Langobardische Gesetzbücher und Buchkultur, 850-1025
Lombard Law-Books and Book Culture, ca. 850-1025
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (75%); Rechtswissenschaften (25%)
Keywords
-
Lombard Law,
Tenth Century Italy,
Early Medieval Legal Culture,
Book Culture,
History of the Book,
Lombardist Legal Studies
Das Interesse an langobardischen Gesetzbüchern, das bei ihren Herstellern und Benutzern von der Mitte des 9. bis zum frühen 11. Jahrhundert zu beobachten ist, zeigt deren anhaltende Bedeutung für historische und rechtliche Fragestellungen weit über das Ende der langobardischen Herrschaft (568- 774) hinaus. Die langobardischen Gesetze beinhalten mit dem Edictus Rothari (643 die früheste verschriftlichte Gesetzessammlung der Langobarden und weitere Gesetze, die von snachfolgenden langobardischen Königen bis zur Mitte des 8. Jahrhundert ergänzt wurden. Heute existieren noch neun Handschriften, die zwischen ca. 830 und 1025 hergestellt wurden, die langobardische Gesetze zusammen mit einer Auswahl karolingischer und ottonischer Kapitularien und von leges der frühmittelalterlichen gentes (Burgunder, Salfranken, Ribuaren, Alemannen und Bajuwaren) sowie Formelsammlungen, historiographische Texte usw. enthalten. Jedoch hat die Herstellung und Verwendung dieser langobardischen Gesetzescodices bislang kaum Aufmerksamkeit von Seiten der Kodikologie, der Rechtsgeschichte oder der Geistesgeschichte erhalten. Ziel meines Forschungsprojektes ist einehandschriftengestützte/quellengestützte?Studie zu den langobardischen Gesetzbüchern,die sich mit den verschiedenen Methoden auseinandersetzt, welche die Schreiber und Leser anwandten, um die Gesetze innerhalb des Rahmens der sich entwickelnden rechtliche Kontexte des langes 10. Jahrhunderts zu adaptieren. Erforscht werden soll, wie die Schreiber die Gesetze auf der Seiten der Handschriften organisiert, adaptiert und den aktuellen Umständen angepasst haben, um die Interaktion der Leser mit dem rechtliche Inhalt zu leiten und zu erleichtern. Ein weiterer Fokus liegt darauf, wie langobardische Gesetze,karolingische und ottonische Kapitularien angeeignet und im Laufe des 10. Jahrhunderts adaptiert wurden, und wie dies die Basis für das Studium des langobardischenRechts im 11. und 12 Jahrhunderts gelegt hat. Mit diesem Projekt werden die langobardischen Gesetzebücher sowohl auf der Mikroebene der Schreiber, Leserschaft und lokalen Gemeinschaften als auch auf der Makroebene von Schrift- und Rechtskultur in Italien und Westeuropa kontextualisiert. Diese Grundlagenforschung führt nicht nur zu einer nuancierten wie aktualisierten Perspektive auf die Rolle der langobardischen Gesetzgebung im 10. Jahrhundert , sondern eröffnet auch eine neue Sicht auf die weitere rechtliche Entwicklung im Früh- und Hochmittelalter.
Ziel dieses interdisziplinären Forschungsprojekts war es, eine handschriftliche Studie über langobardische Gesetzbücher durchzuführen, die von der Mitte des 9. bis Anfang des 11. Jahrhunderts hergestellt und verwendet wurden. Damit sollte gezeigt werden, wie die Schreiber und Leser die Gesetze [immer wieder] an die sich verändernden rechtlichen Kontexte des "langen" zehnten Jahrhunderts anpassten. In dem Projekt habe ich langobardische Gesetzbücher sowohl auf der [technischen] Ebene der Schreiber, des Publikums und der lokalen Gemeinschaften, als auch auf der Makroebene der Rechts- und Gelehrtenkultur Italiens kontextualisiert. Meine Forschung leistet bedeutende Beiträge zu den Bereichen der mittelalterlichen Geschichte, der Rechtsgeschichte und der Geschichte des Buches und verbessert das wissenschaftliche Verständnis der Gesetzbücher und der Buchkultur, die der Vermittlung und Weiterentwicklung des Rechts im langen zehnten Jahrhundert zugrunde liegt. Ich habe neue Analysen einzelner Gesetzbücher sowie der Ziele und Strategien der Schreiber, die sie erstellt haben, durchgeführt. Diese wiederum haben die handschriftliche Untersuchung der Entwicklung der langobardischen Gesetze innerhalb des Projekts und darüber hinaus ermöglicht, aber auch grundlegende Materialien und Analysen bereitgestellt, die helfen, die Forschung anderer auf diesem Gebiet tätiger Wissenschaftler voranzutreiben. Die Forschung zeigt die Notwendigkeit einer intensiven Analyse der Herstellung und Benutzung von Handschriften als Mittel, um die Überlieferung von Gesetzen und die Entwicklung der sozio-rechtlichen Kontexte erfassen zu können.
- Karl Ubl, Universität Köln - Deutschland
Research Output
- 6 Zitationen
- 7 Publikationen
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2025
Titel "Rechtsblöcke," Scribes, and Layout Strategies in a Ninth-Century Legal Collection DOI 10.53288/0494.1.09 Typ Book Chapter Autor Gobbitt T Verlag punctum books Seiten 251-293 -
2024
Titel : Wergild, Compensation and Penance: The Monetary Logic of Early Medieval Conflict Resolution DOI 10.1086/728180 Typ Journal Article Autor Gobbitt T Journal Speculum Seiten 194-195 -
2021
Titel Law | Book | Culture in the Middle Ages DOI 10.1163/9789004448650 Typ Book Autor Gobbitt T Verlag Brill Academic Publishers Link Publikation -
2018
Titel Poisoning, Killing and Murder in the Edictus Rothari DOI 10.1017/9781787442764.015 Typ Book Chapter Autor Gobbitt T Verlag Cambridge University Press (CUP) Seiten 333-349 -
2024
Titel Codices: Kodikologie; In: Werkzeug des Historiker/innen, II: Mittelalter Typ Book Chapter Autor Gobbitt Verlag Kohlhammer Seiten 49-71 Link Publikation -
2021
Titel Law | Book | Culture in the Middle Ages; In: Law | Book | Culture in the Middle Ages DOI 10.1163/9789004448650_002 Typ Book Chapter Verlag BRILL -
2021
Titel Liutprand's Prologues in the Edictus Langobardorum; In: Law | Book | Culture in the Middle Ages DOI 10.1163/9789004448650_005 Typ Book Chapter Verlag BRILL