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Kommunikationsverarmung in der Informationsgesellschaft

Communication Impoverishment in the Information Society

Margit Böck (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/T82
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2000
  • Projektende 31.08.2003
  • Bewilligungssumme 144.328 €

Wissenschaftsdisziplinen

Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (5%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (85%); Soziologie (10%)

Keywords

    COMMUNICATION, MEDIA-USE, INTERPERSONAL COMMUNICATION, INFORMATION SOCIETY, EVERYDAY LIFE, MEDIA SOCIALIZATION

Abstract Endbericht

Hertha-Firnberg-Stelle T 82"Komunikationverarmung" in der Informationsgesellschaft.Margit BÖCK27.06.2000 Information und Kommunikation sind in unserer Gesellschaft zu Schlüsselbegriffen geworden. Die wachsende Medien- und Angebotsvielfalt hat zu einer Pluralisierung der Medienpublika geführt, und Medien sind weder aus der Freizeit noch aus dem Berufsleben wegzudenken. Nicht alle gesellschaftlichen Gruppen profitieren aber gleich vom medialen Wandel, und es wird befürchtet, daß die Gesellschaft in die Gruppe der Informationsreichen und der Informationsarmen zerfällt. Anzeichen für solche disparitären Entwicklungen finden sich auch in aktuellen repräsentativen Daten. In Fallstudien in einer ländlichen Region in Oberösterreich soll nun untersucht werden, wie kommunikative Repertoires vor dem Hintergrund individueller Lebensbedingungen und Lebensentwürfe entstehen. Mediale und interpersonale Kommunikationsformen werden dabei gemeinsam betrachtet. Neben der rezeptiven Dimension wird besonders die aktiv-produktive Ebene von Kommunikation berücksichtigt. Im Mittelpunkt des Interesses stehen Personen, von deren Kommunikationsalltag man recht wenig weiß: "kommunikativ Benachteiligte". Neben der Beschreibung der kommunikativen Repertoires soll eine der Problematik angemessene Metapher für diese Gruppen gefunden werden, die in der Diskussion "kommunikativer Ungleichheit" auch gesellschaftlich- strukturelle Ursachen erfaßt. Ein weiteres Ziel dieser interdisziplinär angelegten Studie ist - neben der erforderlichen theoretischen und methodischen Arbeit - die Bereitstellung von Grundlagen für die Konzeption von sozialtechnologischen Maßnahmen, um Prozessen der kommunikativen Desintegration entgegenzuwirken.

Diese in einer abgelegenen Region durchgeführte ethnografische Studie liefert detaillierte Beschreibungen und Analysen der Informationsgewohnheiten - des "Informationshabitus" - von Personen, die an den informationsgesellschaftlichen Innovationen nur am Rande, wenn überhaupt, teilhaben. Sie weist auf wesentliche Faktoren hin, die in der institutionalisierten und außer-institutionellen Bildungsarbeit sowie in der Aus- und Fortbildung von VermittlerInnen berücksichtigt werden müssen, um Bildungsangebote für die angepeilten Zielgruppen bedeutungsvoll und relevant sowie für sie auch annehmbar zu machen. "Weit ab vom Schuss" ist eine umgangssprachliche Formulierung dafür, nicht im Zentrum des Geschehens zu stehen. In der Untersuchung "`Kommunikationsverarmung` in der Informationsgesellschaft?" war diese Befindlichkeit leitendes Thema auf zwei Ebenen: Zum einen wurde die ethnographische Studie in einer abgelegenen Gemeinde im Unteren Mühlviertel durchgeführt. Zum anderen standen Personen im Mittelpunkt des Interesses, die nicht nur die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, wie Computer und Internet, nicht oder kaum nutzen, sondern auch insgesamt eher am Rande des öffentlichen Lebens in "Schönach", so der Deckname der Gemeinde, stehen. In Fallstudien wurde der "Informationshabitus" ausgewählter Personen im Kontext ihrer Lebenswelt(en), Lebensläufe und Lebensentwürfe exemplarisch untersucht. Ziel dieser Analyse war es, unterschiedliche Gewohnheiten der Suche, des Zugangs zu und des Umgangs mit Information im weiteren Sinne und deren jeweilige Entstehungsbedingungen nachzuzeichnen. Es ging zum einen darum zu ermitteln, inwieweit in der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion als "informationsarm" bezeichnete Gruppen tatsächlich "informationsarm" sind. Zum anderen sollten vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und kommunikationstechnologischer Entwicklungen Ansatzpunkte gefunden werden, um einer Spaltung der Gesellschaft vorzubeugen, wo die einen die Potentiale der neuen Medien zu nutzen wissen und die anderen aufgrund von für sie nicht erkennbaren Benefits und deswegen der häufig auch nicht vorhandenen Motivation, den entsprechenden Aufwand für die Nutzung dieser Technologien zu erbringen, wegen Berührungsängste und fehlender finanzieller Mitteln außen vor bleiben. Um Grundlagen für sozialtechnologische Maßnahmen in einem sensiblen Bereich zur Verfügung stellen zu können, ist ein ins Detail gehender, Nuancen in den Blick nehmender Zugang erforderlich. Dieser Zugang wurde durch eine Methodenvielfalt angestrebt, in der vor allem semiotische bzw. visuelle Methoden neben den gängigen verbalen Methoden einen zentralen Stellenwert hatten. Durch die Orientierung an einem multimodalen Ansatz, sowohl was die untersuchten Daten selbst als auch die Analysemethoden betrifft, wurde ein neuer und vielversprechender Weg der Untersuchung von Alltagspraxis eingeschlagen. Weiters wurde die für die Kommunikationswissenschaft im deutschen Sprachraum typische Konzentration auf (massen)mediale Kommunikationsformen um die interpersonale Kommunikation erweitert. Der Informationshabitus von Personen, die auf den ersten Blick derselben soziologischen Kategorie zuzuordnen sind, unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht. Wie sich gezeigt hat, sind es vor allem biografisch bedingte und auf die jeweiligen Lebenswelten zurückzuführende Unterschiede, die ein Gelingen oder Scheitern von angebotenen Bildungsmaßnahmen für bildungsferne Gruppen prognostizieren lassen. Die Erkenntnisse der Studie stellen nicht nur wichtige neue theoretische Konzepte und methodische Ansätze für die Kommunikationswissenschaft und andere Disziplinen zur Verfügung, die sich mit Fragen von Kommunikation, Lernen und Bildung beschäftigen. Die Befunde liefern wichtige Ansatzpunkte vor allem für Maßnahmen der Bildungspolitik und -planung, für Regionalpolitik und -entwicklung sowie Kommunikationspolitik und Medienpädagogik

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Wolfgang Langenbucher, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in

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