Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien, Band 2
The Imperial Picture Gallery in Vienna, Vol. 2
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (50%)
Keywords
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Vienna,
Art History,
History Of The Early Art Museum,
Display Of Art,
Collecting,
Museology
Gegenstand der vorliegenden Publikation ist die für Europa richtungsweisende Neuorganisation der kaiserlichen Gemäldegalerie in Wien in der Zeit um 1800. In dieser kunst- und kulturhistorisch so wichtigen Schwellenzeit hat die Gemäldegalerie in ihrer Funktion, inneren Struktur und Präsentation einen Wandel durchgemacht, der in seiner Art exemplarisch ist: Die höfische Galerie wurde in ein öffentliches Kunstmuseum transformiert und nach kunsthistorischen Prinzipien im Schloss Belvedere neu aufgestellt. Die vorliegende zweibändige Publikation versammelt aktuelle Beiträge zur Erforschung und Interpretation des angedeuteten museumsgeschichtlichen Umbruchs. Der Schwerpunkt der Untersuchungen liegt chronologisch in der Zeit um 1800, geographisch in Wien. Das vom Basler Kunsthändler Christian von Mechel in dieser Stadt realisierte Museumskonzept wird nicht als isoliertes Beispiel betrachtet, sondern als Moment in einem komplexen historischen Prozess, in den unterschiedliche Akteure und Medien involviert waren. Um das Exemplarische, aber auch Eigentümliche der Entwicklungen in Wien zu erfassen, war es notwendig, den Blick immer wieder auf andere Schauplätze zum Beispiel nach Düsseldorf, Paris, Florenz und Berlin zu richten. Ebenso galt es, den um 1780 vollzogenen museumsgeschichtlichen Umbruch in größere historische Zusammenhänge zu stellen. Sowohl die Sammlungskulturen der Vormoderne wie auch bestimmte Neuerungen des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart sollten im Auge behalten werden und sind daher durch einschlägige Beiträge vertreten. Im Einzelnen sind die zwei Bände folgendermaßen aufgebaut: In Band 1 wird der Versuch unternommen, die Situation der kaiserlichen Galerie in Wien in der Zeit um 1800 zu dokumentieren, zu rekonstruieren und im Hinblick auf einige ihrer kunst- und kulturgeschichtlichen Implikationen zu befragen. Auf Aufsätze und Archivalien folgt eine Visualisierung von 22 Galerieräume im Belvedere gemäß den Angaben des Mechelschen Katalogs von 1783. In Band 2 wird jene Erweiterung des historischen Blickwinkels vollzogen, die notwendig ist, um die historische Signifikanz der in Wien so früh durchgesetzten Neuerungen ermessen zu können. Generell knüpfte man an Konzepte an, die an anderen Orten bereits ansatzweise entwickelt, aber nicht konsequent umgesetzt worden waren. Gleichzeitig mit den Neuerungen in Wien entstand eine museologische Debatte, die ihrerseits auf nachfolgende Neuaufstellungen von Sammlungen oder Neugründungen von Museen in ganz Europa Einfluss hatte. Die Rekonstruktion dieser Prozesse bietet Anhaltspunkte zur Beurteilung eines gegenwärtig zu beobachtenden museumsgeschichtlichen Umbruchs.