Gründerinnen u. Stifterinnen in Byzanz u. bei seinen Nachbarn
Female Founders in Byzantium and Beyond
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Soziologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
-
Byzantium,
Patronage,
Founding,
Gender,
Donation,
Women
Im Mittelpunkt des vorliegenden Bandes steht die Patronage im byzantinischen Reich und in den von ihm beeinflussten Nachbarstaaten. Die Betrachtung erfolgt bewusst aus geschlechtsspezifischer Perspektive. Obwohl seit den 1980ger Jahren vermehrt genderorientierte Forschung im Fach existiert, fehlt bisher noch weitgehend der vergleichende Blick und damit die Konzentration auf die Frage nach dem rechtlichen und ökonomischen Potential, welches Frauen in Byzanz einsetzen konnten. In diesem Band sind nun vertiefende Studien und neueste Forschungsergebnisse zu der Thematik zusammengetragen. Die Erkenntnisse wurden erstmals vorgetragen bei dem Colloquium zu "Female Founders in Byzantium and Beyond", welches im September 2008 in Wien am Institut für Kunstgeschichte stattfand. Nach Überarbeitung der 40 Beiträge liegen hier nun 29 Aufsätze vor, die erfolgreich einen peer-review-Prozess durchlaufen haben. Diese Aufsätze befassen sich mit dem gesamten Bereich der Gründung und Stiftung von Klöstern, Kirchenbauten, bildlichen Ausstattungsprogrammen von Sakralräumen , ebenso mit den Stiftungen von einzelnen Ausstattungsstücken in Kirchen, Ikonen, Handschriften, Preziosen aus besonders kostbaren Materialien wie Elfenbein, Gold oder Edelsteinen. Der Band widmet sich darüber hinaus erstmals auch den vielen kleineren Stiftungen wie den Gaben von Brot oder Licht, ohne die weder die Gesellschaft als Ganze noch die Kirche als ein Teil von ihr hätten existieren können. In den Beiträgen wird aber auch das wechselseitige Verhältnis von Geben und Nehmen innerhalb des weiten Bereiches der Patronage untersucht, wie es schon vor zwanzig Jahren von Rico Franses vorgeschlagen wurde: Neugründung und erneuerte Gründung , Spende und Stiftung, eben alle Aspekte, die im Spannungsfeld von Philanthropie und Euergetismus liegen. Es werden nun aber auch die Unterschiede berücksichtigt, die beispielsweise zwischen Kunst- und Literaturstiftung, Kloster und weltlicher Kirche, oder auch zwischen säkularem und profanem Bereich liegen. Alle möglichen Hinweise auf den jeweiligen Anlaß einer Stiftung werden untersucht, vor allem aber auch der Frage nachgegangen, wie weit wir aufgrund schriftlicher oder bildlicher Dokumentation, durch Widmungen in Inschriften, durch Porträts, aber auch durch Monogramme und Epigramme Erkenntnisse über die Stifterpersönlichkeiten und ihre Beweggründe eruieren können. Vor allem aber geht es bei den Beiträgen um die Rolle der Frauen bei der Patronage, oder, wie es Leslie Brubaker treffender formulierte, um den besonderen Charakter der "Matronage". Der fragliche Untersuchungszeitraum ist weit gespannt, er liegt zwischen dem 5. Jh. v. Chr. und dem 15. Jh. n. Chr. Auch geographisch sind die Untersuchungen weit gestreut, so werden Länder und Orte wie Rom, Ägypten, Palästina, Kappadokien, Berg Athos, Skyros, Rus, Makedonien, Zeta, Thessalonike und natürlich Konstantinopel behandelt. Und nicht zuletzt spielen auch Objekte eine Rolle, die ihren Weg nach Wien gefunden haben. Die im vorliegenden Band zusammengetragenen Aufsätze umfassen mit Einführung und Schlußfolgerung 420 Seiten. Sie stammen von Forscherinnen und Forschern aus 12 Ländern, eine annotierte Bibliographie zu Frauen in Byzanz, eine Liste der Autorinnen und Autoren, ein Orts- und ein Personenindex bereichern den Band abschließend.