Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (30%); Kunstwissenschaften (30%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (40%)
Keywords
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Collecting History,
Austrian history 1780-1835,
Cultural History,
Art History,
Franz I of Austria,
History Of Thought
Die Porträtsammlung des Kaisers Franz I. von Österreich (1768-1835) ist ein seltenes Beispiel einer fürstlichen Bildnissammlung, die noch in ihrer ursprünglichen, vom Kaiser persönlich konzipierten Aufstellung erhalten ist. Einerseits fest in der Tradition dynastischer Ahnengalerien verankert, spiegelt sie andererseits durch ihre thematische Breite unabhängig von Rang und Nation der Dargestellten das universale Bildungsideal der Aufklärung wider. Die Publikation möchte die historische Entwicklung dieses außerordentlichen Modells habsburgischer Sammelkultur erstmals in ihrer Gesamtheit untersuchen, sowie deren Positionierung im Umfeld vergleichbarer zeitgenössischer Sammlungen. Im Zentrum der Analyse stehen die Strategien des Kaisers zur Erwerbung und zur systematischen Ordnung der Porträts. Die Arbeit ist in drei leitende Forschungsfragestellungen aufgegliedert: Einflusssphären - Sammelstrategien - Ordnungsstrategien. Zunächst wird den Umständen der Formierung der Sammlung und der Entwicklung des späteren Kaisers als Sammler von Porträtgrafik nachgegangen. Der Frage nach den Ursachen ihrer planmäßigen Anlage kann sich durch Quellenmaterial aus seiner Jugendzeit in Florenz angenähert werden. Dort lassen sich verschiedenste Berührungspunkte mit Werken der Porträtgrafik aufzeigen, die in unterschiedlichem Maße Einfluss auf die Gründung der Sammlung gehabt haben. Die sammlungsgeschichtlichen Forschungen fördern zudem erstmals Kenntnisse über die Provenienz der Porträts zutage. Dabei stellen die Belege, die sich in den Kammerrechnungen des Kaisers erhalten haben, durch ihre detaillierte Aufstellung erworbener Blätter eine zentrale Quelle dar. Die Sammelpraxis wird über mehrere Phasen nachvollzogen und die Bedeutung beteiligter Akteure wie Agenten, Kunsthändler oder Künstler herausgearbeitet. Der Frage nach der Ordnung der Porträts und dem persönlichen Anteil des Kaisers an der systematischen Programmatik der Sammlung ist der dritte Teil der Arbeit gewidmet. Als Quelle eigenen Ranges dienen dabei die eigenhändig geführten Inventare und genealogischen Aufzeichnungen Franz I., die sich in der Österreichischen Nationalbibliothek erhalten haben. Anhand dieser können seine Konzepte der thematischen Ordnung der Porträts und deren historische Entwicklung aufgezeigt werden. Die Herausbildung der Systematik, die heute nach Dynastien, Ständen und Berufen vorliegt, wird anhand der eigenhändigen Systematisierungsansätze näher beleuchtet. Zeitgenössische Darstellungen privater Porträtsammlungen des 18. Jahrhunderts dienen zudem der Klärung, inwieweit sein methodisches Vorgehen einem allgemein vorherrschenden Klassifizierungsansatz folgte. Abschließend wird die Positionierung der kaiserlichen Sammlung aus vergleichender Perspektive untersucht. Anhand von anderen heute noch rekonstruierbaren fürstlichen Porträtsammlungen des 18. Jahrhunderts darunter erstmals vorgestellt jene des Prinzen Eugen von Savoyen, sowie des Bürgerkönigs Louis-Philippe I. von Frankreich soll die konzeptionelle Einordnung der Sammlung und ihre Abgrenzung zu vergleichbaren Kollektionen der Zeit analysiert werden. Spezifische Charakteristika der jeweiligen Ordnungsmodelle werden herausgearbeitet und einem Vergleich unterzogen. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwiefern sich fürstliche Konzepte für Anlage und Struktur von Porträtsammlungen bürgerlicher Gelehrter des 18. Jahrhunderts unterscheiden.