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Grenzüberschreitende Religion: Limbu Rituale in Nepal-Sikkim

Trans-border Religion: Limbu Rituals in Nepal and Sikkim

Mélanie Vandenhelsken (ORCID: 0000-0001-8627-9521)
  • Grant-DOI 10.55776/P29805
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2016
  • Projektende 30.09.2021
  • Bewilligungssumme 394.958 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Soziologie (80%)

Keywords

    Himalaya, Indigenous ethnography, Ritual, Activism, Borderland, Ethnicity

Abstract Endbericht

Dieses Forschungsprojekt befasst sich mit dem Einfluss der internationalen indo-nepalischen Grenze auf die Neugestaltung religiöser Ideen und Praktiken bei den Limbu. Die Limbu, auch unter dem Endonym Yakthumba bekannt, sind eine ethnische Gruppe, deren Sprache zum Tibeto-Birmanischen gehört und deren traditionelles Territorium sich (grenzüberschreitend) von Ostnepal bis nach Westsikkim (Indien) erstreckt. Mit der Grenzziehung am Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Limbu ein grenzüberschreitendes Volk: für sie entspricht die politische Grenze nicht einem ethno- kulturellen Unterschied. Die Limbu gehören zu der umfassenderen Kategorie der Kiranti, für deren Einheit und Prestige führende Intellektuelle eine Schrift und eine Literatur entwickelt haben, um sich der Hindu-Dominanz entgegenzustellen. In jüngerer Zeit bezog sich der Kampf zunehmend auf die Religion, und die Limbu engagierten sich in einer Bewegung mit dem Ziel der Reform und Neugestaltung ihrer religiösen Ideen und Praktiken, d.h. der Neuinterpretation und Neubewertung ihrer Tradition. Die Bewegung ist eng verknüpft mit politischen und sozialen Dynamiken in Nepal und Sikkim, wenn auch in unterschiedlichen Weisen. Die erste Hypothese ist, dass die Neuschöpfung der religiösen Ideen und Praktiken der Limbu durch ihre Interaktionen über die indo-nepalische Grenze hinweg geprägt sind, wie auch im Falle anderer Gruppen der Region. Diese Frage betrifft auch die Zugehörigkeit zu einer grenzüberschreitenden Gemeinschaft bzw. zu einem Staat: betrachten die Limbu auf beiden Seiten der Grenze ihre Rituale as verbunden, und bringen gemeinsame Gottheiten, Kosmologien, rituelle Räume einen Sinn von Gemeinschaft zum Ausdruck? Eine Betrachtung der Perspektive und der Praktiken von Frauen verspricht hier weitere Klärung. Das geplante vierjährige Projekt (2017-2020) wird vor allem als ethnographische Feldforschung in Ostnepal und Sikkim durchgeführt, mit einem Schwerpunkt auf lokalen Fallstudien und mobiler Feldforschung im Grenzgebiet, wobei die grenzüberschreitenden Bewegungen von Personen, Objekten und Ideen im Fokus stehen. Durch die Anbindung des Projekts an das Centre for Interdisciplinary Research and Documentation of Inner and South Asian Cultural History (CIRDIS) der Universität Wien ist auch eine zügige Archivierung im Himalaya Archive of Vienna (HAV) gewährleistet. Das Projekt verspricht neuartige Ergebnisse in dreierlei Hinsicht: Es handelt sich um 1. eine lange hinfällige Dokumentation der lebendigen Kulturpraktiken der Limbu; 2. eine transnationale Ethnographie der Mobilität zwischen Ostnepal und Sikkim; 3. einen Beitrag zur Theorie der trans- border-Prozesse. Die Forschung ist weiters ein Beitrag zur Klärung der Beziehung von Staat und transnationalen Räumen in der heutigen globalisierten Welt, einem zentralen Problem der anthropologischen Forschung der Gegenwart.

Dieses Forschungsprojekt konzentrierte sich auf die Rolle der indisch-nepalesischen Grenze bei der gegenwärtigen Neuzusammensetzung religiöser Ideen und Praktiken in der ethnischen Gemeinschaft der Limbu. Die Limbu wurden zu einer grenzüberschreitenden Gemeinschaft, als im frühen 19. Jahrhundert die Grenze zwischen Nordost-Nepal und Sikkim festgelegt wurde. Die damit verbundene Integration der Limbu in zwei verschiedene Länder führte zu einer innerethnischen religiösen Differenzierung. Seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert sind die rituellen Praktiken der Limbu Gegenstand politischer Forderungen in Nepal und in Sikkim (heute Teil Indiens). In diesem Projekt sollte untersucht werden, wie sowohl die grenzüberschreitenden Verbindungen als auch die nationale Teilung die rituellen Dynamiken unter den Limbu und die damit verbundene Konstruktion ihrer kollektiven Identität beeinflusst haben. Damit sollte ein Beitrag zu einer akademischen Debatte geleistet werden, die im multidisziplinären Forschungsfeld der Grenzstudien geführt wird und die gleichzeitig zwei Annahmen in Frage stellt: dass Ethnizität nur innerhalb der Grenzen moderner Nationalstaaten entsteht und dass kollektive Identitäten heute deterritorialisiert sind. Auf der Grundlage früherer Forschungen in der Region war die Haupthypothese dieses Projekts, dass die Neuzusammensetzung religiöser Ideen und Praktiken durch die Limbu trotz nationalistischer Politik durch grenzüberschreitende Interaktionen gefördert wurde. Als Hauptuntersuchungsmethode für dieses Projekt war eine ethnografische Feldforschung vorgesehen. Darüber hinaus waren Archivstudien geplant, um einen Beitrag zur Erforschung der Limbu-Geschichte und der Geschichte der östlichen Grenze Nepals zu leisten, die für die Himalaya-Forschung aufgrund ihres Zusammenhangs mit der Nationalstaatsbildung in der Region (Tibet, Nepal und Indien) von besonderem Interesse sind. Insgesamt führten die drei Teammitglieder zwanzig Monate Feldforschung in Nepal und Sikkim durch; die Feldforschung dokumentierte sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede in den rituellen Praktiken der Limbu zwischen Nepal und Sikkim, sowie konkrete grenzüberschreitende Interaktionen zwischen nepalesischen und sikkimesischen Limbu. Die zentrale Hypothese des Projekts wurde bestätigt und zugleich komplexer: Die Feldforschung zeigte Spannungen zwischen zwei religiösen Hauptströmungen der Limbu auf, nämlich einer "Reform"- und einer "schamanistischen" Strömung, die in der Vergangenheit eng miteinander verbunden waren. Auf beiden Seiten der Grenze beriefen sich die Limbu auf ihre gemeinsame ferne Vergangenheit, um ihre rituellen Praktiken und ihre Identität zu konzeptualisieren, und konstruierten aus Gründen der nationalen Politik ähnliche Grenzen zwischen diesen Bewegungen. Außerdem wurde die Archivrecherche durch mündliche Überlieferungen der Limbu ergänzt; dies trug dazu bei, eine Sichtweise "von unten" einzubeziehen, während die Geschichte der Region bisher meist die Sichtweise der Herrscher wiedergegeben hat. Dieses Projekt leistete auch einen Beitrag zu den Himalaya-Studien, indem es Limbu-Rituale in Teilen von Nordost-Nepal und West-Sikkim dokumentierte, wo diese noch nie im Mittelpunkt einer ethnografischen Studie standen. Feldforschungsdaten werden nach ihrer Publikation öffentlich zugänglich gemacht.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Gregoire Schlemmer, Universite Paris Diderot - Frankreich
  • Buddhi Khamdhak, Namchi Government College - Indien
  • Tanka Subba, Sikkim University - Indien
  • Sara Shneiderman, University of British Columbia - Kanada
  • Wilhelm Van Schendel, University of Amsterdam - Niederlande
  • David Gellner, University of Oxford - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 28 Zitationen
  • 17 Publikationen
  • 1 Datasets & Models
  • 3 Disseminationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 0
    DOI 10.1163/2665-9093_bero_com_033494
    Typ Other
  • 0
    DOI 10.1163/2665-9093_bero_com_032248
    Typ Other
  • 2021
    Titel Journeys to the Realm of Bad Death in Kiranti Funeral Rites; In: Crossing Boundaries: Tibetan Studies Unlimited
    Typ Book Chapter
    Autor Gaenszle M
    Verlag Academia, The Publishing House of Academy of Sciences of the Czech Republic
    Seiten 447-462
  • 2021
    Titel Satyahangma rituals: Commemorating Phalgunanda in Eastern Nepal
    Typ Journal Article
    Autor Gaenszle M.
    Journal European Bulletin of Himalayan Research [Online]
    Link Publikation
  • 2024
    Titel The Power of Itinerancy
    DOI 10.4324/9781003544524-8
    Typ Book Chapter
    Autor Gaenszle M
    Verlag Taylor & Francis
    Seiten 93-106
  • 2020
    Titel Loyalty, resistance, subalterneity: a history of Limbu ‘participation’ in Sikkim
    DOI 10.1080/14631369.2020.1763777
    Typ Journal Article
    Autor Vandenhelsken M
    Journal Asian Ethnicity
    Seiten 235-253
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Subject and citizen: the ‘Sikkim Subject’ in Indian democracy
    DOI 10.1080/14631369.2020.1771171
    Typ Journal Article
    Autor Pradhan S
    Journal Asian Ethnicity
    Seiten 290-309
  • 2020
    Titel Rights, distribution, and ethnicisation: the Marwari’s claims for recognition as ‘old settlers’ in Sikkim
    DOI 10.1080/14631369.2020.1762483
    Typ Journal Article
    Autor Thatal N
    Journal Asian Ethnicity
    Seiten 310-329
  • 2020
    Titel Journal special Issue: "Ancestrality, Migration, Rights and Exclusion: Citizenship in the Indian State of Sikkim"
    Typ Other
    Autor Mckay A
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Review of Mona Chettri. 2017. "Ethnicity and Democracy in the Eastern Himalayan Borderland. Constructing Democracy" (Amsterdam: Amsterdam University Press)
    Typ Journal Article
    Autor Vandenhelsken
    Journal IIAS Newsletter
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Ancestrality, Migration, Rights and Exclusion: Citizenship in the Indian State of Sikkim
    DOI 10.1080/14631369.2020.1802575
    Typ Journal Article
    Autor Vandenhelsken M
    Journal Asian Ethnicity
    Seiten 213-234
    Link Publikation
  • 2020
    Titel The 1961 Sikkim subject regulation and ‘indirect rule’ in Sikkim: ancestrality, land property and unequal citizenship
    DOI 10.1080/14631369.2020.1801338
    Typ Journal Article
    Autor Vandenhelsken M
    Journal Asian Ethnicity
    Seiten 254-271
    Link Publikation
  • 2021
    Titel The Limbu Script and the Production of Religious Books in Nepal
    DOI 10.1163/24519197-bja10014
    Typ Journal Article
    Autor Gaenszle M
    Journal Philological Encounters
    Seiten 43-69
    Link Publikation
  • 2021
    Titel <> Recompositions religieuses et dissensions chez les Limbu du Sikkim
    DOI 10.4000/ateliers.14311
    Typ Journal Article
    Autor Vandenhelsken M
    Journal Ateliers d'anthropologie
  • 2016
    Titel The Politics of ethnicity amongst the Limbu in Sikkim: literary development, religious reforms and the making of the community
    Typ Journal Article
    Autor Vandenhelsken
    Journal Irish Journal of Anthropology
    Seiten 69-83
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Redefining Kiranti Religion in Contemporary Nepal.; In: Religion, secularism, and ethnicity in contemporary Nepal
    Typ Book Chapter
    Autor Gellner Dn
  • 2017
    Titel Ethnicity and Democracy in the Eastern Himalayan Borderland, Constructing Democracy
    DOI 10.1515/9789048527502
    Typ Book
    Verlag De Gruyter
Datasets & Models
  • 0 Link
    Titel Fieldwork data Recomposing Limbu Rituals in the Nepal-Sikkim
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Disseminationen
  • 2019 Link
    Titel Interview for Die Presse
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2018 Link
    Titel Press report UVienna Forschungsnewsletter
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Website
    Typ Engagement focused website, blog or social media channel
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2020
    Titel Keynote address Dibrugarh
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)

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