Body & Soul
Body & Soul
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (25%); Soziologie (25%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)
Keywords
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BODY,
DISCOURSE-ANALYSIS,
SELF,
(MENTAL) HEALTH,
GENDER,
WELLNESS
Hertha-Firnberg-Stelle T 81Body & soulElisabeth MIXA27.06.2000 An der Wende zum 21. Jahrhundert läßt sich eine unübersehbare `Körper-Welle` konstatieren. Der "Körper" ist in der visuellen/virtuellen Kultur omnipräsent und ist zum zentralen Thema von Freizeit- und Life-style-Medien, von (Science-fiktion)Filmen und Public Health Kampagnen avanciert. Der Cyborg, der technologische Mensch, ist eine vertraute Figur der "hyper-mediated techno-culture" geworden. Seit den 80er Jahren beschäftigen sich zusehens auch die Sozial- und Kulturwissenschaften und die feministischen Wissenschaften mit dem Körper im Zusammenhang mit den sich seit geraumer Zeit vollziehenden radikalen technologischen und sozialen Umwälzungsprozessen der Postmoderne. Das Forschunigsthema wendet sich einem in der aktuellen Debatte um Neue (Körper) Identitäten und Public Health bisher unterbelichteten Aspekt zu: Im Zuge der Rekonzeptualisierung des Körpers steht auch eine Re- Konzeptualisierung und verstärkte Kontrolle des "Psychischen" an. Dies deutet sich u.a. in der Ausdehnung des Psy-Komplexes, der Wellness-Bewegung aber auch in den `ratgebenden` Zeitschriften publik gemachten Selbstpraktiken an. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, neue, Identitäten (mit) konstituierende Körper- und Selbsttechnolgien in aktuellen Gesundheits- bzw. Wellnessdiskursen zu verorten und im Kontext mit den tiefgreifenden (technolgischen) Wandlungen in westlichen Geselischaften in Hinblick auf (neue) Körper- und (gendered) Identitätsentwürfe zu analysieren. Theoretischer Ansatz sind (post)strukturalistische Theorien zur Medizin, insbesondere zu sich um den "zivilisierten" Körper zentrierende Normalisierungspraktiken im Bereich des Psy-Komplexes sowie aktuelle Konzepte zu contested gender identities. Unter Anwendung der Methodologie und Methoden der Foucaultschen Diskursanalyse und ihren Weiterentwicklungen, sollen unter dem Begriff der Gesundheit/Wellness verhandelte Body-Images und Identitäskonzepte aus technologie- und psychohistorischer Perspektive insbesondere auf Geschlechterdifferenz und Gender-Identitäten befragt werden. Die Fragestellungen des Forschungsvorhabens sind an der Schnittstelle von Soziologie/Cultural Studies und Feminist Studies angesiedelt. Sowohl bezüglich der gewählten Thematik als auch hinsichtlich des methodischen Ansatzes zeigt sich der innovative Charakter des Forschungsvorhabens: Speziell in Österreich ist die Frage, wie sich mit den intensivierenden Gesundheits/Wellness Diskursen über body-images neue self-identities konstituieren in den theoretischen Analysen noch kaum berücksichtigt worden und folglich wenig entwickelt.
Problemstellung Ausgangslage der gegenständlichen Forschung war die Beobachtung von sich - sowohl in den Wissenschaften als auch in der Alltagskultur - verdichtenden und verschiebenden Körper- und Selbstthematisierungen in westlichen Kulturen, wie sie insbesondere am Beispiel des Wellness-Booms sichtbar werden. Ziel Das Ziel der Untersuchung war auf zwei Ebenen angesiedelt: einerseits galt es, das bislang (kultur)wissenschaftlich noch nicht reflektierte Phänomen Wellness zu erfassen und zu analysieren. Andererseits wurde der Frage nachgegangen, welche Körper- und Selbstkonzepte bzw. Vorstellungen mit und über Wellness-Diskurse (in Österreich) re-produziert werden. Methoden Aus einer kultur- und diskursanalytischen Perspektive und im Verständnis qualitativer Sozialforschung wurde die Untersuchung als dynamischer Prozess mit aufeinander aufbauenden Forschungszyklen konzipiert, wobei unterschiedliche qualitative Methoden (Bildtextanaysen, Artefaktanalyen, Teilnehmende Beobachtungen, Text- und Diskursanalysen) zur Anwendung kamen. Anforderungen an die Qualitätssicherung qualitativer Forschung wurden berücksichtigt. Ergebnisse Gegenständliche Forschung ist eine der ersten umfassenden wissenschaftlichen Reflexionen des Wellness-Booms und liefert eine dichte, phänomenologische Beschreibung zum Diskursfeld Wellness mit all seinen Artefakten, Einrichtungen, Praktiken, Ausbildungen, insbesondere im Hinblick auf Bedeutungssetzungen und Selbstpräsentationen. Wellness-Rhetoriken und Inszenierungsweisen spielen mit (Wort)Neuschöpfungen, Kollagen und Fusionen (unterschiedlichster kultureller Elemente), Superlativen, mit versteckten Imperativen und insbesondere mit Zauber und Magie im Sog eines augenscheinlichen Ästhetisierungsdrucks. Wellness kann als bedeutsamer Gegenwarts-Diskurs bezeichnet werden, als Gesundheitsdiskurs, in welchem Gesundheit und Krankheit nicht mehr sichtbar werden. Entgegen dem manifesten Heilversprechen für Gesunde, der Einheit von "Körper-Geist und Seele", werden auf latenter Ebene neue Fragmentierungen, Virtualisierung, Technisierung und Kommerzialisierung sichtbar: Emotions - die Kontrolle von Leiblichkeit unter dem Diktum der Machbarkeit und dem Phantasma grenzenlosen Wohlfühlens; die Ich-AG - Selbstmanagement des unternehmerischen Selbst; das Mentalparadies - virtueller Ort und als Wohlfühl-Oase neue Einrichtung in der Gesellschaft. Als Diskurs über die "Gute Gesundheit", als umfassende Lebensstil und -ethik Debatte kann Wellness auch als postmoderner Anstandsdiskurs gelesen werden. Stellenwert Die Untersuchung ist in einem Forschungsdesiderat angesiedelt. Sie zeichnet sich durch eine innovative Herangehensweise aus, sowohl in Bezug auf Fragestellungen und Interpretationen als auch bezüglich Methodologie und Methodeneinsatz. Die Relevanz der Forschung liegt in der Analyse und Reflexion eines symptomatischen Phänomens der Gegenwartskultur westlicher Gesellschaften. Als Grundlagenforsch-ung bietet sie Anknüpfungspunkte zu inter-, trans- und internationalen wissenschaftlichen Kooperationen und für Folgeforschungen. Auf allgemeinster Ebene ist sie ein Beitrag zur kritischen Reflexion von Selbst- Verständlichkeiten.
- Universität Wien - 100%
- Christine Goldberg, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in