Feministischer Aktivismus, Reisen und Übersetzung um 1900
Feminist Activism, Travel and Translation around 1900
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)
Keywords
-
Feminism,
Translation,
Travel,
Journalism,
Gender,
Civil Society
Das Recht zu wählen, gleiche Bildungs- und Berufszugänge, Schutz vor Ausbeutung das waren einige der Forderungen der um 1900 in vielen Ländern entstehenden Frauenbewegungen. Eine große Zahl von Frauen unterschiedlicher Bevölkerungsschichten beteiligten sich daran. Dieses Buch untersucht, wie sich das Wissen und die Ideen dieser Bewegungen über Länder- und Sprachgrenzen hinweg verbreiten konnten. Welche Wege fanden die Aktivistinnen, sich über Konzepte, Argumente und Strategien auszutauschen? Drei bislang in der Frauenbewegungsgeschichte wenig thematisierte transnationale Vermittlungsformen stehen im Zentrum der Untersuchung: Reisen, Übersetzung und Journalismus. Anknüpfend an Fragen der Übersetzungswissenschaften, der transnationalen Begriffsgeschichte, der kulturwissenschaftlichen Reiseforschung und der Mediengeschichte entwickelt diese Studie damit neue Blickwinkel auf Frauenbewegungen um 1900. Sie zeigt auf, wie intensiv Frauenbewegungen im transatlantischen Raum miteinander in Verbindung standen auch dann, wenn ihr Selbstverständnis sich auf ihr eigenes Land bezog und sie in der Folge vor allem in nationalgeschichtlichen Kontexten erinnert wurden. Das Projekt plädiert für eine konsequent transnationale Perspektive auf soziale und politische Bewegungen, um nationalgeschichtliche Fragebeschränkungen und methodischen Nationalismus zu überwinden. Zu dokumentieren gilt es Austauschbeziehungen, Netzwerke und gegenseitige Einflüsse, aber auch Hierarchien zwischen Staaten und Gesellschaften, die auch in den Beziehungen zwischen Frauenbewegungen zum Ausdruck kamen. In einer biographischen Fallstudie zu der ebenso vielseitigen wie streitbaren Frauenrechtskämpferin Käthe Schirmacher (1865 1930), wird nicht nur die Bedeutung von Sprachkenntnissen und interkulturellen Kompetenzen sichtbar, es wird auch nachvollziehbar, welch transnationale Leben viele Aktivistinnen führten. Am Beispiel von Publikationsprojekten in mehreren Sprachen u.a. zu den Wahlrechtskämpfen in verschiedenen Ländern zeigt die Studie, dass nicht nur Information und Wissen, sondern auch neu entwickelte Konzepte (z.B. feminismé feminism Feminismus) zwischen den Sprachen zirkulierten. Sie erhielten beim Wechsel in neuen Umgebungen freilich nicht selten neue Bedeutungen, die es nachzuzeichnen gilt. Die Auseinandersetzung mit Vortrags-, Studien- und Konferenzreisen von Käthe Schirmacher belegen nicht nur die Bedeutung intensiver Reisetätigkeit für Frauenbewegungen um 1900, sondern auch die nicht immer einfachen ökonomischen Hintergründe solcher Reisen und die schwierige Balance zwischen Leben für die Bewegung und Leben von der Bewegung. Die Auseinandersetzung mit dem Journalismus im Umfeld von Frauenbewegungen dokumentiert schließlich nicht nur das große öffentliche Interesse an Fragen der Frauenbewegung, sondern zeigt auch auf, wie eng Zeitschriften der Bewegung etwa durch Austauschabonnements und Korrespondentinnenberichte miteinander vernetzt waren.