Kultureller Wandel in postmigrantischen Gesellschaften
Cultural Change in Post-Migrant Societies
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (50%); Soziologie (50%)
Keywords
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Migration,
Arts And Culture,
Cultural Change
Europa hat sich seit den 1960er Jahren von einem Auswanderungs- zu einem Einwanderungskontinent gewandelt. In diesem Prozess sind die europäischen Gesellschaften im Hinblick auf die Herkünfte, Sprachen, Religionen und kulturellen Traditionen der Menschen, die in den nationalen Territorien zusammenleben, diverser geworden. Doch das heißt nicht, dass sich damit auch das kulturelle Selbstverständnis der jeweiligen Gesellschaften gewandelt hat. Vielmehr befinden sich viele aktuell in einem Prozess der Auseinandersetzung darüber, wie sie sich selbst und ihre Geschichten erzählen sollen. In dieser Auseinandersetzung halten einige Akteur*innen an nationalen Narrativen fest, die diese Gesellschaften seit dem 19. Jahrhundert als homogene Gemeinschaften mit einer gemeinsamen Sprache, Geschichte und Kultur imaginieren. Andere dagegen fordern, dass diese Narrative der neuen multikulturellen und multilingualen Realität angepasst werden. Diese Auseinandersetzung findet nicht nur in der politischen Arena statt. Tatsächlich engagieren sich insbesondere Künstler*innen und kulturelle Aktivist*innen gegen die Ausgrenzung von Immigrant*innen und deren Nachkommen und gelten deswegen als Agenten kultureller Veränderung. Auch kulturelle Institutionen wie Museen und Theater, die seit dem 19. Jahrhundert zentral sind für die Imagination der Nation, müssen sich der aktuellen Auseinandersetzung stellen. Vor diesem Hintergrund widmet sich die Publikation Cultural change in post-migrant societies: Re- imagining communities through arts and cultural activities den folgenden Fragen: Führt Migration zu kultureller Veränderung im Sinne der Einführung eines neuen gesellschaftlichen Selbstverständnisses? Und welche Rolle kommt Kunst und Kultur in diesem Prozess zu? Der Band bietet Einblick in neue theoretische Ansätze, die ermöglichen sollen, kulturellen Wandel durch Migration zu analysieren. Er richtet den Blick auf konkrete Aktivitäten in lokalen Kontexten und deren Bedeutung für nationale Narrative. Abschließend präsentiert er neuere Ansätze in der Migrationsforschung, die sich künstlerischer Methoden bedienen und mit kulturellen Institutionen zusammenarbeiten, um kulturelle Veränderung voranzutreiben. Die Kapitel bieten Einblicke in Prozesse kultureller Veränderung durch Migration in sieben nationalen Kontexten in Europa (Deutschland, Finnland, Niederlande, Österreich, Schweiz und Vereinigtes Königreich). Dabei diskutieren sie nicht nur eine Vielzahl künstlerischer und kultureller Praktiken von Literatur, Film und Musik über Karneval und Nationalfeiertage bis hin zu Datenvisualisierung und digitalem Storytelling, sondern gehen auch auf Veränderungsprozesse in Kulturinstitutionen ein.