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"Gott in Anmuth"

“Gott in Anmuth”

Helmut Jakob Deibl (ORCID: 0000-0002-7820-0569)
  • Grant-DOI 10.55776/P36887
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 02.10.2023
  • Projektende 01.10.2025
  • Bewilligungssumme 88.652 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Keywords

    Hölderlin, Homburger Folioheft, Open Work, God, Aestehtics

Abstract

Das Werk des deutschen Dichters und Philosophen Friedrich Hölderlin (17701843) ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein immer wiederkehrender Bezugspunkt in philosophischen und kulturellen Debatten, deren Kontexte sehr unterschiedlich und deren Resultate mitunter kontrovers sein können. Ein wichtiges Thema dabei über die Grenzen der Disziplinen hinweg (Theologie, Philosophie, Literaturwissenschaften ) und auch in säkularem Umfeld ist die Frage, wie Hölderlin sich dem Gottesbegriff annähert. Tatsächlich ist die Gottesfrage ein zentrales Motiv im gesamten dichterischen und philosophischen Werk Hölderlins. Dieser Frage gehen wir in einem am Schnittpunkt von Religion und Ästhetik angesiedelten Forschungsprojekt auf der Basis von Hölderlins Homburger Folioheft nach einer Sammlung fragmentarischer Texte, die zwischen 1801 und 1806 entstanden ist und in der gegenwärtigen Forschung zu Hölderlin viel diskutiert wird. Es umfasst eine Fülle an Entwürfen, Fragmenten, Notaten und auch leere Seiten. Die Textgestalt reicht von der Reinschrift zu sich überlagernden Textschichten und ineinandergeschobenen Textsegmenten; mitunter löst sich jede wiedererkennbare textliche Form auf. Das Projekt beginnt mit der Beobachtung, dass der Begriff, das Wort, der Name Gott bzw. das Göttliche auf beinahe jeder Seite des Heftes gefunden werden kann. Auffallend oft tritt Gott oder das Göttliche dort auf, wo Hölderlin Überarbeitungen am Text vorgenommen hat Änderungen, die Johann Kreuzer mit dem Wort Sprachfindung bezeichnet hat. These des Projektes ist es, dass diese Suche nach einer Sprache in enger Verbindung mit der Gottesfrage steht. In einem close reading ausgewählter Stellen lenken wir die Aufmerksamkeit besonders auf Übergänge, Brüche und Lücken im Text sowie auf den Prozess der Überarbeitung und Sprachfindung. Dabei geht es nicht um die Identifizierung einer letzten Textvariante unter den teilweise zahlreichen Textschichten, wie um einen Endtext zu erstellen, sondern um eine Rezeption des Textes in seiner konkreten Gestalt als offenes Kunstwerk (U. Eco): So verstanden, verlangt das Homburger Folioheft nach der aktiven Mitarbeit der Leser*innen. Die Lektüre muss dann zwischen den unterschiedlichen Schichten wandern und sich auf neue Konstellationen einzelner Elemente des Konvoluts, die zunächst unverbunden schienen, einlassen. Diesen interaktiven, offenen Rezeptionsprozess bezeichnen wir als ästhetischen Zugang. Der Umstand, dass der Gottesbegriff ins Herz der Änderungen des Textes weist und der Text, als offenes Kunstwerk verstanden, von der Mitarbeit der Leser*innen abhängt, hat stimulierenden Charakter für die Theologie. Sie ist herausgefordert, sich auf neue Weise dem Namen Gottes als offenem zuzuwenden, der sich direkter Repräsentation im Text entzieht. Darin aber kommt das Homburger Folioheft der Art und Weise, wie der Gottesname biblisch verstanden wird, überraschend nahe.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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