Tetraevangelium des Ivan Aleksandar
Gospels of Ivan Aleksandar
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (20%); Philosophie, Ethik, Religion (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
-
EDITION,
CODICOLOGY,
GOSPELS,
TEXTOLOGY,
CHURCH SLAVONIC-BULGARIAN,
LITURGICS
Als eines der schönsten Zeugnisse der mittelalterlichen Buchkunst war das Tetraevangelium des Bulgarenzaren Johannes Alexander (Ivan Aleksandar) von 1356 (British Library London, Add. Ms. 39627) immer wieder Gegenstand von Untersuchungen und liegt nach phototypischen Darstellungen heute auch online in Farbwiedergabe vor. Während sich die Mehrzahl bisheriger Untersuchungen auf die Kunstgeschichte der illustrierten Handschrift konzentierte, wurden andere Probleme, die sie aufwirft, wenig oder gar nicht behandelt. Die vorliegende Erstausgabe mit ihren angehängten wissenschaftlichen Beiträgen soll daher den bisherigen Stand ergänzen und eine feste Grundlage für weitere Analysen bilden. Dass es solcher noch bedarf, zeigte ihre Vorbereitung. So wurden manche Fragen, besonders an die Entstehung des Kodex und seiner liturgischen Teile, erst jetzt gestellt, während andere, die schon als gelöst erschienen, sich als unrichtig formuliert oder beantwortet erwiesen. Nach Darstellung der Editionsprinzipien enthält der Editionsteil daher nicht nur den mit Schwarz-weiss-Reproduktionen der Miniaturen ausgestatteten kirchenslawischen Text der Evangelien, das Nachwort seines Hauptschreibers Simon, das sog. magische Diagramm mit dem Namen des Zaren und die später angefügten Anhänge zur Verwendung im Gottesdienst (Feste und Anweisungen für den unbeweglichen und beweglichen Jahreszyklus), sondern auch alle ursprünglichen und späteren Zusätze (wie Randzählung, liturgische Notizen, Einträge und Stempel). Im Begleitapparat werden solche Besonderheiten kommentiert, die sich nur bei eingehender Betrachtung des Originals erkennen bzw. nicht ohne eigene Analyse erschließen lassen. Der Untersuchungsteil umfasst 7 Abhandlungen(Autoren inKlammer): eine nachErscheinungsjahr geordnete Gesamtbibliographie mit Autorenindex (N. Ganceva) sowie Artikel zum äußeren Erscheinungsbild (E. Musakova, H. Miklas), den Portraits des Zaren (E. Bakalova), zur Textkritik des Evangeliums anhand seines Wortschatzes des (. Alberti) und der Stellung, die der Text innerhalb der kirchenslawischen Evangelientradition einnimmt (. Alberti, M. Garzaniti), dem liturgischen Apparat (T. Popova) und dessen Geschichte (E. Dogramadžieva). Hervorzuheben sind daraus die Erstcharakteristik der Nebenschreiber, die Neudatierung der von ihnen verfassten Zusätze mit dem letzten Drittel des 14. Jahrhunderts, die Zuordnung des Evangelientexts zu einem archaischen, nur aus bosnischen Abschriften bekannten Zweig sowie die Erstuntersuchung des liturgischen Apparats und seine Zuweisung an ein bulgarisches Provinzzentrum. Der Anhang bietet noch eine interpretative Übersicht aller Evangelienlesungen und Miniaturen (. Musakova) sowie Verzeichnisse der zitierten Handschriften und Frühdrucke (B. Mirceva) und der verwendeten Literatur (N. Ganceva). Da sich das Werk in erster Linie an ein slawistisches und bulgaristisches Publikum richtet, ist es bulgarisch und deutsch (Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Editionsprinzipien, Kapitelüberschriften und Zusammenfassung des Untersuchungsteils) gehalten. Der Einleitungs- und Textteil sowie die Redaktion des Bandes lagen in den Händen von T. Popova und H. Miklas, tatkräftig unterstützt von B. Mirceva, die auch die Übersetzung der italienischen Beiträge besorgte.
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