Notwendige Verschränkungen oder Postcolonial-Queer
Necessary Entanglements of Postcolonial Queer
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Rechtswissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
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Gender Theory,
Queer Theory,
Postcolonial Theory,
German Literary Criticism,
Literary Methodology,
German Literature
Während gendertheoretische Fragestellungen innerhalb der deutschsprachigen germa-nistischen Literaturwissenschaft einen gewissen Grad an Institutionalisierung erreicht haben, erfahren Queertheorien und postkoloniale Theorien erst in jüngster Zeit gesteigerte Aufmerksamkeit. Von dieser Feststellung ausgehend setzt sich das Forschungsvorhaben zum Ziel, eine literaturwissenschaftliche Methode und Lektürestrategie zu erarbeiten, die Queertheorien und postkoloniale Theorien verschränkt und auf innovative Weise zueinander in Beziehung setzt. Queertheorien und postkoloniale Theorien werden im Hinblick auf das gegenseitige Bedingungsverhältnis von kultureller und sexueller Differenz ausgelotet und literarisch erkundet. Entfaltet wird die Theoriearbeit anhand paradigmatischer Lektüren. Die Lektüre literarischer Texte und die Theorieimpulse treten in ein oszillierendes Verhältnis zueinander mit dem Ziel, einen dynamischen Raum von Wechselwirkungen zwischen theoretischen Erkenntnissen und literarischen Erkundungen zu eröffnen. Entlang von zentralen Konzepten wie Identität, Alterität, Hybridität, Zentrum/Peripherie und Dritter Raum wird die Diskussion und Reflexion der Verschränkung von sexueller und kultureller Differenz produktiv. Ausgehend von der These der Proliferation von Differenzen und der damit im Zusammenhang stehenden wichtigen Verbindung differenztheoretischer Ansätze soll versucht werden, die Figuren und Begriffe der Hybridität, wie sie u.a. von Homi Bhabha entwickelt wurden (vgl. z.B. der `Dritte Raum`, die `Brücke`, das `kulturelle Treppenhaus`) auf andere Art in den postkolonialen, gender- und queertheoretischen Diskurs wieder einzuschreiben und sie so für die germanistische Literaturwissenschaft produktiv zu machen. Im literarischen Fokus des Wechselspiels stehen deutschsprachige Texte, die die Zusammenhänge zwischen patriarchalen und kolonialen` Machtdiskursen thematisieren sowie die Konstruktion und Produktion geschlechtlicher und kultureller Identitäten zugleich beschreiben und performieren. Im Hinblick auf eine aussagekräftige Bandbreite werden aus der Vielfalt der möglichen thematischen und zeitlichen Rahmungen - sowohl im Gestus einer chronologischen als auch einer systematischen Ordnung - u.a. folgende Themen ausgeführt: "Fremdwahrnehmung und Selbstentwurf, Beschreibung und Modellierung von Geschlecht in der Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts bei Ida Pfeiffer und Ida von Hahn-Hahn" - "Der Orient als diskursiv-geographische Konstruktion und Projektionsfläche fremdkultureller Differenz und homoerotischen Begehrens bei Franz Kafka" - "Aspekte von Postkolonialität und Geschlecht bei Ingeborg Bachmann" - "Postkoloniale Raum- und Figurenkonstellationen bei Barbara Frischmuth" - "Literarische Ver- und Entortungen, Verhandlungen von Kultur und Geschlecht bei Dimitré Dinev und Anna Kim".
- Universität Wien - 100%
- Eva Horn, Universität Basel - Schweiz
- Deniz Göktürk, University of California Berkeley - Vereinigte Staaten von Amerika
- Judith Butler, University of California Berkeley - Vereinigte Staaten von Amerika
- Minh-Ha Trinh T., University of California Berkeley - Vereinigte Staaten von Amerika