Migrationssysteme in der Ländern der Ungarischen Krone
Migration Systems in the Late Hungarian Crowne Lands
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (50%); Soziologie (40%)
Keywords
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Migrationsgeschichte,
Ungarn,
Sozialgeschichte,
Amerika,
Transnational,
Habsburgermonarchie
Ziel des Forschungsprojektes ist die Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Amerikaauswanderung und anderen, vielfältigen Migrationsmustern, wie Binnenmigration und Mobilität über staatliche Grenzen im Zeitraum von 1870 bis 1914 anhand des ungarischen Teiles der Habsburgermonarchie. Wanderbewegungen nach Nordamerika werden einerseits in Verbindung mit anderen oft seit Jahrhunderten bestehenden Migrationsvorgängen untersucht, andererseits in sozio-ökonomischen, demographischen und kulturgeschichtlichen Kontexten der Habsburgermonarchie verortet. Sowohl im weiteren sozialgeschichtlichen Kontext - angesichts der vielschichtigen und langwierigen Übergangsprozesse in agrarischen und urbanen Gesellschaftsformen - als auch im engeren migrationsgeschichtlichen Kontext wird eine isolierte Betrachtung des Phänomens der transatlantischen Auswanderung vermieden. Das vorliegende Projekt kann auf zwei Forschungsprojekte zur transatlantischen und zur transnationalen Migration von und im österreichischen Teil der Habsburgermonarchie aufbauen. Die Geschichte transnationaler Migrationen, sowohl innerhalb Europas als auch nach Übersee, ist in den letzten Jahren - nicht zuletzt auf Grund der gegenwärtigen hohen Aktualität des Themas - zu einem zentralen Themenbereich der historischen Forschung geworden. Das Projekt versteht sich als wesentlicher Beitrag zur Überwindung der oft isoliert in nationalstaatlichen Perspektiven betriebenen historischen Migrationsforschung, die tendenziell eine Unterbewertung von lokalen, internen und inter- sowie transnationalen Migrationsbewegungen bewirkte. Migration war und ist ein Vorgang in viele Richtungen. Zwischen verschiedenen Regionen entwickelten sich Migrationsbeziehungen, die als zusammengehörige Untersuchungseinheiten und -systemen in einer transnationalen Perspektive analysiert werden. Innovativ wird insbesondere die konsequente Analyse der Frage nach der Gleichzeitigkeit von regionaler Mobilität in unterschiedliche und entgegen gesetzte Richtungen innerhalb eines Migrationssystems sein. Grundlegend für die Studie sind quantifizierende Auswertungen, für die unterschiedliche Quellentypen, wie Passagierlisten von Auswanderschiffen zwischen Deutschen Häfen und New York, staatliche Volkszählungen, Daten aus dem Ungarischen Statistischen Jahrbuch, sowie regionale und städtische Zählungen herangezogen werden. Dabei werden vorhandene wissenschaftliche Erklärungsmuster für historische Migrationsvorgänge auch einer empirischen Überprüfung unterzogen. Weitere wichtige Aspekte sind Fragen nach geschlechterspezifischen Unterschieden von Migrationsmustern sowie Abfolgen von Migrationen in Biographien. Die quantifizierenden Analysen ermöglichen darüber hinaus, Informationsnetzwerke von MigrantInnen auf der Grundlage von räumlichen Bezügen zu rekonstruieren. Damit kann ein systematisches Bild des Einflusses von persönlichen Beziehungen auf Migrationsentscheidungen gewonnen werden. Insgesamt wird das Projekt zu einer entscheidenden Neubewertung der historischen Bedeutung verschiedenster Migrationsformen in Mitteleuropa beitragen und empirisch abgesicherte multidimensionale Analysen zur Beschreibung und Erklärung historischer Migrationssysteme vorlegen.
- Universität Wien - 100%
- Franz X. Eder, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in