Das Tagebuch von Leo Thun-Hohenstein (1825–1842)
The diary of Leo Thun-Hohenstein (1825–1842)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Österreichische Geschichte,
Kulturgeschichte,
Europäische Geschichte,
Regionalgeschichte,
Geschichte der Pädagogik,
Neuere Geschichte
Wie erlebte ein Adeliger zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine Jahre als Teenager? Leopold Graf von Thun und Hohenstein, geboren im April 1811 im heute tschechischen Tetschen/Decn, begann im Alter von dreizehn Jahren mit dem Führen eines Tagebuches, in dem er seinen Alltag als Jugendlicher beschrieb: Schlittschuhlaufen und Schwimmkurse, sommerliche Waldwanderungen und das Sammeln von Pflanzen, Ausflüge mit der Familie, Geburtstagsfeiern und Weihnachtsgeschenke gehörten ebenso dazu wie Schulunterricht, Verkühlungen und Krankheiten, eine strenge Erziehung und das Einhalten religiöser Vorschriften. Ab dem Jahr 1828 besuchte er die Prager Universität und studierte Recht, womit ein neuer Lebensabschnitt für den jungen Erwachsenen begann. Nach dem Studienabschluss reiste er durch Europa, bevor sich Thun-Hohenstein dem harten Arbeitsalltag zu stellen hatte. Er war zuerst als Auszubildender bei der Prager Kriminal- und Zivilrechtsverwaltung angestellt, dann als Praktikant im dortigen Fiskalamt. Als er seinen Dienst als Kreiskommissar in den böhmischen Kreisämtern von Kourm, Rakonitz/Rakovnk und Königgrätz/Hradec Krlové versah, wurde auch die Zeit knapper, weswegen das Tagebuch mit dem Jahr 1842 abbricht. Dass der kleine Leo siebeneinhalb Jahre später zum ersten österreichischen Minister werden sollte, der die Agenden Kultus und Unterricht gleichzeitig betreute, und damit einen Teil der Geschicke der Habsburgermonarchie bestimmen würde, war noch nicht abzusehen. Und doch erlaubt das über 17 Jahre lang geführte Diarium einen Blick einerseits in die Welt eines politisch und vor allem auch gesellschaftlich engagierten Adeligen, andererseits auf die Charakteristik einer Zeit, die in vielerlei Hinsicht von Umbrüchen geprägt war: Beziehungsschwierigkeiten, Zusammentreffen mit wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit (darunter Bernard Bolzano, Franz Exner und Franz Anton von Kolowrat- Liebsteinsky), das Verfassen seiner ersten politischen Schriften und die ersten Vorboten der Revolutionen von 1848 werden durch die Erinnerungen Thun-Hohensteins greifbar. Das vorliegende Werk enthält nicht nur eine Biografie von Leopold Graf von Thun und Hohenstein und eine ausführliche Analyse und Quellenkritik des Tagebuchs, sondern lädt Interessierte ein, die frühen Lebensjahre des Reformers mit seinen eigenen Worten zu erfahren. Die Kommentare zur Edition helfen beim Verstehen der Zusammenhänge und bieten darüber hinaus Zusatzinformationen zu den beschriebenen Erlebnissen, die angehängten Register und eine Ortsnamenkonkordanz erleichtern die Suche nach den im Tagebuch erwähnten Personen, Gesellschaften, Vereinen, Orten und Ländern.
- Kärntner Landesarchiv - 100%