Weiterbildungswiderstand negativ-dialektisch lesen
Reading resistance to education negative-dialectically
Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (75%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Soziologie (5%)
Keywords
-
Adult Education,
Critical Theory,
Resistance To Education,
Negative Dialectics,
Theory Construction
Lebenslanges Lernen scheint in Europa und in Österreich eine Selbstverständlichkeit geworden zu sein. Sowohl von Seiten der Bildungspolitik, der Interessenvertretungen und der Weiterbil- dungseinrichtungen als auch von großen Bereichen der Weiterbildungsforschung wird die öko- nomische Notwendigkeit ständigen Weiterlernens betont. Trotz steigender Weiterbildungszahlen gibt es aber eine große Zahl an Menschen, die sich kaum in Weiterbildungskurse begeben, die außerhalb von Kursen wenig Lernaktivität zeigen oder die in Weiterbildungsveranstaltungen ablehnend reagieren. Häufig liegt der Grund dafür in Benachteiligungen oder anderen nachteili- gen Voraussetzungen. Manche Nicht-Teilnahme und manches abwehrende Verhalten in Weiter- bildungen kann aber auch als Widerstand verstanden werden. Forschungen zeigen: Es gibt gute Gründe, sich zu verweigern und diese Gründe können sinnvoll und vernünftig sein. Im Buch Weiterbildungswiderstand negativ-dialektisch lesen. Fragmente einer kritischen Theo- rie der Verweigerung wird thematisiert, dass Weiterbildungswiderstand bislang sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Wissenschaft und der Weiterbildungspraxis kaum aufgegriffen wird. Das Buch verfolgt das Anliegen, die wenigen vorhandenen Studien zu diesem Themenbe- reich zusammenzuführen und mit Widerstandsforschungen und -theorien in anderen Wissen- schaftsbereichen zu verknüpfen, um daraus eine Theorie von Weiterbildungswiderstand zu ent- wickeln. Gewählt wird eine gesellschaftskritische Perspektive. Insbesondere die von Adorno ausgearbeitete negative Dialektik prägt wesentlich das Denken und die Vorgehensweise. Da weder für negativ-dialektisches Denken noch für Theorieentwicklung insgesamt eigene wis- senschaftliche Methoden vorliegen, wird in diesem Buch zunächst eine Methode ausgearbeitet, die zeigt, wie das sehr komplexe negativ-dialektische Denken erfolgen kann. Zentral sind dabei zum Beispiel, Widersprüchlichkeiten sichtbar zu machen und zu zeigen, dass sie unvermeidbarer Bestandteil der aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse sind. Die entwickelte Methode dient als Denkleitfaden für die folgende Theorieentwicklung. Aus Widerstandsforschungen in Bildungs- zusammenhängen und aus Widerstandsstudien und -theorien in anderen Wissenschaftsfeldern werden jene Elemente herausgefiltert, die sich zu einer Theorie von Weiterbildungswiderstand zusammenführen lassen. Es wird unter anderem herausgearbeitet, dass Weiterbildungswider- stand als Negation von lebenslangem Lernen verstanden werden kann, welche unterschiedlichen Interessen sich hierbei gegenüberstehen oder warum Weiterbildungswiderstand eher in un- scheinbaren Formen auftritt. Dieses Buch greift somit ein bislang kaum beleuchtetes Themenfeld auf. Es diskutiert Weiterbil- dung nicht nur kritisch, sondern legt den Fokus auf bereits vorhandene und weiter entwickelbare Gegen-Handlungen, um dem Weiterbildungszwang und der vorherrschenden Nützlichkeitsori- entierung entgegenzutreten. Weiterbildungswiderstand wird als relevantes Handeln sichtbar gemacht, vor allem aber wird theoretisch ergründet, welche gesellschaftlichen und individuellen Gründe hinter diesem Widerstand liegen können und welche Bedeutung er aus gesellschaftskri- tischer Sicht haben kann. Das Buch liefert einen Beitrag für eine Entwicklung kritischer wissen- schaftlicher Methoden und erste Ansatzpunkte, Weiterbildungswiderstand und seine gesell- schaftliche Bedeutung in seiner Komplexität zu verstehen.
- Universität Graz - 100%