Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
Authorship,
Paratext,
Contemporary literature
Abstract
Als Paratexte bezeichnet man in der Literaturwissenschaft all jene Texte, die nicht zum eigentlichen
Werk bzw. zum Haupttext gehören, diesen aber begleiten und vom selben Autor / von derselben
Autorin stammen somit auktorial sind bzw. in seinem oder ihrem Sinne formuliert wurden. Bei
Texten in Buchform gehören dazu beispielsweise das Vorwort oder der Klappentext, aber auch
Interviews, die mit dem Autor oder der Autorin aus Anlass einer Neuerscheinung geführt werden.
Oder Dankesreden, die Autor:innen halten, wenn sie einen Literaturpreis für ein einzelnes Werk oder
das Gesamtwerk erhalten. Im ersten Fall, also bei Texten, die mit dem Werk zeitlich und räumlich
unmittelbar verbunden sind, spricht man von Peritexten. Im zweiten Fall, also bei Texten, die in
größerer räumlicher und zeitlicher Entfernung zum Werk erscheinen, sich aber dennoch darauf
beziehen, spricht man von Epitexten. Wir haben uns in dem Sammelband mit den vielfältigen
Facetten der zweiten Variante von Paratexten beschäftigt, also mit auktorialen Epitexten. Sie
nehmen, und das zeigt der Band an verschiedenen Beispielen, im gegenwärtigen Literaturbetrieb
eine immer höheren Stellenwert ein, ganz gleich, ob es sich um Selbstkommentare bei Lesungen
oder Reden bei Literaturpreisverleihungen handelt, um Interviews oder Poetik-Vorlesungen. Die
verschiedenen Beiträge ließen sich von folgender Fragestellung leiten: Wie entwickeln sich im
deutschsprachigen Raum seit der Jahrtausendwende welche Formen und Funktionen auktorialer
Epitexte in einem professionalisierten literarischen Feld mit veränderten medialen Bedingungen?
Welche Möglichkeiten bieten sie der Inszenierung und Rolle von Autorschaft sowie der Verbindung
von Autor:in und Werk? Diesen Fragen widmen sich die im Band versammelten Beiträge mit Blick auf
das dynamische Verhältnis zwischen (Gesamt-)Werk, Autorschaft und Paratext, wie es sich
insbesondere in Epitexten artikuliert. Dabei werden Bedeutung und Facetten des
Epitextualitätsbegriffs im Allgemeinen sowie entlang der spezifischen Erscheinungsformen
unterschiedlicher Epitexte beleuchtet.