Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
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European Music,
Instrumentation Of Sound,
Multipart Music Practices,
Instrumentalization Of Sound,
Music Making As Behaviour,
Tradition And Revial
Die Instrumentation des Klanges ist ein fester Bestandteil des Musikmachens in lokalen Musikpraktiken. Ihr kommt in der Gestaltung und Wahrnehmung jener Klänge, die den Ausführenden und ihren Gemein- schaften vertraut sind, eine entscheidende Rolle zu. Dieser Prozess ist besonders kennzeichnend für Traditionen mehrstimmiger Musik. Sie sind als eine spezifische Art des Musikmachens und des emotio- nalen Verhaltens zu verstehen in denen durch die bewusst ausgeprägte und abgestimmte Teilnahme in der Aufführung Wissen vermittelt und Werte gestaltet werden. Mehrstimmige Musiktraditionen sind trotz bisheriger intensiver Forschung kaum aus der Sicht der Klanginstrumentation untersucht worden. Der Gesamtklang eines Ensembles, der vom gleichzeitigen Erklingen mehrerer Instrumente und/oder menschlicher Stimmen gebildet wird, unterscheidet sich vom Klang jedes einzelnen Ensemblemitglieds. Die Bildung und Wahrnehmung dieser zwei unterschiedlichen Klangarten ist daher getrennt zu untersuchen, auch im Hinblick auf die Rolle der Ausführenden und ihrer Gemeinschaften im Zuge seiner Entstehungsprozesse. Diese Perspektive führt unweigerlich zu Fragen der Instrumentalisierung des Klanges. Besonders wichtig für die drei Hauptthemen dieser Forschung wurden Konzepte der Klangbildung und wahrnehmung bezogen auf die Kreativität und Interaktion von Individuen innerhalb einer Gruppe. Klang und Gesellschaft ermöglichte die Konzentration auf das Entstehen mehrstimmiger Musik als Kommuni- kation, auf Klangsymbole und landschaften als Identifikatoren des kulturellen Ausdrucks, auf Territori- en des Singens, die musikalische Logik und Selbstpräsentationsstrategien der Ausführenden sowie auf Amalgam, als Verbindung zwischen Erhalt individueller Unverwechselbarkeit und gegenseitiger Annähe- rung. Bei Aufführung als Instrumentation wurden Besonderheiten der musikalischen Stimmung als Markenzeichen einer Gemeinschaft, Zyklizität, Bordun und Harmonie, schmutziges Spiel als zufälli- ge musikalische Stimmen, die zur Entstehung unbeabsichtigter Klangstrukturen beitragen, der Einfluss geistlicher auf weltliche Musik wie auch Fragen zum Auralen und Visuellen in der Klangbildung erkun- det. Danach folgten Untersuchungen zu Tradition, Revival, Praxis und Überlegungen zu Politiken der Instrumentation in Revivals europäischer Volksmusik und in der Volksmusikpflege. Die Ergebnisse zeigen, dass die Instrumentation und die Instrumentalisierung des Klanges einen wesent- lichen Einfluss auf die Alltagspraxis der jeweiligen Gemeinschaften ausüben. Die mächtige Allegorie der Pilgerreise wurde in diesem Zusammenhang maßgeblich. Der allegorische Pfad des Pilgers gestaltet die musikalische Komplexität mehrstimmiger Musik, die der lokalen Gemeinschaft der Gläubigen die Bedeutung verleiht um die Universalität geistlicher Musik ertönen zu lassen.