Die Mittelalterlichen Handschriften von Nonnberg / Salzburg
The Medieval Manuscripts of Nonnberg / Salzburg
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (15%); Geschichte, Archäologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (55%)
Keywords
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Documentation,
Catalogue of medieval manuscripts,
Medieval latin and german literature
In diesem Katalog werden erstmals die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente des Benedikti- nen-Frauenstifts Nonnberg in Salzburg der Forschung zugänglich gemacht. Die Bibliothek des Stifts, das im frühen 8. Jh. gegründet wurde, verfügt heute nur noch über einen kleinen Handschriftenfonds. Zwei Großbrände, zu Anfang des 11. Jhs. und im Jahr 1423, zerstörten die Klosteranlage und mit ihr den Großteil des Bücherschatzes. Weitere Verluste waren zu Beginn des 19. Jhs. hinzunehmen, als das Stift seine wertvollsten Handschriften an die Hofbibliothek in München, die Vorgängerin der Bayerischen Staatsbibliothek, abliefern musste. Ein weiterer empfindlicher Abgang war in der Zwischenkriegszeit zu verzeichnen, als aus wirtschaftlicher Notwendigkeit Handschriften verkauft wurden. Dergestalt dezimiert sind es heute 108 Handschriften und 125 Fragmente aus der Zeit vom frühen 9. bis zur Mitte des 16. Jhs., die in der Bibliothek verwahrt werden. Gemessen an den Beständen anderer Klosterbibliotheken ist der Anteil an Handschriften in lateinischer Sprache sehr klein. Es handelt sich dabei ausschließlich um liturgische Texte, die im Zusammenhang mit dem täglichen officium dei erforderlich waren. Voll- und Teilbreviere, Psalterien mit den Cantica, Litaneien, Totenoffizien und Benediktionen, Processionale, Antiphonare und Hymnare bestimmen das Bild. Die Fragmente stammen jedoch mit einer Ausnahme ausschließlich aus lateinischen Handschriften. Die Reformen des Tridentiner Konzils, die einen beträchtlichen Teil der vorhandenen liturgischen Bücher obsolet gemacht haben, waren vermutlich die Ursache dafür, dass diese zum Teil einer sekundären Verwendung zugeführt wurden. Dies belegt nicht zuletzt die besonders große Zahl von Fragmenten liturgischer Handschriften, die zerschnitten wurden und als Aktenmappen, Bucheinbände u. Ä. Verwendung fanden. Von den in deutscher Sprache geschriebenen Handschriften sind nur wenige, sehr umfangreiche Texte allein überliefert; zum überwiegenden Teil sind es Sammelhandschriften, die mehrere unterschiedliche Texte beinhalten. Gemeinsam ist allen die ausschließlich religiöse Thematik. Der Bogen spannt sich von Bibeltexten (Paulus-Briefe, Evangelienperikopen), Darstellungen vom Leben Jesu und seiner Passion, Heiligenlegenden und erbaulichen Geschichten über Regel-Auslegungen, Predigten, katechetischen und aszetischen Texten, Visionen und mystischen Texten zu Andachts- und Gebetbüchern. Anders als bei den heute in München und in amerikanischen Bibliotheken befindlichen Handschriften der Stiftsbibliothek handelt es sich bei den am Nonnberg verbliebenen Kodizes fast ausnahmslos um Gebrauchshandschriften ohne besonderen künstlerisch-repräsentativen Anspruch. In nur wenigen Handschriften wurde als Beschreibstoff Pergament verwendet. Der Buchschmuck beschränkt sich auf die für spätmittelalterliche Handschriften übliche Rubrizierung. In einigen kleinformatigen Gebets- und Andachtsbüchern finden sich gelegentlich qualitätvollere Miniaturen mit der Darstellung von Heiligen; in Handschriften des 16. Jhs. sind sie durch Holzschnitte und Stiche ersetzt.
- Universität Salzburg - 100%