Die Rolle der regulatorischen T Zellen in der Nephritis
The role of regulatory T cells in glomerulonephritis
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (60%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (40%)
Keywords
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Regulatory Cells,
Autoimmunity,
Glomerulonephritis,
Renal Ischemia And Reperfusion Injury
Viele Formen der Glomerulonephritis (GN) sind autoimmunen Ursprungs. Pathogenetisch finden sich sowohl humorale als auch zelluläre Immunantworten gegen residente oder abgelagerte Antigene. Bei einem Teil der GN ist das Antigen bereits bekannt (a3 Kette des Kollagen IV als Teil der glomerulären Basalmembran (GBM)), in einem weiteren Teil lagern sich Antigene, die normalerweise außerhalb der Niere lokalisiert sind, im Glomerulum ab und werden Ziel von Immunreaktionen und schließlich finden sich direkt abgelagerte Immunkomplexe bestehend aus dem Antigen und Antikörper im Glomerulum. Da die Erkrankung einer GN relativ selten auftritt, dürfte bei einem Großteil der Individuen ein Schutz vor diesem immunologischen Fehlverhalten bestehen. Dies ist ein Resultat von multiplen Faktoren, wie der genetische Hintergrund des Individuums sowie der Status der "natürlichen" protektiven Immunmechanismen. Ein spezieller Mechanismus, der sehr potent und ubiquitär vorhanden sein dürfte, ist die Suppression von autoreaktiven Effektor-Lymphozyten durch suppressive regulatorische CD4 + CD25 + T Zellen (Treg). Rezent konnten wir zeigen, dass Treg in einem Modell der nephrotoxischen Nephritis protektiv wirken. Trotzdem bleiben eine Menge an offenen Fragen bestehen. Als erstes planen wir eine genauere Charakterisierung unseres Modells, indem die Lokalisation diverser Zellpopulationen, die eine entscheidende Rolle in der Pathogenese der anti-GBM GN haben (u.a. Effektor T Zellen, Treg), zu verschiedenen Zeitpunkten evaluieren. Weiters wollen wir die Rolle von endogenen Treg, sowie den Zeitpunkt der Treg Applikation (nach Ausbruch der Erkrankung), und eine eventuelle lebenslange Protektion gegen ein Wiederauftreten der Erkrankung evaluieren. Weiters stellen sich die Fragen, ob stärker suppressive Zellpopulationen in vivo bestehen. Zusätzlich soll die Wirkung der neuen Immunsuppressiva, wie Rapamycin und FTY720, auf Treg untersucht werden. Schlussendlich soll evaluiert werden, ob die gefundenen Pathomechanismen in der experimentellen GN auch auf andere T-Zell-abhängige Nierenerkrankungsmodelle, wie z.B. dem akuten Nierenversagen, umgelegt werden können. Zusammengefasst, zeigen die Daten unserer Gruppe, dass der Transfer von Treg einen neuen Therapieansatz für die GN darstellen könnte. Die Exploration der protektiven Mechanismen von Treg in renalen Erkrankungen könnte neue Therapieoptionen in einigen Formen der autoimmun-bedingten GN aufbringen. Im Besonderen in rekurrierenden Formen, wie z.B. des systemische Lupus erythematodes und der systemischen Vaskulitis (die momentan sehr langdauernde Immunsuppression benötigen), oder der crescentic IgA Nephritis, bei der momentan limitierte therapeutische Optionen bestehen. Zelluläre Therapieformen, wie z.B. T Zell Infusionen nach Knochenmarkstransplantation, sind in der Hämatologie bereits gut etabliert. Autologe Transfusionen von Antigen- spezifischen natürlichen Regulatoren der Autoimmunität könnten eine attraktive Form der Therapie sein, da unser momentanes Arsenal der immunosuppressiven Medikamente viele ungünstige Nebenwirkungen aufweist. Nichtsdestoweniger sind wir der Meinung, dass der Einsatz von Treg in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen nicht mehr weit entfernt ist.
- Alexander Rosenkranz, Medizinische Universität Graz , assoziierte:r Forschungspartner:in