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Reaktionsformen österreichischer Autorinnen im Nationalsozialismus: Ingeborg Teuffenbach, Erika Mitterer und Veronika Rubatscher

Reaktionsformen österreichischer Autorinnen im Nationalsozialismus: Ingeborg Teuffenbach, Erika Mitterer und Veronika Rubatscher

Karin Gradwohl-Schlacher (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/T37
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.06.1999
  • Projektende 30.04.2003
  • Bewilligungssumme 133.427 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (10%); Soziologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)

Keywords

    LITERATUR, ÖSTERREICH, NATIONALSOZIALISMUS, AUTORINNEN

Abstract Endbericht

Projektziel ist die Darstellung unterschiedlicher Verhaltensweisen österreichischer Autorinnen im Nationalsozialismus 1933/1938-1945, veranschaulicht an Ingeborg Teuffenbach, Erika Mitterer und Veronika Rubatscher. Die Bandbreite der Reaktionsformen reicht dabei von vorbehaltloser NS-Begeisterung bis hin zum Widerstand gegen das Dritte Reich. Ingeborg Teuffenbach verkörpert den Typus der erfolgreichen, vom politischen System geförderten Autorin, Erika Mitterer jenen der Inneren Emigratin, Veronika Rubatscher schließlich symbolisiert den Übergang von Innerer Emigration zum Widerstand. Eine eindeutige Zuordnung kann bisher nur bei Teuffenbach erfolgen, zu mannigfaltig sind die Probleme im Umfeld des Begriffes Innere Emigration. (Darauf komme ich an anderer Stelle zurück.) Wie Teuffenbach den Bereich ns-konforme Reaktionsformen vertritt, so steht Rubatscher am anderen Ende der nicht ns-konformen Reaktionsformen, während Mitterer den Übergang von einer Seite auf die andere symbolisiert. Die Reaktionsformen müssen aber immer vor der Kontrastfolie der Lebens- und Schreibbedingungen der aus dem literarischen System von vorneherein ausgeschlossenen jüdischen Autorinnen, wie z.B. Alma Johanna Koenig, gesehen werden. Die Betrachtung des literarischen Systems als Ganzes führt so zur Verdeutlichung des Handlungsspielraumes des Individuums. In weiterer Folge soll aus der Forschungsarbeit eine Typologie entstehen, mit deren Hilfe die oft nur graduell verschiedenen Reaktionsformen von Autorinnen (und Autoren) im Nationalsozialismus genauer deftniert werden können. Da ich zu meinem Projektvorhaben Frauen gewäh1t habe, soll den weiblichen Lebens- und Schreibzusammenhängen unter den speziellen Bedingungen des Dritten Reiches besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ferner soll die Untersuchung als Habilitationsvorhaben eingereicht werden.

Wie reagierten österreichische Autorinnen auf das diktatorische System des Nationalsozialismus? So lautete die Ausgangsfrage meiner Forschungsarbeit, die anhand von zehn Fallbeispielen unterschiedliche Verhaltensweisen beschreibt, wobei die Bandbreite von nationalsozialistischer Begeisterung über Distanz und Innere Emigration bis hin zum Widerstand reicht. Grundvoraussetzung für jede Art öffentlicher Betätigung im Dritten Reich war die "arische" Abstammung. Jüdische sowie politisch mißliebige AutorInnen waren von der Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer (RSK) von vornherein ausgeschlossen. Dies bedeutete Schreibverbot - und in der Folge oft die Vernichtung von Existenzen. Darüber hinaus war der Nationalsozialimus eine explizit frauenfeindliche Ideologie. Dem in der Weimarer Republik in Deutschland bzw. in der Ersten Republik in Österreich geglückten Aufbruch der Frauen folgte eine radikale Kehrtwendung, die auch im Kulturbereich zu großen Einschnitten führte. Unterschiede sind bereits in den Zugangsmöglichkeiten zu verorten; so registriert das Schriftsteller-Verzeichnis der RSK von 1942 für die "Ostmark" 811 AutorInnen, darunter aber nur 181 Frauen. Die Reduktion der Frauen auf Haushalt und Kinder machte sich bemerkbar, dazu kamen erschwerte Bedingungen im Krieg, als die Versorgung der Familie immer größeren Energieaufwand erforderte. Ausnahmen bestätigen die Regel: Gertrud Fussenegger (*1912) reüssierte im Dritten Reich als hoffnungsvolle Nachwuchsautorin, obwohl sie drei kleine Kinder zu versorgen hatte. Einige Autorinnen wollten sich vom Regime nicht vereinnahmen lassen und zogen sich - so sie es sich leisten konnten - in das Privatleben zurück. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Blick auf die ökonomische bzw. familiäre Situation der Frauen. Alleinstehende Autorinnen, die vom Schreiben lebten, mussten sich schon aus Existengründen mit dem System arrangieren, während Frauen mit einem gesicherten finanziellen Hintergrund der Rückzug aus der literarischen Öffentlichkeit frei stand. Die gebürtige Kärntnerin Ingeborg Teuffenbach (1914 - 1992) kam aus dem Bund deutscher Mädel und war mit einem hohen SS-Offizier verheiratet. Sie gehörte im Wien der NS-Zeit als einzige Frau zur literarischen Prominenz; in ihren Werken verarbeitete sie dezidiert nationalsozialistisches Gedankengut, von Führergedichten (u.a. Bekenntnis zum Führer) bis zu Durchhalteparolen (u.a. Hymnus im Krieg). Ein Großteil der Gedichte in dem 1938 vom damaligen Reichsjugendführer und späteren Gauleiter von Wien, Baldur von Schirach, herausgegebenen repäsentativen Lyrikband Das Lied der Getreuen stammte von ihr. Anders das Verhalten der Wiener Autorin Erika Mitterer (1906 - 2001), die dem Nationalsozialismus distanziert gegenüber stand, ihren literarischen Aufstieg und ihre vergleichsweise hohen Einkünfte paradoxerweise jedoch gerade jenem System verdankte, gegen das sie opponierte. Mit dem Roman Der Fürst der Welt (1940) verfasste sie eine Parabel auf den NS. Zunächst stand das Werk auf NS-Empfehlungslisten, bis ein Zensor die wahre Intention erkannte, daraufhin verschwand es vom Markt. Wie die meisten VertreterInnen der Inneren Emigration blieb Mitterer aber trotz Distanz zum Regime in widerspruchsvoller Weise auf den Nationalsozialismus fixiert. Als Beispiel für widerständisches Verhalten kann die Südtirolerin Veronika Rubatscher (1900 - 1987) gelten. Mit dem Roman Der Lusenberger (1930) startete sie eine vielversprechende Karriere in Deutschland, die 1939 abrupt zu Ende ging, als sie sich im Zuge der "Option" für den Verbleib in Südtirol entschied. Nach der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen musste sie fliehen, und hielt sich bis Kriegsende auf entlegenen Almen versteckt. Da Rubatscher vom Schreiben lebte und alleinstehend war, verarmte sie völlig. 1939/40 verfasste sie das Manuskript Die Wahrheit über Südtirol, das erst ein Jahr vor ihrem Tod in Buchform erscheinen sollte.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Uwe Baur, Universität Graz , assoziierte:r Forschungspartner:in

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