Die Rolle von Opsinen in Rezeptoren ausserhalb des Kopfes
Dissecting the role of Opsins in non-cephalic receptors
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (80%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (20%)
Keywords
-
Evolution,
Development,
Photoreception,
Opsin
Viele Tiere sind in der Lage, auf Licht zu reagieren. Diese Fähigkeit beruht auf bestimmten lichtsensitiven Proteinen, von denen die meisten zur Familie der Opsine gehören und in den Membranen bestimmter Lichtsinneszellen verankert sind. Opsine haben ihren Namen vom griechischen Wort für Ansicht (psis). Allerdings häufen sich die Hinweise darauf, dass Opsine nicht nur im Sehen eine Rolle spielen, sondern weitere wichtige Funktionen haben, die mit dem Sehsinn nicht direkt zu tun haben, aber möglicherweise sogar älter sind. Dieses Projekt untersucht diese anderen Funktionen von Opsinen gezielt in einem Meeresringelwurm. In einer früheren Arbeit konnten die Antragsteller bereits feststellen, dass das betreffenden Opsin-Gen nicht nur in den Lichtsinneszellen der Augen des Tieres vorkommt, sondern auch in jedem der Segmente des Wurmes, wo sich in den Beinchen der Tiere kleine Sinneszellen befinden. Interessanterweise deuten Position und molekularer Fingerabdruck dieser Zellen darauf hin, dass sie eine Funktion in der Wahrnehmung von mechanischen Reizen (Berührung, Druck) haben könnten. Durch verschiedene, gezielte Experimente untersucht diese Arbeit, inwieweit Opsine in diesen Zellen der Lichtwahrnehmung dienen, ob sie eher in mechanische Reizwahrnehmung involviert sind, oder ob sie eine Funktion in beiden Arten der Reizwahrnehmung haben. Die entdeckten Zellen haben Ähnlichkeiten zu Rezeptoren in anderen Spezies, und entsprechen interessanterweise auch einer möglichen Urform von Reizsinneszellen, die aufgrund vergleichender Studien bereits vor Jahren postuliert wurde. Die Arbeit weist damit weit über die Meeresringelwürmer hinaus, und wird Einsichten in die Evolution von Sinneszellen, sowie die möglicherweise diversen Rolle von Opsinen erlauben.
Viele Tiere sind in der Lage, auf Licht zu reagieren. Diese Fähigkeit beruht auf bestimmten lichtsensitiven Proteinen, von denen die meisten zur Familie der Opsine gehören und in den Membranen bestimmter Lichtsinneszellen verankert sind. Opsine haben ihren Namen vom griechischen Wort für "Ansicht" (psis). Allerdings häufen sich die Hinweise darauf, dass Opsine nicht nur im Sehen eine Rolle spielen, sondern weitere wichtige Funktionen haben, die mit dem Sehsinn nicht direkt zu tun haben, aber möglicherweise sogar älter sind. Das Forschungsprojekt untersuchte diese anderen Funktionen von Opsinen gezielt in einem Meeresringelwurm. In einer früheren Arbeit konnten die Antragsteller bereits feststellen, dass ein bestimmtes opsin-Gen nicht nur in den Lichtsinneszellen der Augen des Tieres vorkommt, sondern auch in jedem der Segmente des Wurmes, wo sich in den Beinchen der Tiere kleine Sinneszellen befinden. Interessanterweise hatten Position und molekularer Fingerabdruck dieser Zellen darauf hingedeutet, dass sie eine Funktion in der Wahrnehmung von mechanischen Reizen (Berührung, Druck) haben könnten. Durch verschiedene Experimente untersuchte das Forscherteam, inwieweit Opsine in diesen Zellen der Lichtwahrnehmung dienen, ob sie eher in mechanische Reizwahrnehmung involviert sind, oder ob sie eine Funktion in beiden Arten der Reizwahrnehmung haben. Durch das gezielte Einbringen eines fluoreszenten Farbstoffes in die Zellen konnte das Team Fluoreszenz-aktivierte Zellsortierung (FACS) nutzen, um Sinneszellen aus den Augen und der Peripherie gezielt anzureichern und molekular zu charakterisieren. Tatsächlich wiesen die Sinneszellen der Peripherie eine doppelte Signatur auf (Licht- und mechanische Wahrnehmung). Das Team wiederholte danach die Experimente auch in Tieren, in denen es das Opsin-Gen durch einen genetischen "Knock-out" inaktiviert hatte, und führte auch Vergleiche zwischen Tieren aus verschiedenen Lichtbedingungen durch. Durch die zusätzliche Etablierung von Computer-unterstützten Verhaltens-Analysen konnte das Team schließlich herausfinden, dass die peripheren Zellen eine mechanosensorische Funktion hatten, die allerdings dank der Funktion des Opsins durch Licht modulierbar war. Diese Ergebnisse haben verschiedenste Auswirkungen. Sie zeichnen ein neues Bild davon, wie doppelt-sensorische Zellen möglicherweise einmal ursprünglich funktioniert haben, und bereichern damit unser evolutionäres Verständnis. Sie machen darüber hinaus aber auch konkrete Voraussagen, dass verwandte Zellen in Wirbeltieren - etwa im Seitenlinienorgan von Fischen oder Amphibien - einer ähnlichen Regulation unterliegen könnten. Zudem trug die Herstellung von "Knock-out"-Würmern, in denen das Opsin-Protein nicht mehr funktional war, und auch die Analyse der Licht-Empfindlichkeit dieses Proteins, zu einer weiteren Entdeckung bei, nämlich dass dieses Opsin-Protein auch an der Wahrnehmung des äußerst schwachen nächtlichen Mondlichts beteiligt ist, das für die innere Rhythmik der Würmer von Bedeutung ist. Insgesamt haben die Ergebnisse des Forschungsprojekts mithin dazu beigetragen, den Einfluss der Umwelt-Lichtbedingungen auf Sensorik und Physiologie von Meerestieren besser zu verstehen.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 317 Zitationen
- 9 Publikationen
- 1 Methoden & Materialien
- 1 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2019
Titel A scalable culturing system for the marine annelid Platynereis dumerilii DOI 10.1371/journal.pone.0226156 Typ Journal Article Autor Kuehn E Journal PLOS ONE Link Publikation -
2019
Titel A scalable culturing system for the marine annelid Platynereis dumerilii DOI 10.1101/714238 Typ Preprint Autor Kuehn E Seiten 714238 Link Publikation -
2021
Titel The Nereid on the rise: Platynereis as a model system DOI 10.1186/s13227-021-00180-3 Typ Journal Article Autor Özpolat B Journal EvoDevo Seiten 10 Link Publikation -
2018
Titel Establishment of Transgenesis in the Demosponge Suberites domuncula DOI 10.1534/genetics.118.301121 Typ Journal Article Autor Revilla-I-Domingo R Journal Genetics Seiten 435-443 Link Publikation -
2020
Titel The cytokine MIF controls daily rhythms of symbiont nutrition in an animal–bacterial association DOI 10.1073/pnas.2016864117 Typ Journal Article Autor Koch E Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Seiten 27578-27586 Link Publikation -
2020
Titel A versatile depigmentation, clearing, and labeling method for exploring nervous system diversity DOI 10.1126/sciadv.aba0365 Typ Journal Article Autor Pende M Journal Science Advances Link Publikation -
2022
Titel Two light sensors decode moonlight versus sunlight to adjust a plastic circadian/circalunidian clock to moon phase DOI 10.1073/pnas.2115725119 Typ Journal Article Autor Zurl M Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Link Publikation -
2021
Titel Characterization of cephalic and non-cephalic sensory cell types provides insight into joint photo- and mechanoreceptor evolution DOI 10.7554/elife.66144 Typ Journal Article Autor Revilla-I-Domingo R Journal eLife Link Publikation -
2017
Titel An Overview of Monthly Rhythms and Clocks DOI 10.3389/fneur.2017.00189 Typ Journal Article Autor Raible F Journal Frontiers in Neurology Seiten 189 Link Publikation
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2020
Titel DEEP-Clear Typ Technology assay or reagent Öffentlich zugänglich
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2020
Titel "Excellence Award" of the Society for Research on Biological Rhythms (SRBR) Typ Poster/abstract prize Bekanntheitsgrad Continental/International