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Kleinasien und die Geburt des Münzgeldes

The Asia Minor and the Birth of Coinage Project

Wolfgang Fischer-Bossert (ORCID: 0000-0001-5383-1877)
  • Grant-DOI 10.55776/P30147
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2017
  • Projektende 31.05.2020
  • Bewilligungssumme 235.972 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Technische Wissenschaften (5%); Geschichte, Archäologie (90%); Wirtschaftswissenschaften (5%)

Keywords

    Early Electrum Coinage, Sardes, Asia Minor, Lydia, Ephesus, Ionia

Abstract Endbericht

Die ersten Münzen wurden im 7. Jh. v. Chr. im westlichen Kleinasien geprägt, genauer gesagt in den antiken Landschaften Lydien und Ionien, die eine Schnittstelle zwischen den altorientalischen Reichen und der griechischen Kultur bildeten. In beiden Kulturen wurde bis dahin Reinmetall v.a. gehacktes Silber als Zahlungsmittel verwendet, daneben konvertible Handelswaren wie etwa Getreide. Nach der bisher geltenden Lehrmeinung wurde die Münzprägung erfunden, um diese archaische Form des Zahlungsverkehrs zu ersetzen. Tatsächlich bildet die älteste Münzprägung aber keine Fortsetzung bzw. einen Ersatz des vormünzlichen Geldes, sondern etwas gänzlich Neuartiges. Die älteste Münzprägung besteht aus Elektron, einer Legierung aus Gold und Silber. Diese frühe Elektronprägung war sehr erfolgreich; sie verteilt sich auf rund 300 Serien (das lydische Reich und ionische Stadtstaaten wie Milet und Ephesos zählen dazu) und währte gut 100 Jahre, bevor sie allmählich von Gold-- und Silbermünzen verdrängt wurde. Seit langem ist bekannt, daß die Anteile der beiden Metalle je nach Serie sehr schwanken. Lange ging man davon aus, daß antike Händler solche Wertschwankungen notgedrungen ignorierten, da man Elektron anfänglich noch nicht in seine Bestandteile habe zerlegen können. Neue Untersuchungen haben jedoch erwiesen, daß die frühen Elektronmünzen aus einer künstlichen Legierung bestanden: Die Schwankungen des Goldanteils sind nicht Folge metallurgischen Unvermögens, sondern einer gezielten Manipulation! Wie die Marktteilnehmer Münzherren und Händler auf diesen manipulativen Faktor reagierten, soll das Projekt mit einer Kombination numismatischer und metallurgischer Analysen erhellen. Zum einen wird eine größere Anzahl der frühesten Serien (aus der 2. Hälfte des 7 Jhs. v. Chr.) numismatisch untersucht, d.h. nach Stempeln geordnet und in ihrer jeweiligen metrologischen Spannbreite beschrieben. Zum anderen werden die fraglichen Elektronmünzen mehrerer großer Museen (Berlin, Wien, Paris, New York) metallurgisch untersucht, d.h. die Anteile von Gold, Silber und Kupfer bestimmt. Damit wird erstmals für ein breites Spektrum der frühen Elektronprägung alle maßgeblichen Größen vorliegen: Nominalstruktur, Stempelanzahl, Metrologie und Metallanalysen. Als Angelpunkt der Chronologie, der die Auswahl der frühesten Münzen überhaupt erst ermöglicht, dient das berühmte Tempeldepot aus dem Artemision von Ephesos, das dank neuer archäologischer Untersuchungen nun sicher ins 3. Viertel des 7. Jhs. v. Chr. datiert werden kann. Für die relative und absolute Chronologie der Serien des 6. Jhs. liegen bisher kaum Anhaltspunkte vor. Erfahrungen der Nationalökonomie erlauben jedoch, eine Arbeitshypothese zu formulieren: Jeder Münzherr wird anstreben, den Standard der bereits zirkulierenden Münzen zu unterlaufen (underselling), um durch die Differenz einen Profit einzustreichen. Die Hypothese hat sich bereits in Einzelfällen bewährt; eine zweimalige Reduktion des Goldanteils ist für die Prägestätte Phokaia nachgewiesen, und auch eine allmähliche Reduktion der Gewichtsnormen zeichnet sich ab. Die Geldtheorie hat den Prozeß der Münzgeldentstehung bisher stark vernachlässigt. Das Projekt wird diesen Prozeß beleuchten und das Innovative des Münzgeldes: den inhärenten manipulativen Faktor, zu ergründen suchen.

Asia Minor and the Birth of Coinage Die ältesten Münzen der westlichen Hemisphäre wurden an der Westküste der heutigen Türkei geprägt. Sie bestanden nicht aus einem einzigen Metall, sondern aus einer Legierung aus Gold, Silber und Kupfer, dem sog. Elektron. Die Forschungen des ÖAI im Artemision von Ephesos erlauben es heute, den Beginn dieser Münzprägung in die Mitte des 7. Jhs. v. Chr. zu datieren. Da sich die Münzen auf zahlreiche Serien verteilen, deren Abfolge und Zuweisung vielfach unklar ist, bedarf es der Zusammenarbeit mehrerer Disziplinen, um die Details zu klären. In einer Kooperation der AG Numismatik der Abt. Documenta Antiqua des IKAnt (Dr. Wolfgang Fischer-Bossert) mit dem ÖAI wird genau dies unternommen; den Ansatzpunkt bietet die Grabung im Artemision, wo über 100 dieser Münzen gefunden wurden. Sie lassen sich anhand der archäologischen Befunde verschiedenen Zeithorizonten zuordnen. Metallurgische Analysen erweisen immer mehr, daß die Serien nicht einheitlich legiert waren, sondern unterschiedlichen Normen folgen. Auch die Gewichtsnormen variieren. Im Rahmen dieses Projektes zur Elektronprägung des 7. und 6. Jhs. werden erstmals alle Parameter (Stratigraphie, Fundkartierung, Metrologie, Metallurgie und Stempelfolge) berücksichtigt.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

Research Output

  • 16 Publikationen
  • 1 Datasets & Models
Publikationen
  • 2019
    Titel Quellen und Überlegungen zum Schatzfund von Schisò 1852 (IGCH 2096)
    Typ Journal Article
    Autor Boehringer C.
    Journal Numismatische Zeitschrift
    Seiten 9-70
  • 2019
    Titel Phanes: a Die Study
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Fischer-Bossert W.
    Konferenz White Gold. Studies in Early Electrum Coinage
    Seiten 423-476
  • 2019
    Titel Ephesus switching from electrum to silver
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Fischer-Bossert W.
    Konferenz Panegyrikoi Logoi. Festschrift für Johannes Nollé zum 65. Geburtstag
    Seiten 157-171
  • 2019
    Titel Ephesus Switching from Electrum to Silver; In: Panegyrikoi Logoi. Festschrift für Johannes Nollé zum 65. Geburtstag
    Typ Book Chapter
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag Habelt GmbH
    Seiten 157-171
  • 2018
    Titel Imitations and Remodelings of Sicilian Coin Types: Fashion or Politics?; In: . Greek and Roman Coins Seen Through Their Images: Noble Issuers, Humble Users?
    Typ Book Chapter
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag Presses Universitaires de Liège
    Seiten 133-141
  • 2018
    Titel Die-Sharing and the Transfer of Dies: Evidence for Orders and Shipments of Large Sums of Money in the Ancient Greek World (5th to 3rd Centuries BC); In: Infrastructure and Distribution in Ancient Economies. Proceedings of a conference held at the Austrian Academy of Sciences, 28-31 October 2014
    Typ Book Chapter
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag Austrian Academy of Sciences
    Seiten 59-66
  • 2018
    Titel Die-Sharing and the Transfer of Dies: Evidence for Orders and Shipments of Large Sums of Money in the Ancient Greek World (5th to 3rd Centuries BC)
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Fischer-Bossert W.
    Konferenz Infrastructure and Distribution in Ancient Economies. Proceedings of a conference held at the Austrian Academy of Sciences, 28-31 October 2014
    Seiten 59-66
  • 2018
    Titel Electrum Coinage of the Seventh Century BC; In: Second International Congress on the History of Money and Numismatics in the Mediterranean World, 5-8 Jan. 2017 Antalya. Proceedings
    Typ Book Chapter
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag AKMED Koç University
    Seiten 15-23
  • 2018
    Titel Imitations and Remodelings of Sicilian Coin Types: Fashion or Politics?
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Fischer-Bossert W.
    Konferenz ΤΥΠΟΙ. Greek and Roman Coins Seen Through Their Images: Noble Issuers, Humble Users?
    Seiten 133-141
  • 2018
    Titel Electrum Coinage of the 7th Century B.C.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Fischer-Bossert W.
    Konferenz Second International Congress on the History of Money and Numismatics in the Mediterranean World, 5-8 Jan. 2017 Antalya. Proceedings
    Seiten 15-23
  • 2020
    Titel White Gold: Studies in Early Electrum Coinage
    Typ Book
    Autor Van Alfen Peter
    Verlag American Numismatic Society,U.S.
  • 2020
    Titel Ein karisches Monster
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Fischer-Bossert W.
    Konferenz Cista mystica. Festschrift für Wolfgang Szaivert
    Seiten 119-168
  • 2020
    Titel Ein karisches Monster; In: Cista mystica. Festschrift für Wolfgang Szaivert
    Typ Book Chapter
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag Österreichische Forschungsgesellschaft für Numismatik
    Seiten 119-168
  • 2020
    Titel Cista mystica. Festschrift für Wolfgang Szaivert
    Typ Book
    Autor Fischer-Bossert W.
    editors Baer M., Fischer-Bossert W., Schindel N.
    Verlag Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien
  • 2020
    Titel Phanes: a Die Study; In: White Gold. Studies in Early Electrum Coinage
    Typ Book Chapter
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag The American Numismatic Society
    Seiten 423-476
  • 2017
    Titel Ancient Sicilian Coins in the National Museum in Krakow
    Typ Journal Article
    Autor Bodzek J.
    Journal Notae Numismaticae
    Seiten 13-28
Datasets & Models
  • 0 Link
    Titel PHANES
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link

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