Kaiser Sigismunds Regierung in neuer Sicht
Sigismund’s Imperial Rule Reconsidered
Weave: Österreich - Belgien - Deutschland - Luxemburg - Polen - Schweiz - Slowenien - Tschechien
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Sigismund of Luxemburg,
Holy Roman Empire,
Bavaria,
Wittelsbach dynasty
Die Regierung Kaiser Sigismunds im Heiligen Römischen Reich (1410/111437) wurde zuletzt in den 1980er Jahren intensiv erforscht. Das wichtigste Ergebnis war die Monographie von Sabine Wefers, wo Sigismunds Innenpolitik im Reich als eher schwach und reaktiv vorgestellt wurde. Seit den 1990er Jahren trat in der Forschung vielmehr Sigismunds Außenpolitik und Diplomatie, oder seine Kirchen- und Konzilspolitik in Vordergrund. Erst in den letzten Jahren wurde Sigismunds Reichspolitik zum Gegenstand des internationalen, von FWF und DFG geförderten Forschungsprojektes Kaiser Sigismund und Bayern, das die Beziehungen des Herrschers zu den weltlichen und geistlichen Herrschaften in Bayern untersuchte, um an diesem Fallbeispiel die Zuverlässigkeit des vorherrschenden Bildes von Sigismunds Reichsregierung zu überprüfen. Es zeigte sich dabei, dass Sigismunds Reichsregierung mindestens in Bayern viel intensiver und effektiver war, als bisher betrachtet; zum Teil dank einem dichten Personennetzwerk, zum Teil durch konsequente Ausnutzung jenes Spielraums, den dem König vor allem die zahlreichen lokalen Konflikte eröffneten. Im Nachfolgeprojekt Kaiser Sigismunds Regierung in neuer Sicht sollte die anhand des Bayernbeispiels formulierte Beobachtung im breiteren geographischen Kontext überprüft werden. Die wichtigsten Methoden dabei sind Prosopographie, Kommunikationsgeschichte, sozial- und kulturgeschichtlich geprägte Verfassungs-, Rechts- und politische Geschichte, aber nicht zuletzt auch die Analyse der kaiserlichen Urkunden und ihrer Sprache. Die letztgenannte Analyse erfolgt vor allem mittels der für die Reihe Regesta Imperii bearbeiteten Regestenbände mit den Urkundenregesten aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Um die neue Analyse der Reichsregierung Sigismunds möglichst breit anzulegen, wird im Projekt eine größere Tagung veranstaltet, auf der die Projektmitarbeiter einzelne Aspekte der Beziehungen Sigismunds zu Bayern mit ausgewählten Reichsregionen vergleichen, während eingeladene Gäste einerseits andere Regionen, andererseits allgemeine Fragestellungen untersuchen sollen. Es ist zu erwarten, dass die Tagung und ihre Ergebnisse ein neues Licht auf die Herrschaft Sigismunds und auf mehrere Aspekte der strukturellen Entwicklung des Reiches in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in ihrer ganzen Komplexität werfen werden. In der bisherigen Forschung stellt diese Art der komplexen Betrachtung der verfassungsrechtlichen und politischen Entwicklung des Reiches einen Ausnahmefall dar.
- Irmgard Fees, Ludwig-Maximilians-Universität München - Deutschland