -
0
Titel Tango Musicality and Tango Danceability: (Re)connecting Strategies in Current Cosmopolitan Tango Argentino Practice Typ Journal Article Autor Stepputat Journal World of Music (New Series) -
0
Titel Using Motion Capture to Access Culturally Embedded and Embodied Movement Knowledge - a case study in tango argentino; In: Engaging the Visual: Perspectives on Dance and Music Inspired by Adrienne L. Kaeppler Typ Book Chapter Autor Stepputat Verlag Berghahn
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2016
Titel New Tango Compositions Typ Composition/Score
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2019
Titel Project Final Celebration Milonga Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2015
Titel Project Opener Milonga Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2015
Link
Titel project website Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2018
Titel interviewd as tango expert for radio broadcast Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview