Experimente zur Gehäusezerstörung bei Großforaminiferen
Experiments on Test Destruction in Larger Foraminifera
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (100%)
Keywords
-
Protista,
Large Foraminifera,
Carbonate Sediments,
Transport,
Taphonomy,
Experiments
Großforaminiferen sind einzellige Meeresbewohner, die gekammerte Kalkgehäuse produzieren. Der Bau von extrem großen Gehäusen (> 1mm bis zu 13cm) kann nur in warmen, tropischen Meeren stattfinden. Durch die Symbiose mit einzelligen Mikroalgen sind die bodenbewohnenden Großforaminiferen auf lichtdurchflutete Küstenbereiche beschränkt. Neben den Steinkorallen und Kalkrotalgen sind sie heute die Hauptproduzenten von Seichtwasserkalken, besonders an den Küsten des Indo-Pazifik. Großforaminiferen besitzen die Fähigkeit, erhöhte Wassertemperaturen über längere Zeiträume, wie sie bei den El-Nino Ereignissen auftreten, zu ertragen und dürften auch eine Erwärmung der Ozeane leichter als die Steinkorallen überstehen. Dies läßt sich aus der Erdgeschichte nachweisen. Die extrem hohen Temperaturen in der Oberkreide und die nur etwas geringeren Werte im Alttertiär haben dazu geführt, daß Steinkorallen sehr selten und eher in tieferen (kühleren) Bereichen auftraten, während die Großforaminiferen die Hauptproduzenten von Kalkgesteinen, insbesondere in den tropischen Bereichen waren. Diese Kalke sind heute die wichtigsten Erdöllagerstätten in Nord-Afrika und dem Nahen Osten. Eine Anreicherung von Foraminiferen in diesen Kalken ist nur in seltensten Fällen durch eine reduzierte Sedimentationsrate erklärbar. Entweder erfolgte sie durch Abtransport der feinen Sedimente zwischen den Schalen infolge geringer Wasserbewegung, oder die Schalen wurden bei stärkeren Strömungen transportiert und je nach Größe, Dichte und Form in unterschiedlichen Distanzen abgelagert. Das angstrebte Projektziel ist die Erfassung der wichtigsten Tranportparameter für die heute im Indopazifik auftretenden Großforaminiferen. Neben Kräften, die nötig sind, Foraminiferengehäuse am Boden zu bewegen, sollen auch für jede Art mit unterschiedlichen Wachstumsstadien die Bewegungsform und Schwebfähigkeit im Meerwasser experimentiell erfaßt werden. Das Abheben vom Untergrund hängt nicht nur von der Fließgeschwindigkeit, sondern auch vom Substrat ab. Der Transport in einer Flüssigkeit ist wiederum mit dem Widerstandskoeffizienten, der durch die Gehäuseform bedingt ist, korreliert. So werden flache, scheibenförmige Gehäuse bei gleichen Strömungsverhältnissen weiter transportiert als kugelige Formen. Neben den Transporteigenschaften soll auch die Einwirkung der benachbarten Sedimentkörner auf die Gehäuse überprüft werden. In einer gerichteten Strömung ist die Auswirkung weniger stark als bei oszillatorischen Bewegungen, wie sie im Wellenbereich auftreten. Diese Bewegungen führen je nach Dauer zu unterschiedlichen Zerstörungsgraden. Transporteffekte von Zerstörungen zu unterscheiden, die auf biologischen oder chemischen Ursachen basieren, soll das zweite Ziel dieser Arbeit sein. Experimentielle Untersuchungen über den Transport von Großforaminiferen und ihre Zerstörung sollen das Tor zur Interpretation fossiler Karbonate öffnen.
- Universität Wien - 100%
- Johann Hohenegger, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in