Der unSichtbare Körper - Eine wissenschaftssoziologische Erkenntnisuntersuchung zur Haut als Erkenntnismedium
The InVisible Body - The social Construction of the Skin as an Object of Knowledge
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Philosophie, Ethik, Religion (30%); Rechtswissenschaften (10%); Soziologie (30%)
Keywords
-
BODY,
SOCIAL CONSTRUCTION,
VISUALIZATION,
SKIN,
MEDICAL DIAGNOSIS,
OBJECT OF KNOWLEDGE
Hertha-Firnberg-Stelle T 91Der unSichtbare KörperChristina LAMMER27.06.2000 Eine wissenschaftssoziologische Untersuchung zur "Haut" als Erkenntnismedium Um den Körper als soziale Konstruktion zu begreifen, werden im vorliegenden Projektentwurf die visuellen Medien in den Blick genommen, die ihn in der medizinischen Diagnostik hervorbringen. Dabei wird davon ausgegangen, daß die Grenzen des Sichtbaren und damit des Wissens permanent neu gezogen werden. Die Diagnose - das Erkennen und die Beurteilung des menschlichen Körpers - basiert auf hergestellten Bildoberflächen, die ich in der Folge mit der Metapher der "Haut" als Medium bezeichnen möchte. Es ist das vorrangige Ziel des Projektes, die Herstellungsprozesse dieser Bildflächen, die den Körper und seine Teile repräsentieren, vor Augen zu führen. Die Prozesse der Objektivierung und Visualisierung des menschlichen Körpers werden direkt im Praxisfeld der KLINIK untersucht. Welche unterschiedlichen Medien bringen den Körper als Bildoberfläche hervor? In der medizinischen Praxis der Radiodiagnostik wirken verschiedene bildgebende Technologien zusammen, die einzeln und unabhängig voneinander betrachtet werden. Da es sich für die PatientInnen vielfach um für sie nicht sichtbare Vorgänge handelt, die ihre kranken oder gesunden Körper visualisieren und definieren, stehen die Wechselwirkungen und Übersetzungsleistungen zwischen den behandelnden ÄrztInnen, den behandelten PatientInnen und den Geräten, Apparaten, Instrumenten und Maschinen im Vordergrund des Forschungsinteresses. Im Vorfeld der konkreten "Labors tudie", die in der Universitätsklinik für Radiodiagnostik (Wien) durchgeführt wird, erfolgt eine wissenschaftshistorische und -soziologische Einordnung medizinischer Instrumente und Techniken der Visualisierung. Zudem werden die neuzeitlichen Repräsentationsformen des menschlichen Körpers in den Blick genommen, für die sich die Samm1ung anatomischer Wachspräparate im Wiener "Josephinum" besonders gut als Untersuchungsfeld eignet. Die Metapher der "Haut" fungiert als Erkenntnismedium, als Organ der Aufzeichnung und gleichzeitig als "Schleier", der die Spuren medizinischen Eingriffe und Behandlungsweisen verhüllt. In diesem Sinne bildet die metaphorisch verwendete "Haut" die Grenze zwischen dem sichtbar gemachten Körper und dem unsichtbar gewordenen Darunterliegenden. An diesen Grenzflächen konstituiert sich das Subjekt. Es ist das vorrangige Ziel des vorliegenden Projektantrages und des daraus resultierenden Forschungsprojekts, Einblicke ins Produzieren der medialen "Haut" zu geben, die den Körper als Erkenntnisobjekt hervorbringt. Weiters geht das Vorhaben auf den gesellschaftlichen Kontexr der Erscheinungsarten des menschlichen Körpers ein und macht diese unmittelbar im medizinischen Praxisfeld sichtbar.
In dieser Studie wurden chirurgische und radiologische Praktiken analysiert, die das Körperinnere sichtbar machen und durch die der menschliche Körper im wahrsten Sinne des Wortes durchschaubar wird. Die Forschung basiert auf Interview- und Videomaterial einer ethnografischen Beobachtungsstudie, die ich (2000 bis 2003) in den Operationstheatern der interventionellen Radiologie, an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik, im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) in Wien, durchgeführt habe. Die vorläufigen Ergebnisse dieser Ethnografie lassen darauf schließen, dass die kontinuierliche Entwicklung neuer digitaler Technologien in der Medizin notwendigerweise zu Veränderungen der Körperwahrnehmung und des Erlebens der eigenen Leiblichkeit führen. Wie sich diese Transformationen konkret auf Patienten, Patientinnen, aber auch auf das klinische Personal auswirken, soll anhand der bereits bestehenden Forschungsdaten im Rahmen eines vom FWF geförderten Charlotte Bühler-Habilitationsprojekts analysiert werden. Das Folgeprojekt bietet nicht nur eine theoretische Ausarbeitung der unterschiedlichen Konzepte von Körperlichkeit und Leiblichkeit, die in der Klinik im Spiel sind, sondern soll zudem Perspektiven für eine am Patienten und an der Patientin orientierten klinischen Behandlung für den Gebrauch in der medizinischen Praxis anbieten.
- Ulrike Felt, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in