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Lebenswelten am Übergang von Spätantike zum Frühmittelalter

Life in times of change

Michaela Binder (ORCID: 0000-0002-3105-5878)
  • Grant-DOI 10.55776/T843
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2016
  • Projektende 31.12.2018
  • Bewilligungssumme 228.720 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (20%); Biologie (30%); Geschichte, Archäologie (50%)

Keywords

    Bioarchaeology, Palaeopathology, Biomolecular Archaeology, Late Antiquity, Early Medieval Period, Eastern Alps

Abstract Endbericht

Geprägt durch den Niedergang des römischen Reiches, Wanderbewegungen barbarischer Völker und dem Aufkommen des Christentums und dem Aufkommen des Christentums war die Übergangszeit zwischen der Antike und dem frühen Mittelalter im 5. und 6. Jahrhundert maßgeblich an der Entstehung der kulturellen, religiösen und politischen Landkarte Europas, wie wir sie heute kennen, beteiligt. Trotz der Existenz zahlreicher historischer und archäologischer Zeugnisse aus dieser Zeit bleiben viele wichtige Fragen zur Entwicklung und Struktur der frühmittelalterlichen Bevölkerungen bis heute offen. Menschliche Skelettreste aus archäologischen Ausgrabungen können hier ergänzende~ Informationen liefern, denn sie stellen unsere direkteste Quelle zum Leben in der Vergangenheit dar. Die Bioarchäologie widmet sich der wissenschaftlichen Untersuchung der Skelettreste. Viele Aspekte wie Alter, Geschlecht, Krankheit, Ernährung, Herkunft, Verwandtschaft und körperliche Aktivität lassen sich auch noch viele Jahrhunderte nach dem Tod aus den Knochen ablesen. Im Rahmen dieses Projekts soll der Frage nach den Lebensbedingungen von Menschen am Übergang zwischen dem Ende des Römischen Reiches und dem frühen Mittelalter nachgegangen werden. Als Datengrundlage dienen die menschlichen Skelettreste aus den beiden großen Gräberfeldern vom Hemmaberg und dem an seinem Fuße gelegenen Globasnitz im südlichen Kärnten. Die archäologischen Funde lassen am Hemmaberg die Nachfolgesiedlung der lokalen Bevölkerung der nahegelegenen Straßenstation vermuten. Im Gegensatz dazu liefern Grabbeigaben und historische Quellen Hinweise darauf, dass es sich zumindest bei einigen der Globasnitzer Bestattungen um Teile einer ostgotischen Militäreinheit handelt, die um 493 vom Ostgoten-König Theoderich in der Region angesiedelt wurden, um die Nordgrenze seines Reiches entlang des Alpenhauptkammes zu sichern. Damit stellen die beiden Siedlungen eine ideale Fallstudie dar, um Herkunft, Lebensbedingungen und Zusammenleben von potentiell ethnisch unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu untersuchen. Neben traditionellen Methoden zur Untersuchung von Sterbealter, Geschlecht und Krankheit kommen auch moderne wissenschaftliche Techniken, wie die Analyse von alter DNA, Kohlenstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff- und Strontium-Isotopen, zum Einsatz, um ein detailliertes Bild von Ernährung und geographischer Herkunft der Menschen zu erlangen. Dadurch soll auch geklärt werden, ob es zwischen den möglicherweise kulturell unterschiedlichen Gruppen Unterschiede in Gesundheitszustand, Ernährungsweise oder Herkunft gab. Durch diese Studie kann damit erstmals ein umfassendes Bild vom Leben der Menschen in den Ostalpen am Übergang zwischen der römischen Herrschaft und dem frühen Mittelalter gewonnen werden. Das Wissen um die Qualität der Lebensbedingungen, Nahrungsweise, aber auch das Auftreten von Krankheiten wie der Pest oder gewalttätigen Auseinandersetzungen, stellt ein zentrales Element für das Verständnis des Verhaltens von Menschen und Bevölkerungsgruppen dar. Eingebettet in den historischen und archäologischen Hintergrund, können die Ergebnisse dieser Untersuchung wichtige neue Erkenntnisse zur Erforschung einer der bedeutendsten Perioden der europäischen Geschichte beitragen.

Ziel des durch ein FWF-Firnberg-Stipendium geförderten Projektes war die bioarchäologische Untersuchung der menschlichen Skelette-Reste aus den spätantik/ frühmittelalterlichen Gräberfeldern vom Hemmaberg und Globasnitz (5./6. Jahrhundert n. Chr.). Menschliche Skelettreste aus archäologischen Ausgrabungen stellen unsere direkteste Quelle zum Leben in der Vergangenheit dar. Durch wissenschaftliche Untersuchung lassen sich viele Aspekte wie Alter, Geschlecht, Krankheit, Ernährung, Herkunft, Verwandtschaft und körperliche Aktivität auch noch viele Jahrhunderte nach dem Tod aus den Knochen ablesen. Moderne wissenschaftliche Techniken wie die Analyse von alter DNA, Kohlenstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff- und Strontium-Isotopen zum Einsatz kommen, um ein detailliertes Bild von Ernährung und geographischer Herkunft der Menschen zu erlangen. Dadurch sollte der Frage nach den Lebensbedingungen von Menschen am Übergang zwischen dem Ende des römischen Reiches und dem frühen Mittelalter und ob die kulturellen, religiösen und politischen Umwälzungen am Übergang vom Römischen Reich zum Frühmittelalter Auswirkungen auf diese hatten, nachgegangen werden. Neben traditionellen Methoden zur Untersuchung von Sterbealter, Geschlecht und Krankheit Darüber hinaus sollten Unterschiede zwischen den beiden kulturell unterschiedlichen Gruppen herausgearbeitet werden. Da nur etwa die Hälfte des Projektes durchgeführt werden konnten, wurden auch das gesteckte Projektziel, ein umfassendes Bild vom Leben der Menschen in den Ostalpen am Übergang zwischen der römischen Herrschaft und dem frühen Mittelalter zu gewinnen werden nur teilweise erreicht. Durch die Neuaufnahme der archäologischen Ausgrabungen im Gräberfeld am Hemmaberg konnte der Friedhof erstmals in seiner Gesamtheit erfasst werden. Mittels erstmals im Rahmen des FWF-Projektes durchgeführten C14-Analysen konnten neue Erkenntnisse zur Laufzeit des Friedhofes und der zugehörigen Siedlung gewonnen werden und gezeigt werden, dass diese sich diese entgegen früherer Annahmen vom ausgehenden 4.bis mindestens weit in das 7.Jahrhundert erstreckte. Stabile Strontium- Isotopen-Analysen deuten auch für die Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung am Hemmaberg ein gewisses Maß an Migration und Mobilität an, Erkenntnisse über die Lebensbedingungen konnten jedoch aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der Bestattungen nicht gewonnen werden. Einen besonderen Fund, der Aufschlüsse über die weitreichende religiöse und kulturelle Bedeutung des Hemmaberg im 5./6. Jahrhundert gibt waren die menschlichen Skelettreste einer unbekannten Heiligen, die in einem Reliquienschrein unter einer der Kirchen am Hemmaberg bestattet wurde.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Michaela Harbeck, Ludwig-Maximilians-Universität München - Deutschland
  • Sandra Lösch, University of Bern - Schweiz

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