Im städtischen Bad vor 500 Jahren
In municipal baths 500 years ago
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (40%); Gesundheitswissenschaften (20%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (10%); Soziologie (30%)
Keywords
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Public Baths,
Rattenberg,
Tyrol
Gemessen an Deutschland und der Schweiz weist Österreich im Hinblick auf die Geschichte seiner alten städtischen Bäder ein deutliches Forschungsdefizit auf, besonders in Tirol. Außer über Hall weiß man hier kaum etwas über die städtischen Dampf- und Wannenbäder. Die vorliegende Studie soll ein erster Schritt sein, dies Manko zu beheben. Dank relativ günstiger Überlieferung bot sich als Forschungsobjekt Rattenberg an, wo sich zwischen 1480 und 1580 zehn Bader und Wundärzte nachweisen ließen. Sie standen der städtischen Bevölkerung, Laien wie Geistlichen, aber auch Bauern, Knappen und Hüttenleuten aus der Umgebung sowie Fremden für Körperpflege, Entspannung, Regeneration, Vorbeugung und Heilung von Krankheiten zu Diensten. Konnten einfachere Handreichungen wie (Kopf) waschen, übergießen, abreiben dem Personal (Badeknechten und -frauen, Lehrlingen) überlassen werden, so blieben Haarschnitt, Rasieren, Aderlass, Schröpfen und die Wundarznei (Behandlung von Zähnen, Wunden, Schlägen, Blutergüssen, Brüchen, Verrenkungen, Geschwüren usw.) dem Bader selbst oder einem erfahrenen Gesellen vorbehalten. Es gab noch keine Meisterprüfung. Nach dem Einkommen und Vermögen und nach der gesellschaftlichen Stellung zu urteilen zählten die Bader zur unteren Mittelschicht der Stadt am Inn. In der Regel erhielten sie nur das Inwohnerrecht. Öffentliche Bäder suchte man nicht nur zur Körperpflege und Erholung auf, sondern sie waren auch Orte der Kontakte und des geselligen Beisammenseins. Diesem Zweck diente zudem die Trinkstube im Obergeschoss des Rattenberger Badhauses. Da sein Gebäude heute noch existiert, konnte näher auf die bauliche Struktur und die Raumaufteilung dieses Hauses eingegangen werden. Eine eingehendere Betrachtung fanden auch Infektionskrankheiten, Hochzeits- und Maibäder. Während in mittleren und größeren Städten die Dampfbäder längst abgekommen waren, behaupteten sie sich in Kleinstädten wie Rattenberg (ca. 900 Einwohner um 1530) bis ins 18. Jahrhundert. Das einfache Volk wollte seinen wöchentlichen Treffpunkt nicht missen. Die detaillierte Studie zu Rattenberg ist in eine Geschichte des Badewesens eingebettet, die von den Dampf- und Wannenbädern des Mittelalters bis zu den Volksbädern und Volksbrausebädern des 19. Jahrhunderts reicht. Darin kommen Kur-, Thermal-, Mineral- und Wildbäder ebenso zur Sprache wie die wechselnden Ansichten der Ärzte über Hygiene und Körperpflege, über Nutzen und Schädlichkeit von Wasser und Baden.