Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (90%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)
Keywords
-
Force-content distinction,
Proposition,
Question,
Speech Acts,
Fiction,
Logic
Sein oder Nichtsein? - Diese berühmte Frage gehört gleichzeitig zu einer in der gegenwärtigen Sprachphilosophie und -wissenschaft vernachlässigten Kategorie: den praktischen Fragen, also Fragen, die nicht durch Aussagen oder Behauptungen, sondern durch Aufforderungen wie Sei! beantwortet werden. Das Projekt wird eine neue Auffassung von Fragen im Allgemeinen und praktischen Fragen im Besonderen entwickeln, zu der auch eine neue Theorie von Kraftindikatoren gehört den Zeichen, die einen Sprechakt etwa als Frage, Behauptung, Aufforderung oder Versprechen markieren. Diese Theorie integriert Kraftindikatoren in die Bedeutungstheorie und hebt die traditionelle Opposition zwischen Kraft und Bedeutung oder Inhalt auf, indem sie Kraftindikatoren Inhalt zuschreibt, der die Position des Subjekts zur Welt repräsentiert. Behaupten präsentiert die Position theoretischen Wissens, Auffordern die des praktischen Wissens. Wenn etwa jemand behauptet, die Tür sei geschlossen, präsentiert er sich als jemand, der weiß, dass dies der Fall ist. Wenn man dagegen jemanden auffordert die Tür zu schließen, präsentiert man sich als jemanden, der weiß, was zu tun ist. Fragen sind höherstufige Akte, weil sie ihrerseits auf Behauptungen oder Aufforderungen operieren. Beim Fragen fügt der Sprecher der Behauptung oder Aufforderung einen interrogativen Kraftindikator hinzu. Bei Ja/Nein-Fragen zeigt er oder sie damit an, dass er sich fragt, ob diese Behauptung oder Aufforderung zu bejahen oder zu verneinen ist, bei Gegenstandsfragen wie der Frage, wer die Türe geschlossen hat, dass er sich fragt, wie der Akt zu vervollständigen ist. Der interrogative Kraftindikator zeigt damit eine höherstufige Position des Sich-Fragens an, die nach Wissen strebt, während die Behauptungs- und Aufforderungsindikatoren die Art des angestrebten Wissens angeben. Kraftindikatoren involvieren demnach eine Form von Selbstbewusstsein, die das Projekt in Auseinandersetzung mit Theorien des Selbstbewusstseins näher bestimmen wird. Das Projekt wird weiter zeigen, dass auch logische Akte wie das disjunktive Verknüpfen durch oder und fiktionale Akte wie das Schauspielern genau wie Fragen als höherstufige Akte zu verstehen sind. So können alle Handlungen des Schauspielers, der unsere Eingangsfrage in der Hamlet-Rolle äußert, in einem einheitlichen Rahmen verstanden werden. Dazu gehört auch der Vorschlag, logische Akte über Bejahung zu verstehen statt über Wahrheit. Durch Disjunktion etwa legt man sich darauf fest, einen der verknüpften Akte zu bejahen, egal ob es sich um Behauptungen, Aufforderungen oder Fragen handelt. Das Projekt wird damit eine Auffassung entwickeln, die die Vernachlässigung praktischer Fragen und des Praktischen allgemein überwindet und das Praktische und das Theoretische als gleichrangig und strukturell parallel behandelt. Dazu wird es auch in Kooperation mit Linguisten die verschiedenen Formen praktischen Fragen in den Sprachen der Welt dokumentieren und katalogisieren.
- Thorsten Sander, Universität Duisburg-Essen - Deutschland
- Francois Recanati, Collège de France - Frankreich
- Friederike Moltmann, Université Côte d´Azur - Frankreich
- Magdalena Kaufmann, University of Connecticut - Vereinigte Staaten von Amerika
- Mitchell Green, University of Connecticut - Vereinigte Staaten von Amerika
- Peter Hanks, University of Minnesota - Vereinigte Staaten von Amerika