Griechische Migration nach Westpontos: Eine Sozialgeschichte
Greek migration to the West Pontic coast: A social history
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)
Keywords
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Greek migration,
Black Sea,
Colonial Network System,
Path Dependency,
Economy,
Archaeometry
Dieses Projekt behandelt einen Aspekt der griechischen Migration zum Schwarzen Meer, der bisher trotz seiner weitreichenden Auswirkung auf die Gestaltung regionaler sozioökonomischer Beziehungen und seinen übergreifenden Einfluss auf die Beziehungen mit weiteren Regionen der antiken Welt nicht ausreichend wissenschaftliches Interesse gefunden hat. Der Fokus wird daher auf einem bestimmten Netzwerksystem liegen, das sich unter den ionischen Kolonien an der westlichen Küste des Pontus während der archaischen und frühen klassischen Perioden entwickelte. Dieses Netzwerksystem manifestiert sich in der konsistenten Verwendung bestimmter religiöser und wirtschaftlicher Institutionen. Der Kult des Apollo Ietros und der Austausch bestimmter vormonetärer Zeichen wurden in dieser Region erfunden und ausschließlich praktiziert, was eine neue kollektive Identität markierte. Die Hauptziele des Projekts sind: (a) das chronologische und räumliche Muster der Koloniegründung im westlichen Pontosraum zu rekonstruieren, (b) neue Daten über die Funktion und Organisation des kolonialen Netzwerksystems bereitzustellen, (c) zu untersuchen, wie die Ausbeutung von Kupfererzen an Medni Rid und Warenaustausch Migration vorantrieb und die Organisation des kolonialen Netzwerksystems prägte, (d) die ungleiche Entwicklung der Migration als Funktion der variablen Herkunft der Migranten (Ionier/Dorer) und der einheimischen Gesellschaften, die möglicherweise `fortschrittlichere` Produktionsweisen als die der Migranten entwickelt haben, zu verstehen. Neue Daten, die durch archäologische und archäometrische Studien an bestimmten kolonialen und einheimischen Stätten gewonnen wurden, werden in den historischen Dialog durch das methodische Instrument der Pfadabhängigkeit integriert. Dies wird einen neuen Ansatz für das Aufkommen und die kontinuierliche Variation von Wegen des Warenaustauschs und des Wissenstransfers ermöglichen und letztendlich aufklären, was zuvor als Pull-Faktoren für Migration verstanden wurde. Eine dialektische Behandlung des strukturierten archäologischen Befunds in Metropolen und Kolonien wird soziale Widersprüche und entgegengesetzte Kräfte hervorheben, die allgemein als Push-Faktoren für Migration wahrgenommen wurden. Die Originalität dieses Projekts liegt weder in seinen modernen archäometrischen und archäologischen Methoden noch in seinen theoretischen Perspektiven, die über den postkolonialen Fokus auf Identitäten hinausgehen, indem sie sich auf Produktions- und Austauschweisen konzentrieren. Stattdessen liegt die Innovation darin, dass zum ersten Mal all diese Ansätze kombiniert werden, um die Erforschung vergangener Migration zu ermöglichen. Das Projekt wird zahlreiche Forscher einbeziehen, die an einigen der renommiertesten Institutionen in unserer Fokusregion tätig sind, ebenso wie an anderen europäischen Institutionen und haben Feldforschung an allen betrachteten Stätten geleitet.