Phänomenale Begriffe und Anti-Physikalismus
Phenomenal Concepts and Anti-Physicalism
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Philosophy of Mind,
Consciousness,
Phenomenal Concepts,
Knowledge Argument,
Anti-Physicalism,
Narrow Content
In der Philosophie des Geistes kommt der Analyse des Bewusstseins ein zentraler Stellenwert zu. Theorien, die versuchen, das Bewusstsein auf physikalische Entitäten zu reduzieren, sehen sich einflussreichen anti- physikalistischen Argumenten gegenüber, die sich auf den phänomenalen Aspekt des Mentalen stützen. In der zeitgenössischen Literatur wird die so genannte Strategie phänomenaler Begriffe als wirkungsvollste Replik auf anti-physikalistische Argumente angesehen. Das Ziel meines Forschungsprojekts ist einerseits die Entwicklung einer originären Theorie phänomenaler Begriffe und andererseits die Analyse der Konsequenzen dieser Theorie für derzeit lebhaft diskutierte Schlüsselfragen in der Philosophie des Geistes: So wird angesichts der besonderen Beschaffenheit phänomenaler Begriffe den Fragen nachgegangen, ob mentale Inhalte internalistisch zu deuten sind und ob intentionale Zustände konstitutive, phänomenale Eigenschaften besitzen. In Abgrenzung zu vorherrschenden Theorien phänomenaler Begriffe, deren Ziel es ist, den Physikalismus zu verteidigen, wird die hier erarbeitete Theorie einen Anti-Physikalismus stützen. Die Erörterung phänomenaler Begriffe beginnt mit der Darstellung und Kritik ihrer physikalist-ischen Interpretationen. Es wird gezeigt, dass physikalistische Auffassungen phänomenale Begriffe in-sofern nicht adäquat beschreiben, als sie deren zentrale Funktion, Information über den phänomenalen Aspekt des Mentalen zu transportieren, nicht erfassen können. Ein besonderer Fokus wird hierbei auf "zitierende" Begriffe gerichtet, welche trotz des Vorteils, Begriff und Referent in enge Beziehung zu-einander zu setzen, dennoch daran scheitern, anti- physikalistische Argumente befriedigend zu erklären. Folglich endet der erste Teil des Projekts mit einem negativen Befund für physikalistische Interpretationen phänomenaler Begriffe. In einem zweiten Schritt wird in Anlehnung an den Begriffs-Empirismus eine originäre und umfassende Theorie phänomenaler Begriffe entwickelt, welche auf einer Inhärenz-These von Referent und Begriff basiert. Sowohl die Erklärungskraft der innovativen Theorie phänomenaler Begriffe als auch ihre dualistischen Konsequenzen werden ausführlich erörtert. Anschließend wird die Anwendungsdimension und Signifikanz der verteidigten Theorie phänomenaler Begriffe thematisiert. Diese Analyse setzt sich in der Untersuchung der Frage fort, ob phänomenale Begriffe eine internalistische Deutung mentaler Inhalte nahe legen und folglich nicht nur phänomen-ale, sondern auch intentionale Zustände eine Herausforderung für den Physikalismus darstellen. Das Forschungsprojekt ist dem Ziel gewidmet, aufzuzeigen, dass die Strategie phänomenaler Begriffe nicht nur in ihrem Bestreben scheitert, den Physikalismus zu verteidigen, sondern ihn mit neuen und weitreichenden Problemen konfrontiert. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen unter anderem PhysikalistInnen zu neuen Überlegungen und Argumenten anregen und somit zu einem tieferen Verständnis der zentralen Physikalismus/Anti- Physikalismus-Debatte in der zeitgenössischen Philosophie des Geistes führen.
Kann Bewusstsein auf physikalische Prozesse reduziert werden? Kann eine physikalistische Theorie des Geistes adäquat erfassen, wie es ist, den Duft einer Rose zu riechen, den Ozean zu sehen oder den Regen auf der Haut zu spüren? Der philosophische Physikalismus, der eine derartige Reduzierbarkeit des Bewusstseins auf beispielweise Gehirnprozesse bejaht, strebt eine objektive Theorie des Geistes an. Die subjektive Erlebnisqualität von Bewusstseinszuständen stellt folglich eine Herausforderung für den Physikalismus dar. Das Forschungsprojekt war einer Analyse des Geistes gewidmet, die die erkenntnistheoretischen und sprachphilosophische Besonderheiten des Bewusstseins erklärt und zugleich den Physikalismus mit neuen Gegenargumenten konfrontiert. In der zeitgenössischen Debatte über die Reduzierbarkeit des Geistes kommt der sogenannte Strategie phänomenaler Begriffe ein zentraler Stellenwert als Verteidigung des Physikalismus zu. Ziel dieser Strategie ist es, zu erklären, warum wir die aus physikalistischer Sicht irreführende Intuition besitzen, dass subjektive Erlebnisse nicht auf physikalische Prozesse reduzierbar wären. Dies läge daran, dass wir über Bewusstseinszustände stets aus unserer eigenen, qualitativen Subjektperspektive heraus nachdächten und uns aufgrund dieses Denkens in Form von sogenannten phänomenalen Begriffen die objektive, physikalische, Natur von Bewusstseinszuständen nicht einsehbar wäre. Das Forschungsprojekt war in vier Teile gegliedert. Der erste Teil war einer Kritik zeitgenössischer Theorien phänomenaler Begriffe gewidmet. Es wurde gezeigt, dass diese Theorien phänomenale Begriffe insofern nicht adäquat erfassen, als sie deren zentrale kognitive Funktion nicht zu erklären vermögen nämlich, wie diese Begriffe Wissen über eigenpsychische Erlebnisse ermöglichen. In einem zweiten Schritt wurde eine originäre Theorie phänomenaler Begriffe entwickelt, die sowohl die Art und Weise, wie wir über Bewusstseinszustände nachdenken, erklärt, als auch unser Wissen darüber, wie es ist, ein bewusstes Erlebnis zu haben. In dem dritten Teil wurde argumentiert, dass phänomenaler Begriffe, die die erkenntnistheoretischen Besonderheiten von bewussten Erlebnissen adäquat erfassen, mit einer physikalistischen Analyse des Geistes unvereinbar sind. Der abschließende Teil thematisierte die Anwendungsdimension der entwickelten Theorie. Es wurde die Frage erörtert, ob jenseits von erlebnishaften Bewusstseinszuständen auch bewusste kognitive Zustände (wie beispielsweise Denken oder Urteilen) eine subjektive, qualitative, Komponente beinhalten und daher ebenfalls ein Problem für eine physikalistische Theorie des Geistes darstellen. Das Forschungsprojekt zeigte, dass die Strategie phänomenaler Begriffe nicht nur in ihrem Bestreben scheitert, den Physikalismus zu verteidigen, sondern ihn mit neuen und weitreichenden Problemen konfrontiert. Die entwickelte Theorie führte zu einem tieferen Verständnis der zentralen Physikalismus -Debatte in der zeitgenössischen Philosophie des Geistes. Darüber hinaus leisten die Resultate des Projektes bedeutende Beiträge zu Schlüsselfragen der Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie, indem sowohl erklärt wurde, wie wir Bewusstseinszustände begrifflich erfassen als auch wie wir Wissen über Bewusstseinszustände erlangen.
- Universität Graz - 100%
- Brian P. Mclaughlin, Rutgers University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Keith Lehrer, University of Arizona - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 2 Zitationen
- 11 Publikationen
-
2012
Titel Special Issue : The Philosophy of Keith Lehrer. Typ Other Autor Fürst M -
2012
Titel On Zombie Beliefs. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Fürst M Konferenz Christoph Jäger ,Winfrid Löffler (eds.): Epistemology: Contexts, Values and Disagreement. Proceedings of the 34. International Wittgenstein Symposium -
2011
Titel Acta Analytica. Typ Other Autor Fürst M -
2011
Titel What Mary’s Aboutness Is About DOI 10.1007/s12136-010-0120-y Typ Journal Article Autor Fürst M Journal Acta Analytica Seiten 63-74 -
0
Titel Acta Analytica. Typ Other Autor Fürst M -
0
Titel Special Issue : The Philosophy of Keith Lehrer. Typ Other Autor Fürst M -
2013
Titel Sensory Phenomenology and the Content Indeterminacy Problem. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Fürst M Konferenz Daniele Moyal-Sharrock, Volker A. Munz , A. Coliva (eds.): Mind, Language and Action. Proceedings of the 36th International Wittgenstein Symposium -
2013
Titel A Dualist Account of Phenomenal Concepts. Typ Book Chapter Autor Andrea Lavazza & Howard Robinson (Eds.): Contemporary Dualism: A Defense. [Review In: 'Notre Dame Philosophical Reviews' By Lynne Rudder Baker -
2012
Titel Introduction DOI 10.1007/s11098-012-9943-2 Typ Journal Article Autor Fürst M Journal Philosophical Studies Seiten 1-5 -
2012
Titel Introduction. Typ Journal Article Autor Fürst M -
2012
Titel Exemplarization: a solution to the problem of consciousness? DOI 10.1007/s11098-012-9948-x Typ Journal Article Autor Fürst M Journal Philosophical Studies Seiten 141-151