Die Produktion besonderer Arbeitskräfte
The Production of a Special Workforce
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (25%); Rechtswissenschaften (15%); Soziologie (50%)
Keywords
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Work,
Practices,
Domestic Service,
Social Inequality,
Labour,
Gender Relations
Waswir heute unterErwerbsarbeit verstehen, istausder Perspektive der Geschichtswissenschaft jung. Mit der Entstehung der Sozialstaaten, eines neuen Arbeitsrechts oder der Behörden der Arbeitsmarktverwaltung veränderte sich auch die Arbeit selbst. Dauerhafte, gelernte Berufsarbeit außerhalb des Hauses mit gesicherten Rechten und Pflichten wurde immer mehr zum Maßstab für alle anderen Möglichkeiten, sich einen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Im Vergleich zur Berufsarbeit galten manche Lebensunterhalte nun immer weniger als Arbeit. Andere passten sich beispielsweise durch den Einbezug in die Sozialversicherungen (mehr oder weniger) an die Berufsarbeit an. Zu letzteren gehörte der häusliche Dienst. Was dieser sein, wie er definiert und geregelt werden sollte, blieb aber umstritten: Waren Hausgehilfinnen untergeordnete Mitglieder des Haushalts, Teil der Familie oder Arbeiterinnen? Die Auseinandersetzungen um diese Frage beschränkten sich nicht auf öffentliche oder politische Debatten oder behördliche Versuche, in den Dienst einzugreifen. Alle, die mit häuslichen Diensten zu tun hatten, wirkten daran mit. Für Österreich im Zeitraum von etwa 1880 bis 1938 untersucht diese Arbeit, wie die vielen Beteiligten andiesen Auseinandersetzungen lokale oderstaatliche Behörden, Interessenvertretungen und Wohltätigkeitsvereine, Stellenvermittler*innen, Dienstgeber*innen oder Hausgehilfinnen den häuslichen Dienst im Verhältnis zu gewerblicher Lohnarbeit und anderen Lebensunterhalten einordneten, regulierten oder praktisch umsetzten. Sie fragt nach dessen Veränderungen und analysiert, wie Hausbedienstete und andere Arbeitskräfte zueinander in eine Rangordnung gesetzt wurden. Damit unterscheidet sich diese Studie von bisherigen Forschungen, die den häuslichen Dienst bisher meist unabhängig von anderen Erwerbstätigkeiten betrachteten und Unterschiede zwischen ihnen voraussetzten, diese aber kaum im Detail untersuchten. Die Arbeit stützt sich auf vielfältige Materialien wie etwa autobiografische Aufzeichnungen, Briefe, ein Tagebuch sowie politische Veröffentlichungen, Behördenakten, amtliche Dokumente oder populäre Literatur, die systematisch miteinander verglichen wurden. Die Studie vollzieht nach, wie unterschiedlichste Akteur*innen den Dienst je nach ihrer sozialen Stellung und ihren Möglichkeiten mitgestalteten. Sie zeigt, dass dessen Veränderungen in Verbindung mit dem Wandel der Arbeit insgesamt standen: Einerseits wurde der Dienst der Berufsarbeit ähnlicher in der Zwischenkriegszeit sah das Recht Hausgehilfinnen etwa erstmals als Arbeitskräfte, wenn auch als besondere Art von Arbeitskräften, an. Andererseits brachten wiederkehrende Streitigkeiten darum, welche Tätigkeiten dem Dienst, der Landwirtschaft oder dem Gewerbe zuzurechnen seien, klarere Grenzziehungen zwischen den unterschiedlichen Arbeitsformen mit sich. Im Dienstalltag war von diesen Veränderungen aber nur bedingt etwas zu merken.
- Institut für Geschichte des ländlichen Raumes - 100%