Die Illuminierten Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke
the Illuminated Manuscripts, Incunabula and Early Prints
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (50%); Kunstwissenschaften (50%)
Keywords
-
Art History,
Incunabula,
Mediaeval History,
Book-Illumination,
Manuscripts,
Book-Production in the Middle Ages
Der Katalog Die illuminierten Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz: Handschriften und frühe Drucke 14401540. Teilband 1: Österreich, Passau, Italien, bearbeitet von Katharina Hranitzky, Michaela Schuller-Juckes und Susanne Rischpler unter Mitarbeit von Anna Reisenbichler, umfasst detaillierte und in die Tiefe gehende Beschreibungen von insgesamt 89 Handschriften und frühen Drucken der ehemaligen Linzer Studienbibliothek. Ausführliche Informationen über das äußere Erscheinungsbild der Bücher und Fragmente werden durch die Bestimmung ihres jeweiligen Textinhalts, eine möglichst präzise Rekonstruktion ihrer Herkunftsgeschichte, eine sorgfältige Beschreibung und Zuordnung ihrer Einbände sowie eine eingehende Analyse ihres Buchschmucks ergänzt. Die kunsthistorische Beurteilung der gemalten oder gezeichneten Initialen und Darstellungen, deren stilistische Eigenheiten beschrieben, verglichen und hergeleitet werden, stellt das Kernstück jedes Katalogtextes dar und bildet die Basis für die zeitliche und geographische Einordnung der Bücher. Bei gegenständlichen Darstellungen werden auch die jeweiligen Sujets und Motive ausführlich behandelt. Die formalen Merkmale bestimmter Werkgruppen und die Entwicklung der Buchmalerei in bestimmten Zentren sind zusätzlich in einleitenden Texten anschaulich zusammengefasst. Bei rund 80% des katalogisierten Bestandes handelt es sich um gedruckte Bände; nur 16 Objekte wurden von Hand geschrieben. Dieses Verhältnis spiegelt die Entwicklung der Buchproduktion in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wieder, einer Zeit, in der gedruckte, in höheren Auflagen erscheinende Bücher die handgeschriebenen Einzelwerke zunehmend verdrängten. Die in die Tiefe gehende Behandlung der Druckwerke stellt eine wesentliche Neuerung gegenüber den bereits erschienenen Katalogbänden zu den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek und der Universitätsbibliothek Graz dar. Die gemeinsame Darstellung der beiden Buchgattungen ermöglicht es, die engen Parallelen aufzuzeigen, die sie hinsichtlich ihrer Ausstattung aufweisen; tatsächlich wurden die gedruckten Bücher zunächst in ganz ähnlicher Weise, ja oft sogar von denselben Künstlern, ausgeschmückt wie die Handschriften. So kann ein dichtes Bild der Entwicklung der spätmittelalterlichen Buchmalerei vor allen in Österreich und den Nachbarlandschaften gezeichnet werden. Dazu trägt insbesondere auch die Beschreibung der Bände bei, die aus den Bibliotheken der wichtigsten aufgehobenen oberösterreichischen Klöster stammen oder nach Passau lokalisiert werden können. Erstaunlich ist, dass in der Linzer Sammlung trotz ihres vor allem im Vergleich zu den gewaltigen Wiener Beständen nicht sehr großen Umfangs doch fast alle namhaften professionellen Buchmaler vertreten sind, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Österreich und Süddeutschland tätig waren. Der Linzer Katalog, der in zwei Teilbänden erscheinen wird, kann mit zahlreichen Neuzuschreibungen, Werkgruppierungen und Erkenntnissen über die Werkstattpraxis der Buchmaler aufwarten und leistet somit einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung der Buchkunst und Buchproduktion des Mittelalters in Oberösterreich, Österreich und Europa. Nicht zuletzt wirft er ein ganz neues Licht auf die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bestände der Bibliothek, für die er ein wertvolles Arbeitsinstrument darstellen wird.
- Universität Wien - 100%