Barocke Tischlerarbeiten in österreichischen Sakralbauten
Baroque furnishings in Austrian churches
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (40%); Kunstwissenschaften (60%)
Keywords
-
Applied arts,
Church furnishings,
Furniture,
Baroque,
Cultural history
In Deutschland, Frankreich und Italien gibt es eine ganze Reihe von Fachpublikationen zum Mobiliar des 17. und 18. Jahrhunderts, hierzulande ist das anders. Zu solchen Tischlerarbeiten existieren zwar einige ältere Beiträge, doch möchten und können sie über das hiesige Barockmobiliar in seiner Gesamtheit keinen allgemeinen Überblick bieten. Eine entsprechende Studie gilt daher als Desiderat der kunsthistorischen Forschung. Um ein Grundgerüst gesicherter Referenzdaten zu erstellen, muss eine diesbezügliche Untersuchung von einer flächendeckenden Aufarbeitung sakraler Tischlerausstattungen mit nachgewiesener Datierung und Provenienz ausgehen. Ein langjähriges, vom FWF finanziertes Forschungsprojekt gestattet diese Vorgehensweise. Wegen des großen Bestandes an erhaltenem Mobiliar teilte ich die Studie in zwei Bücher: Für den ersten Band, der nun in Form eines druckfertigen Manuskriptes vorliegt, bearbeitete ich Tischlererzeugnisse aus vierzig Klöstern und Weltkirchen in den östlichen Regionen Österreichs. Das Manuskript besteht aus drei Teilen: Im ersten liefere ich nötige Grundlagen zum Verständnis der Studie. Erinnert wird an die allgemeine Situation der Kirchen und Klöster nach Konfessionskriegen und den Kriegen gegen die Osmanen sowie an die rege Bautätigkeit, die im späten 17. Jahrhundert im Osten des Landes einsetzte. In Verbindung damit gehe ich auf Auftraggeber, Stiftstischlereien sowie zünftige Handwerksbetriebe ein und erläutere die selbst unter Experten weitgehend unbekannte Geschichte der Kirchenausstattungen. Schließlich umreiße ich hier zusammenfassend die stilistische Entwicklung der Möbel, die sich aus der im nächsten Teil des Buches folgenden Bewertung der Inventarstücke ergibt. In sich abgeschlossene Kapitel handeln im zweiten Abschnitt von den einzelnen Sakralanlagen, beginnend jeweils mit der Nennung relevanter Eckdaten, um dann das Mobiliar zu beschreiben, das so in einen zeitlichen Rahmen eingeordnet werden kann. Die Analyse der Möbel beinhaltet technische Angaben und eine Diskussion der jeweiligen stilistischen Auffälligkeiten. Der dritte Teil des Buches enthält Register und eine umfassende Bibliographie. Das Buch, dessen zeitlicher Bogen vom frühen 17. bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert reicht, umfasst rund 730 Manuskriptseiten und 400 Abbildungen. In erster Linie nahm ich sakrale Möbel auf, daneben aber auch Ausstattungsstücke aus Sakristeien, Schatzkammern, Bibliotheken und Refektorien. Damit bietet es eine ausgezeichnete Basis für weiterführende Untersuchungen im sakralen und profanen Bereich. Dank der Studie kann nunmehr das Mobiliar aus dem Osten des Landes von Möbeln aus den westlichen und südlichen Bundesländern unterschieden werden, außerdem ist eine präzise Datierung möglich. Schriftquellen und Stilkritik untermauern bereits bestehende Zuschreibungen von Möbelentwürfen an bestimmte Künstler, zugleich stellt das Buch neue Attributionen zur Diskussion. Schließlich findet sich darin ein Beitrag zur Frage der Migrationsbewegungen von Künstlern und Handwerkern, ein Themengebiet, das seit einiger Zeit im Fokus internationaler Forschung steht.
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