Soziales Wissen bei Kolkraben
Social knowledge in ravens
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Psychologie (50%)
Keywords
-
Social knowledge,
Corvus corax,
Gaze follow,
Perspective taking,
Ravens,
Visual attention
Ziel dieses Projektes ist zu erforschen, was Kolkraben (Corvus corax) über die Sicht anderer wissen. Derlei Verständnis kann unterschiedlich ausprägt sein und von einem Folgen der Blickrichtung anderer als Verhaltensregel (einfaches kognitives Erklärungs-modell) bis zur Einsicht, dass die Sichtweise anderer analog zu der eigenen ist (hohes kognitives Modell), reichen. Letztere Erklärung würde beinhalten, dass sich Individuen bis zu einem gewissen Grad in andere hineinversetzen und ihnen somit psychologische Werte wie Eindrücke oder Gefühle zuschreiben können. Bis vor kurzem wurde angenommen, dass derlei Fähigkeiten ausschliesslich menschliche Eigenschaften sind. Aufgrund ihrer Lebensweise als opportunistischer Fleischfresser, die sich durch ständige Auseinandersetzungen mit Artgenossen und gefährlichen Raubfeinden wie Wölfe und Menschen auszeichnet, bieten sich Raben als Forschngsobjekte für die Untersuchung von sozialem Wissen an. In der Tat zeigt unsere bisherige Forschung, dass futtersuchende Raben zu kognitiv schwierigen Täuschmanövern fähig sind. Sie verstecken sich vor möglichen Gegnern und halten gar ihre Intentionen zurück, um die Futterverstecke anderer ungestört plündern zu können. Derlei Interaktionen würden durch die Fähigkeit, die Sichtweise des anderen einzunehmen, massgeblich erleichtert. Unter Anwendung spezieller, für die Arbeit mit Primaten entwickelter Methoden soll hier das Wissen von Raben in vier Schritten untersucht werden. Erstens ist geplant, die ontogenetische Entwicklung des Blicknachfolgens zu dokumentieren und das Ausmass von Lernen sowie den Gebrauch von Blicken in Relation zu anderen sozialen Reizen zu ermitteln. Zweitens soll die Fähigkeit von Raben untersucht werden, die Blickaktivität von Menschen und von Artgenossen zu verwenden, um versteckte Nahrung ausfindig zu machen. Drittens soll getestet werden, ob Raben dominante Artgenossen, die bestimmte Futterstücke nicht sehen können, gezielt um diese Belohnung bringen können. In einem letzten Schritt soll untersucht werden, ob sich Raben hinsichtlich ihrer Fähigkeiten Blicke von anderen einzuschätzen von biologisch nah verwandten aber ökologisch unterschiedlichen Arten (Dohlen, C. monedula, und Saatkraehen, C. frugilegus) unterscheiden. Falls sich Raben, wie erwartet, in den verschiedenen Tests nach dem visuellen Verhalten anderer richten, würde dies belegen, dass sie die Perspektive andere einnehmen können. Insgesamt soll dieses Projekt zum besseren Verständnis von komplexer Kognition bei Tieren beitragen. Soziale Kognitionsforschung gewinnt immer mehr an Bedeutung und hat einen beträchtlichen Einfluss auf unser Verständnis der Evolution von menschlicher Intelligenz.
- Universität Wien - 100%
- Bernd Heinrich, University of Vermont - Vereinigte Staaten von Amerika
- Nicola S. Clayton, University of Cambridge - Vereinigtes Königreich