Umgang mit religiöser Differenz in Kindergärten
Religious diversity in kindergartens
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (20%); Philosophie, Ethik, Religion (80%)
Keywords
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Religious Diversity,
Childhood Research,
Interreligious Education,
Ethnographic Research,
Kindergarten,
Religious Sensitivity
Das Forschungsprojekt, das von 2012 bis 2015 durchgeführt wurde, beschäftigt sich mit der Frage, wie in einem Kindergarten in katholischer und einem Kindergarten in islamischer Trägerschaft in Wien mit religiöser Differenz umgegangen wird und wie Kinder diese thematisieren. Der explorativen Arbeit liegt ein ethnographischer Zugang zu Grunde, wobei die Methoden der Teilnehmenden Beobachtung, Expertinnen- und Experteninterviews mit den Leitungen der Kindergärten sowie Gruppendiskussionen mit den Kindern und den Pädagoginnen durchgeführt wurden. Anhand der konzeptuellen Überlegungen zu Religion und religiöser Differenz, der erkennbaren Elemente religiöser Differenz und der verbalen Kommunikation über religiöse Differenz wird deutlich, dass im Kindergarten die größere Religion, die zugleich die Religion der jeweiligen Trägerschaft ist, dominiert und kleineren Religionen wenig Anerkennung zukommt. Bei der Thematisierung religiöser Differenz durch die Kinder zeigt sich mit Blick auf das Interesse an religiöser Differenz, auf die Frage der Zugehörigkeit und auf den Umgang mit Meinungsverschiedenheiten, dass Kinder auf Grund verschiedener religiöser Ausdrucksformen religiöse Differenz bemerken, sich die Kommunikation über diese zwischen Kindern der größeren Religion und der kleineren Religionen im jeweiligen Kindergarten unterscheidet. In den Kindergärten zeigt sich auf Grund der Dominanz der jeweils größeren Religion und der geringen Anerkennung der kleineren Religionen eine organisationale Benachteiligung der Kinder der kleineren Religionen. Kindern der größeren Religionen werden verglichen mit Kindern der kleineren Religionen unterschiedliche Möglichkeiten der Zugehörigkeit und der religiösen Bildung zur Verfügung gestellt. Die Einrichtungen stellen, insbesondere wenn die Kinder der kleineren Religion angehören, keinen Artikulationsraum zur Verfügung, sich ehrlich zu der von ihnen erlebten Differenz zu äußern und sie zu bearbeiten. Im abschließenden Plädoyer wird überlegt, wie dieser Benachteiligung in elementaren Bildungseinrichtungen auf sensible Weise begegnet und zu einer Kultur der Anerkennung religiöser Differenz beigetragen werden könnte. Die dafür erforderliche Entwicklung elementarer Bildungseinrichtungen wird in Rückgriff auf Schulentwicklungsprozesse unter den Perspektiven der Organisations-, Personal- und Bildungsangebotsentwicklung in den Blick genommen.