Neue Forschungen in griechischen Küsten- und Binnenpoleis
Approaching ancient Greek coastal and inland poleis
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (20%); Geschichte, Archäologie (60%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (20%)
Keywords
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Polis,
Aigeira,
Sikyon,
Lousoi,
Peloponnese
Im Mittelpunkt des durch den FWF geförderten Sammelbandes Approaching ancient Greek coastal and inland poleis in the northern Peloponnese stehen neue Forschungsergebnisse, die in den letzten Jahren in Sikyon, Aigeira und Lousoi erzielt wurden. Angesichts ihrer geographischen Lage an der Südküste des Korinthischen Golfs bzw. im gebirgigen Hinterland bieten die drei antiken Orte Einblicke in benachbarte Mikroregionen mit sehr unterschiedlichen Umweltbedingungen und wirtschaftlichem Potenzial. Das archaisch-klassische Sikyon liegt in einer fruchtbaren, weitläufigen Küstenebene und verfügte über einen direkten Zugang zum Meer. Bei der frühhellenistischen Neugründung überwogen offensichtlich strategische Überlegungen, weshalb die Siedlung auf eine gut gesicherte Anhöhe verlegt wurde. Aigeira, das in einer geschützten, zugleich aber küstennahen Höhenlage errichtet wurde, stellte seine Einwohner durch das mitunter steile Gelände und das Fehlen lokaler Wasserquellen seit jeher vor besondere Herausforderungen. Gänzlich anders, aber nicht weniger herausfordernd waren die Bedingungen im antiken Lousoi in der größten und sehr wasserreichen Karstebene des nordarkadischen Hochgebirges. Wie die neuen Forschungen verdeutlichen, waren die Kleinregionen und ihre maßgeblichen Siedlungen trotz aller Unterschiede während der gesamtenAntikeüberengmaschige kulturelle, wirtschaftliche und politische Austauschnetzwerke verbunden, in denen sie spezifische Rollen spielten. Die 14 Beiträge des Bandes erörtern Fragen, die im Zusammenhang mit dem Aufkommen neuer politischer Gemeinschaften in der Region ab dem 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. und ihrer weiteren Entwicklung bis in die Römerzeit stehen. Die erörterten Themen sind unter anderem die räumliche Konfiguration von Siedlungen, die unterschiedlichen Faktoren des städtischen Wachstums, ortsspezifische Verschiebungen in der Siedlungsdynamik, die Veränderungen von Konsum- und Produktionsmustern sowie von wirtschaftlichen und religiösen Praktiken, sowie die Prägung von Gruppenidentitäten auf verschiedenen kulturellen Ebenen. Der Band Approaching ancient Greek coastal and inland poleis erweitert den derzeitigen Kenntnisstand durch die Vorstellung neuer Primärquellen aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen. Die hier vorgestellten Ergebnisse bereichern über die Lokalgeschichte der drei Mikroregionen hinaus unser Wissen über die noch zu wenig bekannten Beziehungen zwischen den Küstenregionen und dem gebirgigen Hinterland in der nördlichen Peloponnes.