Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Kunstwissenschaften (60%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
Theatre,
Theatre History,
Jewish Culture,
Vienna 1900,
Performance,
Belonging
Abstract
Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, welche Funktion Theater für die Lebenswirklichkeit
von Juden und Jüdinnen in der Moderne hatte. Es fokussiert dabei auf Wien an der Wende zum
20. Jahrhundert (18901920); und es untersucht theatrale Phänomene in einem umfassenden
Sinn: theatrales Verhalten in der Öffentlichkeit ebenso wie eine Inszenierung auf einer Bühne,
bürgerliche Dramen und moderner Tanz ebenso wie populäre Possen. Theater wird so zu einer
vielschichtigen kulturellen Praktik, mit der jüdische Zugehörigkeit in der Moderne verhandelt,
selbstbewusst behauptet oder befragt wurde. Jüdinnen und Juden beschrieben ihr öffentliches
Leben wie auf einer Bühne. Durch den modernen Antisemitismus waren sie ständiger
Beobachtung ausgesetzt und mit dem Vorwurf konfrontiert, sich im Leben nicht
selbstidentisch, sondern zu "theatral" zu verhalten. Jüdische Theaterkünstler*innen reagierten
auf diese gesellschaftliche Bedrängung wiederum: etwa, indem sie mittels Theater und Tanz
alternative Modi sozialer Existenz erprobten. Oder, indem sie Rollenhandeln in der
Öffentlichkeit genau beobachteten, kommentierten sowie theatral überformten. Das Buch
verschränkt die Jüdische Geschichte Wiens mit theaterwissenschaftlichen Themen und legt
damit aus kulturhistorischer Perspektive offen, wie Zugehörigkeit und Teilhabe in einer
Gesellschaft mittels Theater verhandelt wurden. Theater ist dabei für die jüdische Bevölkerung
Wiens um 1900 so bilanziert die Studie mit Stefan Zweig: Spiel- und Spiegelform des Lebens.