Umgang mit der Schöpfung
Dealing with the divine creation
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (10%); Soziologie (30%); Wirtschaftswissenschaften (60%)
Keywords
-
Kloster,
Landnutzung,
Nachhaltigkeit,
Ernährung,
Wertewandel,
Marketing
Auch Klöster müssen sich heute den seitens der Gesellschaft definierten Anforderungen an eine nachhaltige Bewirtschaftung stellen. Das Projekt untersucht deshalb die Bedeutung einer nachhaltigen Land-, Forst-, Energiewirtschaft und Ernährung (LFEnEr) in vier ausgewählten benediktinischen Klöstern Österreichs. Kann das Kloster in diesem Feld Vorbild sein? Welche Rolle spielen die spirituellen Grundlegungen? Wie kann das Kloster gleichzeitig wirtschaftliche Notwendigkeiten einhalten? Und: wie sehr folgen die Klöster gesellschaftlichen Trends? Haben sich benediktinische Klöster in Deutschland mit anderem gesellschaftlich-historischen Rahmenbedingungen auch anders verhalten? Das Vorhaben versucht diese komplexen Fragen mit disziplinären, inter- und transdisziplinären Verfahren in drei Teilen zu beantworten. Teilziel 1 untersucht die bisherigen Entwicklungen der Klöster mittels einer umwelthistorischen Nachhaltigkeitsanalyse und theologischen Analyse. Worin bestand der ursprüngliche Auftrag der Klöster? Welche Bedeutung hat das Kloster in der Region eingenommen? Konnte und kann die damalige und heutige Bewirtschaftung als nachhaltig bezeichnet werden? Welche besonderen Merkmale zeichneten diese Formen der Nachhaltigkeit aus? Welche Kooperationen und Interaktionen bestanden mit der Region? Und: wie wurden die Klöster von außen wahrgenommen? Schließlich: können die Erkenntnisse mit Theorien des gesellschaftlichen Wandels erklärt werden? Den Blick in die Zukunft (Szenarien) gerichtet (Teilziel 2): Wie könnte eine nachhaltige Bewirtschaftung der Klöster in den Bereichen LFEnEr in Zukunft aussehen? Führen Spiritualität / die benediktinischen Regeln zu einem neuen Nachhaltigkeitsverständnis? Welche Erwartungen stellt das Umfeld an das Kloster resp. welchen Auftrag stellt das Kloster an sich selbst? Sind hier wechselseitige Impulse zu erwarten? Welche Einstellungen, Werte, Normen und Erwartungen sind mit den Bereichen LFEnEr verbunden? Zwingen wirtschaftliche Erwägungen Einschnitte im nachhaltigen Handeln? Gelingt es den Klöstern eine Führungsposition in der Entwicklung nachhaltigen Wirtschaftens einzunehmen? Besteht ein Konsens über zukünftige Entwicklungen unter den geistlichen und weltlichen Mitgliedern? Und welchen Beitrag liefern diese Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Gesellschafts- und Organisationstheorien? Teilziel 3 untersucht die Umsetzung und Formen der Kommunikation neuer Nachhaltigkeitsstrategien. Wie verändern sich klösterliche Leitbilder? Welche neuen Formen nimmt das Konzept Corporate Social Responsibility (CSR) in den Klöstern an? Welche Lernprozesse durchlaufen die Klöster? Welche Auswirkungen haben Nachhaltigkeitsstrategien auf die klösterliche Struktur und Organisation? Und wie verändern sich die Beziehungen nach außen? Mit diesem Forschungsansatz wird thematisches und wissenschaftlichstheoretisches Neuland betreten. Das innovative Forschungsprojekt bedient sich Dokumentenanalysen (z. B. mit den ArchivarInnen der Klöster) sowie unterschiedlichen partizipativen Verfahren und Methoden der qualitativen Sozialforschung. Die über unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven gewonnenen Erkenntnisse werden mittels neoinstitutionalistischer Theorien und den oben genannten und weiteren theoretischen Modellen aufbereitet. Die intensive Einbeziehung der AkteurInnen gewährt, dass die Ergebnisse innerhalb der Klostergemeinschaften und den Regionen rasch kommuniziert werden.
Ziel des 3,5 jährigen Forschungsprojekts Umgang mit der Schöpfung war es, sechs Benediktinerklöster (in Österreich und Bayern/Deutschland) und ihren Umgang mit Nachhaltigkeit zu verstehen. Es stellte sich die Frage, welche Rolle ethische Grundlegungen und die Spiritualität, also verinnerlichter und gelebter Glaube, für eine nachhaltige Praxis spielen. Um die Bedeutung der Spiritualität für nachhaltige Praktiken zu verstehen, wurde in einem ersten Schritt die gelebte Praxis der Nachhaltigkeit einer Analyse unterzogen. Denn Klöster sind nicht nur Orte des Glaubens und der Seelsorge, sondern betreiben auch zahlreiche (darunter auch nachhaltige) Tätigkeiten (z.B. Tourismus, Wein- und Bierherstellung, Landwirtschaft, Forstwirtschaft u.v.m.). Orientiert sich das Leben und Wirtschaften im Kloster also am Leitbild der Nachhaltigkeit? Durchaus! Vom Umgang mit Ressourcen und künftigen Generationen über Personalführung bis hin zu Fragen der Mobilität fanden sich zahlreiche Anknüpfungspunkte. Neben der Bibel dienen die Benediktinischen Regeln als das zentrale Referenzsystem der Benediktinermönche für ihr tägliches Handeln. Die Untersuchungen von Dokumenten sowie Interviews mit den Mönchen ergaben, dass die Regeln etliche Impulse für einen nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsstil liefern. Zwar erkennen die Mönche Schnittstellen zwischen der Benediktinischen Spiritualität, ethischen Grundlegungen und dem Konzept der Nachhaltigkeit. Als direkte Anleitung für nachhaltige Praktiken sind die Regeln bislang allerdings nur ansatzweise diskutiert und verstanden. Vieles was heute im Kloster als nachhaltig zu bezeichnen ist, wird aus einer bewährten Gewohnheit oder Überlieferung praktiziert. Die Berücksichtigung der unterschiedlichen Dimensionen der Nachhaltigkeit erfolgt dabei eher unbewusst. Auch wird dem Themenkomplex der Nachhaltigkeit von den einzelnen Gruppen der Klöster (z.B. Priester, Angestellte, SchülerInnen) unterschiedlich viel Bedeutung beigemessen. Andererseits zeigten die Einblicke in die Praktiken auch, dass die Benediktinische Spiritualität schon jetzt einen Lebens- und Wirtschaftsstil ermöglicht, der sehr oft die ökologische, die ökonomische und die soziale Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigt ohne das Konzept gezielt zu verfolgen. Soziale und wirtschaftliche Verantwortung sind dabei Themen, die in der klösterlichen Tradition historisch stärker verankert sind. In Bezug auf einen ökologisch-verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung stehen die Klöster eher am Beginn einer spirituell begründeten Neu-Ausrichtung ihrer Praktiken. Das Projekt konnte schließlich durch seine Zusammenarbeit mit den Mönchen und Klosterangestellten nicht nur die Reflexion der eigenen Spiritualität vor dem Hintergrund der ökologischen Nachhaltigkeit anregen, sondern auch zeigen, dass in klösterlichen Entscheidungsprozessen über das Vorhandensein ethisch-spiritueller Grundhaltungen, Praktiken, die als sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig erkannt wurden, eine höhere Priorität einnehmen, als kurzfristigen Profit versprechende Handlungen. Damit können Klöster auch Anstöße für nachhaltige Praktiken für die Gesellschaft (v.a. privatwirtschaftliche, aber auch andere Institutionen) liefern.
- Thomas A. Naske, Hochschulstiftung der Erzdiözese Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Christian Haidinger Osb, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen , nationale:r Kooperationspartner:in
- Heinrich Ferency Osb, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen , nationale:r Kooperationspartner:in
- Michael Hüttl, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen , nationale:r Kooperationspartner:in
- Richard Hackl, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen , nationale:r Kooperationspartner:in
- Werner Thanecker, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen , nationale:r Kooperationspartner:in