Varietates topiorum
Varietates topiorum
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (20%); Geowissenschaften (15%); Geschichte, Archäologie (50%); Kunstwissenschaften (15%)
Keywords
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Perspective,
Ancient Science And Optics,
Roman mural painting,
Sacro-Idyllic Landscape Painting,
Landscape Painting,
Topographia
Zielsetzung der Dissertationsarbeit ist es, eine erstmalige und genaue Analyse der räumlichen Darstellungsmodi und Perspektiveformen in römischen Landschaftsbildern zu erarbeiten, um ausgehend davon die Strukturen der landschaftlichen Raumerfassung und bildlichen Wiedergabe landschaftlicher Raumzusammenhänge in römischer Zeit zu rekonstruieren. Mit dieser Aufgabenstellung betritt die Untersuchung insofern "Forschungsneuland", als der Versuch unternommen wird, sich dem Themenkomplex mithilfe von interdisziplinären Zugangsweisen zu nähern. Schwerpunkt und zugrunde liegende Aufgabenstellung der Untersuchung ist es, die Strukturen bildlicher Darstellung von landschaftlichen Raumzusammenhängen in römischer Zeit in einem fächerübergreifenden Ansatz zu erschließen. Denn nicht nur die Möglichkeiten, Grenzen und Entwicklungslinien römischer Darstellungsformen sollten einer gründlichen Analyse unterzogen werden, sondern es sollte auch danach gefragt werden, auf welchen theoretischen Rahmen die antiken Perspektiveformen zurückgreifen konnten und vor welchem kulturhistorischen Hintergrund sie entstanden. Auf der einen Seite stehen die Rahmenbedingungen und Aufgabenbereiche der antiken Perspektivetheorie, auf der anderen Seite die Rahmenbedingungen und Aufgabenbereiche antiker Kartographie, sodass die topographische Landschaftskunst und Panoramadarstellung der römischen Zeit hier eine Mittlerrolle und Übergangsstellung einnimmt, die in der Forschung bisher kaum als Bindeglied erkannt und dementsprechend wenig auf ihre Aussagekräftigkeit hin befragt wurde. Zur Beantwortung dieser Fragestellung verfolgt die vorliegende Untersuchung eine analytische Methodik, die eine präzise Beschreibung der Perspektiveformen in römischen Landschaftsbildern anstrebt und dabei notwendigerweise auf solchen Theorien basiert, die ein theoretische Fundament der Analyse zur Verfügung stellen können. Der Bezug auf theoretische Grundlagen der modernen Darstellenden Geometrie erschien hier zweckmäßig, als nur diese ein wissenschaftstheoretisch geeignetes Gerüst zur Einordnung, Klassifikation und Benennung perspektivischer Darstellungsmuster auch an antiken Bildwerken gewährleisten. Römische Landschaftsfresken aus drei Motivgruppen vom 1. Jh. v. Chr. bis ins 1. Jh. n. Chr. werden in einer chronologischen und ikonographischen Ordnung systematisiert und auf ihre perspektivischen Darstellungsmodi hin befragt. Ziel der Denkmäleranalyse ist es, vorherrschende Strukturen in den Formen perspektivischer Landschaftsdarstellung aufzufinden, um diese in den weiteren Kontext ihres mentalitätsgeschichtlichen Hintergrundes und die römische Darstellungstradition einzubetten. Diese Darstellungstradition besteht auf der einen Seite in der Entwicklung annähernd zentralperspektivischer Darstellungsformen während der hellenistischen und römischen Architekturmalerei, andererseits in der kartographischen Tradition der Antike. Damit sind zwei wichtige Eckpfeiler und Anschlusspunkte angesprochen, zwischen denen sich die Untersuchung bewegt.