Wer profitiert von sozialer Beruehrung?
Who benefits from social touch—toucher, touchee or both?
Wissenschaftsdisziplinen
Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (25%); Medizintechnik (25%); Psychologie (50%)
Keywords
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Affective Touch,
Nonverbal Interactions,
C-tactile afferents,
EEG,
ECG,
Motion Tracking
In den letzten Jahrzehnten zeigten viele Studien, wie wichtig der freundschaftliche Körperkontakt ist, den wir mit anderen Menschen pflegen, die wir mögen oder die uns wichtig sind. Jedoch konzentrierte sich der Großteil der bisherigen Forschung auf die Person die eine Berührung empfängt und schenkte demjenigen, der die Berührung gibt, wenig Aufmerksamkeit. Viele Arbeiten haben gezeigt, dass sich das berührt werden angenehm anfühlt und positive Auswirkungen auf unsere körperliche und geistige Gesundheit hat. Daher ist es wichtig herauszufinden, ob das Geben von Berührungen ähnliche Konsequenzen hat. Um dies zu untersuchen, plant unser Forschungsteam, bestehend aus einer Psychologin (Annett Schirmer, Universität Innsbruck), einem Neurobiologen (Francis McGlone, Universität Liverpool) und einem Ingenieur (Greg Gerling, Universität Virginia), drei Studien. Diese Studien stellen die weit verbreitete Annahme in Frage, dass der Hauptnutzen von Berührungen bei der Person liegt, die sie empfängt. Zudem befassen sie sich mit der Möglichkeit, dass auch derjenige, der die Berührung gibt, direkt davon profitiert, und zwar nicht nur in sozialer Hinsicht, sondern auch persönlich. Die erste Studie zielt darauf ab, die positiven Gefühle zu verstehen, welche durch das Geben und Empfangen von Berührungen entstehen. Zu diesem Zweck werden persönliche Eindrücke von vergangenen Berührungserfahrungen gesammelt und eine speziell entwickelte, mehrdimensionale Bewertungsskala verwendet, um das Gefühl des sanften Streichelns zu messen. In der zweiten Studie werden die durch Berührung ausgelösten Gehirn- und Herzreaktionen von zwei interagierenden Versuchsteilnehmern mithilfe des Elektroenzephalogramms (EEG) und des Elektrokardiogramms (EKG) gemessen. Ziel ist es darzustellen, wie körperlicher Hautkontakt das zentrale und periphere Nervensystem der beiden Teilnehmer beeinflusst. Die letzte Studie verfolgt die Rolle von Berührungen für die körperliche und geistige Gesundheit. Eine Umfrage zu Berührungserfahrungen und Wohlbefinden dient als Grundlage für ein Experiment, welches die Auswirkungen von Stress und Partnerberührung erleuchtet. Darüber hinaus wird eine neue Videotechnik eingesetzt, um Berührungen zu quantifizieren und die Beziehung zwischen natürlichen Berührungseigenschaften und ihren Folgen für Geber und Empfänger zu untersuchen. Unser Vorhaben verfolgt neue Fragen zu Funktionen und Nutzen von Berührung. Es ist innovativ, weil es sowohl das Geben als auch das Empfangen von Berührungen auf natürliche Weise misst und dabei moderne Techniken wie EEG/ECG-Hyper-Scanning, Aufzeichnung von Tiefenbewegungen und 3D-Klassifizierung von Berührungsbewegungen einsetzt. Die Ergebnisse sollen nicht nur wissenschaftliche Lücken schließen, sondern auch zur Entwicklung von berührungsbasierten Anwendungen für die psychologische Therapie und die Förderung des allgemeinen menschlichen Wohlbefindens beitragen.
- Universität Innsbruck - 100%
- Greg Gerling, University of Virginia - Vereinigte Staaten von Amerika
- Francis Mcglone, University of Liverpool - Vereinigtes Königreich