Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (90%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (10%)
Keywords
Cadastre Austrian-Silesia Habsburg-Monarchy Land-R
Abstract
Der Franziszeische Grundsteuerkataster steht für den erfolgreichen Versuch, die von der
Habsburgermonarchie umfassten Länder Mitteleuropas zu einem einheitlichen Rechtsraum im
Hinblick auf Bodenbewertung und Steuerwesen zusammenzufassen. Es handelt sich dabei um eine
der bedeutendsten, bis heute weithin sichtbaren aber bislang oftmals unterschätzten Leistung dieses
Staates, der sich 1918 im Gefolge des Ersten Weltkrieges auflöste.
Neben ebenso kunstvoll wie detailgenauen Karten zählt das erhaltene Schriftgut des Katasters als
unerlässliche Quelle für eine ganze Bandbreite an sozial- wie wirtschaftshistorischen
Fragestellungen. Gilt etwa die zeitlich vorausgehende Franziszeische Landesaufnahme (M
1:28.800) als Eckstein zur Schaffung einer wirtschaftlichen und administrativen Großregion, so ist
der ab 1817 einsetzende Kataster (M 1:2880) hingegen als Meilenstein des modernen Staatswesens
zu interpretieren. Beide Erhebungen stehen in einer engen strukturell-inhaltlichen Beziehung
zueinander, auch wenn die Detailgenauigkeit aufgrund unterschiedlicher Maßstäbe deutlich
voneinander abweicht.
Beginnend mit 2008 hat sich eine Arbeitsgruppe an den Universitäten Innsbruck und Klagenfurt
zum Ziel gesetzt, den Franziszeischen Kataster der ehemals österreichischen Kronländer
wissenschaftlich zu edieren. Auf Basis der bereits erschienenen Arbeiten zu Kärnten (2013) und
der Bukowina (2015) liegt nunmehr auch die entsprechende Edition für Österreichisch-Schlesien
vor. Mit Hilfe einer erprobten Methodik wird diese wichtige Quelle eines heute zwischen der
tschechischen und polnischen Republik geteilten Gebietes wissenschaftlich kommentiert
erstmals systematisch aufbereitet, erschlossen und für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
An der Umsetzung waren neben dem Projektleiter und Herausgeber Kurt Scharr (Innsbruck) auch
Gerhard Siegl (Innsbruck), Walter Liebhart (Klagenfurt) und Heinz Pohl (Klagenfurt) beteiligt.
Renommierte KollegInnen wie Werner Drobesch (Klagenfurt), Ilona und Jir Peterka (Opava)
sowie Adam S. Czartoryski (Rzeszow) konnten für die einleitenden Beiträge gewonnen werden.