Attische Sarkophage aus Ephesos
Attic Sarcophagi from Ephesos
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (90%)
Keywords
-
Sarcophagi,
Asia Minor,
Attic Sarcophagi,
Turkey,
Ephesos,
Marble analysis
Der Band behandelt die in der römischen Kaiserzeit von Athen nach Ephesos in der römischen Provinz Kleinasien (Türkei) importierten, reliefgeschmückten sog. Attischen Sarkophage. Das Thema erwuchs aus dem von 20002006 vom FWF geförderten Projekt zu allen Sarkophagen aus Ephesos (Projektleiterin M. Aurenhammer, Mitarbeiterin M. Heinz). Aufgrund der Materialfülle wurde die Bearbeitung des Teilgebiets der attischen Sarkophage C. Kintrup übertragen und vom Österreichischen Archäologischen Institut finanziert. Ziel der Arbeit war die vollständige neue Dokumentation aller attischen Sarkophage und Fragmente aus Ephesos. Die Zahl der bekannten Exemplare aus Ephesos konnte auf 48 erhöht werden, auch dank der Funde aus den Projekten des Ephesos Museums in Selçuk (Türkei). An erster Stelle der Dokumentation stehen wegen ihrer Bedeutung die zwei Sarkophage aus dem Grabhaus der Claudia Antonia Tatiane aus der westlichen Begräbnisstätte (Nekropole) am Hafenkanal, welche Schlachtszenen oder einen Kampf zwischen Griechen und Amazonen zeigen. Die übrigen Sarkophage sind nach dem Thema der Reliefdarstellungen und der Sarkophagtypen geordnet. 9 Fragmente konnten anhand von Material, Bildhauerarbeit und Darstellungsmotiven einer lokalen Werkstatt zugeschrieben werden, die attische Sarkophage nachahmte. W. Prochaska (Montanuniversität Leoben) bestimmte die Marmore dieser Fragmente. Die Reliefs der attischen Sarkophage aus Ephesos zeigen die in den attischen Werkstätten bevorzugten Themen der griechischen Mythologie, dabei dominieren in Ephesos die Darstellungen aus der Welt des Dionysos und des Eros. Von besonderer Bedeutung ist der Amazonen-Sarkophag aus der Westnekropole, eines der Hauptstücke dieser Gattung. Die Reliefs des Sarkophags des hohen römischen Beamten Aristides aus dem Grabhaus seiner Schwester Tatiane und der genannte Amazonensarkophag zeigen eine dichte Folge von Figuren in mehreren Reliefebenen, was typisch für die Jahre um 200 n. Chr. ist. Der Achilles- Sarkophag, der im 19. Jh. in die Sammlung des Duke of Bedford nach Woburn Abbey gelangte, ist im 2. Viertel des 3. Jhs. n. Chr. entstanden. Hier treten die ruhigen Hauptfiguren zugunsten handelnder Nebenfiguren zurück. Der Hippolytos-Sarkophag aus der Westnekropole präsentiert sich als exzellente Arbeit später attischer Bildhauer. Die zwischen dem Ende des 2. Jhs. und dem 2. Drittel des 3. Jhs. entstandenen attischen Sarkophage aus Ephesos entsprechen der Chronologie der Produktion der attischen Sarkophag-Werkstätten mit dem Höhepunkt im 3. Jh. Ein singuläres Denkmal sind die Fragmente eines attischen Säulensarkophags aus Ephesos, ein Typus, der bisher nicht für attische Werkstätten bekannt war, aber charakteristisch für kleinasiatische ist. Offenbar war auch ein Austausch der Sarkophagtypen von Kleinasien nach Athen möglich. Die Verteilung der (bekannten) Fundorte der attischen und der lokal produzierten Sarkophage ist signifikant. Beinahe ein Dutzend Denkmäler stammt aus den Nekropolen, nur zwei Fragmente wurden im Stadtbereich gefunden. Der Großteil der Denkmäler wurde in byzantinischer Zeit in der Johannesbasilika und im Südtor der Befestigung dieses Areals verbaut.