Brandbestattungen von der mittleren Donau bis zur Ägäis
Cremation Burials in the Region between the middle Danube...
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (30%); Biologie (10%); Geschichte, Archäologie (60%)
Keywords
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Urnfield culture,
Cremation Burial,
Late Bronze Age,
Central Europe,
Balkan peninsula,
Greece
Im 13. Jahrhundert v. Chr. fand in weiten Teilen Mitteleuropas eine radikale Veränderung der Grabsitten statt. Die Toten wurden nicht mehr, wie bis dahin üblich, in Erdgräbern bestattet, sondern verbrannt und in Urnen beigesetzt. Diese charakteristische Bestattungsweise wurde namengebend für die sie praktizierende Urnenfelderkultur. Es ist wahrscheinlich, dass sich hinter dem Wandel des Begräbnisrituals weitreichende Veränderungen der Gesellschaft und der religiösen Vorstellungen verbergen, ohne dass es uns möglich wäre, diese im Einzelnen zu benennen. Fest steht jedenfalls, dass die Urnenfelderkultur eine gewaltige Dynamik entfaltete und sich von ihrem mitteleuropäischen Ursprungsgebiet bis nach Westeuropa, Italien und in den Balkanraum ausbreitete. Selbst in Griechenland gibt es Hinweise auf Einflüsse aus dem Bereich der Urnenfelderkultur. Es ist sogar möglich, dass aus dem Bereich der Urnenfelderkultur stammende Volksgruppen zu den Seevölkern gehörten, die im 12. Jahrhundert v. Chr. viele Küstenstädte im östlichen Mittelmeerraum zerstörten und erst vom ägyptischen Pharao Ramses III. besiegt werden konnten. Der Urnenfelderkultur kommt damit eine nahezu weltgeschichtliche Bedeutung zu, die das große Interesse an ihrer Erforschung verständlich macht. Noch sind jedoch keineswegs alle Fragen geklärt, insbesondere in Zusammenhang mit ihrer schnellen und weiträumigen Ausdehnung. Mit den vorliegenden Kongressakten wird angestrebt, einen Beitrag zur Lösung dieser Probleme zu leisten. Der Band hat somit eine klar definierte wissenschaftliche Fokussierung. Zur Klärung der Frage nach Kontakten und wechselseitigen Einflüssen zwischen den verschiedenen, im Einflussbereich der Urnenfelderkultur liegenden Regionen Mittel- und Südosteuropas werden sowohl überregionale Gemeinsamkeiten als auch lokale Eigenheiten diskutiert. Dabei werden der Durchführung der Bestattungen und dem Bestattungsritual besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Diese wichtigen Aspekte standen bisher nicht im Fokus der Forschung. Um zu einem besseren Verständnis dieser Vorgänge zu gelangen, kommen nicht nur Archäologen, sondern auch Anthropologen zu Wort. Es kann als großer Erfolg gewertet werden, dass es gelungen ist, Beiträge führender Wissenschaftler aus Ungarn, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Serbien, Griechenland und Österreich in vorliegendem Band zu vereinigen.